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Fernweh nach Heimat

Glaube und Heimat: Die am Sonntag beginnende Allianzgebetswoche 2020 hat das Thema: »Wo gehöre ich hin?«. Viel wird heute darüber diskutiert, was Heimat sein kann. Doch was hat der christliche Glaube dazu zu sagen?
Von Tobias Petzoldt
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© Foto: Daniel Bahrmann stock.adobe.com; Logo: DEA/JK; Montage: so

Unlängst gab es auf einer Schreibwerkstatt mit Jugendlichen Streit. Im Raum waren verschiedene Thesen zum Thema »Heimat« verteilt. Eine lautete »Heimat ist mein Vaterland«. Sogleich wurde kontrovers darüber diskutiert, ob und was die Frage nach Herkunftsland und Nation mit individueller Heimat zu tun haben kann und was darüber hinaus zur persönlichen Beheimatung dazugehört.

Ist Heimat der Geruch im Treppenhaus, das Läuten der Kirchenglocken oder die Farben meines Fußballvereins? Was hat Heimat mit Menschen zu tun, mit Musik oder meiner Muttersprache? Fühle ich Heimat, wenn jemand am Bahnhof auf mich wartet oder ist Heimat nur der Ort, wo die Rechnungen ankommen?

Während »Heimat« noch vor einiger Zeit allein in schlechten Schlagern, kitschigen Wohnwandaccessoires oder tendenziellen Politstatements vorkam, ist die Frage nach Heimat heute ein wichtiges Thema unserer Gesellschaft. Es heißt, noch vor 200 Jahren hatten die meisten Menschen in der Regel einen Kenntnisradius von etwa 15 Kilometern um den eigenen Wohnort herum. Dem stehen heute Erfahrungen einer globalisierten Welt, grenzenloser analoger und digitaler Begegnungen und weltweiter Bewegungsmöglichkeiten gegenüber. Abenteuerlust, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten machen Menschen mobil. Weltweite Wanderungsbewegungen sind auch bei uns angekommen. Dadurch werden Fragen laut nach eigener Identität sowie eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Zugehörigkeit. Wie bin ich so geworden, wo kann ich sein wie ich wirklich bin und mit wem so reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist?

Nicht nur, aber auch viele junge Menschen suchen vor diesem Hintergrund auch im religionspädagogischen Zusammenhang eine Beschäftigung mit diesen Themen. Zuletzt haben wir auf einer Silvesterrüstzeit in Dresden unter dem Thema »Fernweh nach Heimat« mit 50 jungen Erwachsenen darüber diskutiert, welche Rolle dabei der Glaube an Christus spielt. Denn in der Bibel, vor allem im Neuen Testament, ist die Antwort auf die Frage nach Heimat keine kamingemütliche Komfortzone mit Carport, Cerankochfeld und Couchgarnitur.

Jesus lässt die Menschen, die ihm begegnen, keinen Haustürschmuck anbringen, sondern bringt sie in Bewegung. Er löst sie aus lähmenden irdischen Bindungen und alltäglichen Abläufen. Für ihn, der keinen ständigen Ort hat, an dem er sein Haupt legen kann (Matthäus 8,20), ist klar: Ein Prophet gilt nirgends weniger als daheim (Matthäus 13,57). Radikal ruft Jesus Menschen in seine direkte Nachfolge und aus ihren Alltagsbezügen heraus. Es heißt, dass die von ihm Angesprochenen sogleich ihre Arbeitsplätze verließen und ihre Familien, ihren lebenden Vater wie den zu begrabenden sowie Frau und Kinder, um neue Lebensaufgaben wahrzunehmen.

Auch Paulus weist später auf die Flüchtigkeit menschlicher Beheimatungen und die Notwendigkeit einer göttlichen Orientierung hin. An die Christen in Korinth schreibt er: »Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel« (2. Korinther 5,1).

Wenn sich im Rahmen der nun beginnenden Allianzgebetswoche Menschen aus unterschiedlichsten Gemeinden gemeinsam der Frage »Wo gehöre ich hin?« widmen, wird dabei sicher auch über Orte und Menschen, Gefühle und Gerüche, Muttersprache und Vaterland gesprochen werden. Vielleicht gehört für manche zur eigenen Grundierung tatsächlich auch die veilchenlilane, gelb-schwarze oder, wie in meinem Fall, himmelblaue Lieblingsfußballvereinsfarbe dazu.

Christen wissen aber, dass neben den oftmals allzu variablen menschlichen Verortungen der Glaube an den lebendigen Gott eine konstante Heimat bietet. Denn dieser Gott begleitet uns an all unseren Orten, will uns Heimat sein in jeder Lebenssituation und bleibt uns Heimat, wenn sich Irdisches ändert. In diesem Leben – und weit darüber hinaus.

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