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Wie sieht’s im Himmel aus?

Neues Leben: Am Taufsonntag Quasimodogeniti steht auch das ewige Leben vor Augen, in das hinein man getauft wird. Doch wie soll sich das vorgestellt werden?
Von Henriette Crüwell
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Wie sieht’s im Himmel aus?
© Martin Dutkiewicz/stock.adobe.com

Wie sieht das Leben nach dem Tod aus? Im Roman »Bitte nicht sterben« von Gabriele Wohmann macht der Pfarrer einen Geburtstagsbesuch bei der hochbetagten Marie Rosa. Die will mit ihm weder über die vergangenen Zeiten noch übers Wetter plaudern, sondern darüber, was danach kommt, wenn da noch was kommt. »Ich will Ihnen Lebensmut machen!« sagt der Kirchenmann. »Es wäre wirklich als einziges sinnvoll«, antwortet sie ihm, »wenn Sie mir irgendwas Schönes vom Jenseits erzählten.«

Und mit dieser Bitte bringt sie ihn, den Profi in Glaubensdingen, völlig aus dem Konzept. »Im Hier und Heute sollten wir leben«, versucht er, vom Thema abzulenken. Doch die alte Dame lässt nicht locker. Sie will es wissen und bekommt keine Antwort auf die Frage, die sie umtreibt. »Er taugt wirklich nichts«, sagt sie, als der Besuch schließlich gegangen ist.

Das Urteil ist hart. Doch ich kann die Enttäuschung der alten Dame nur zu gut verstehen. Denn ihr Wunsch ist auch meiner: »Erzähl mir vom Himmel!« Aber mir fällt es schwer, mir auszumalen, wie das ist mit der Auferstehung, und Bilder zu finden als Trost auf die bedrängendste aller Fragen: Wo sind sie, unsere Toten? Wo werden wir einmal sein? Werden wir uns wiedersehen? Ich meine mittlerweile, dass wir bunte Bilder brauchen, damit unsere Hoffnung bunt und stark wird. Das gilt übrigens auch für das Reden über die Taufe. Bei einem Gespräch in der Gemeinde über die Taufe stellte ein Teilnehmer erstaunt fest: »Ich wusste gar nicht, dass es in der Taufe um das ewige Leben geht. Davon habe ich noch bei keiner Taufe einen Pfarrer reden hören!« Kann es sein, dass wir Theologen davon kein Bild haben?

Gleichzeitig aber erlebe ich immer wieder in Trauergesprächen, dass die Angehörigen sich im Unterschied zu mir überhaupt nicht schwer damit tun, über das Jenseits in aller Naivität zu reden. So erzählte mir eine Tochter: »Ich habe meiner Mutter gesagt, dass sie keine Angst zu haben brauche, denn Moritz, unser alter Kater, würde dort doch schon auf sie warten. Und ich sehe«, fügte sie nachdenklich hinzu, »wie die beiden jetzt da oben zusammen auf dem Sofa sitzen, umgeben von meinen Großeltern, meinem Vater und all den anderen … Wir werden uns wiedersehen … hoffe ich.«

Wie aber lässt sich vernünftig und lebendig von dieser Hoffnung reden? Der Philosoph Paul Ricoeur bietet ein Modell an, mit dem sich gut arbeiten lässt: das Modell einer »zweiten Naivität«, die durch »die Wüste der Kritik« hindurchgegangen ist. Sie ist nicht wie die erste Naivität, die alles für unmittelbar wahr hält, sondern sie kennt das Fragen, Zweifeln und Verzweifeln und vertraut sich dennoch den alten Symbolen und Bildern an.

In der Offenbarung des Johannes (Kapitel 21, Vers 5) sagt Gott: »Siehe, ich mache alles neu!« Da geht es um die kommende Welt. Jenes Land, in dem noch niemand von uns war, aber zu dem wir alle, so glaube ich, unterwegs sind. Dieses Bild verwendete ich bei der Trauerfeier für den Architekten G. K. In dieses unbekannte Land ist er uns vorausgegangen, sagte ich. Mit dem wachen Blick, der ihn schon hier ausgezeichnet hat, seinem Erfindergeist und seiner Freude am Neuen.

Wir wissen nicht, wie dieses andere Leben nach dem unseren hier aussehen wird und wo unsere Lieben jetzt sind, wo G. K. jetzt ist. Vielleicht sieht er eine prächtige Gartenstadt, in der es nie dunkel wird, so wie in jenen Mittsommernächten in Norwegen, die er so liebte. Es ist eine ganz besondere Stadt aus edlen Steinen mit wunderbaren Pflanzen, wo nicht nur die Bienen Nahrung finden, sondern wir alle eine Wohnung haben.

Und ich stelle mir vor, wie G. K. staunend durch diese Stadt geht, so, wie er früher über die Messe gelaufen ist und alles entdeckte, was es da an Neuem zu entdecken gab.

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