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Kontakte in der Krise

Diakonie: Die Beratungsstellen der Diakonie mussten wegen der Corona-Pandemie wochenlang für Besucher schließen. Doch die Mitarbeiter versuchten über Telefon, auf Parkbänken oder anderen Wegen den Kontakt zu Hilfebedürftigen zu halten. Jetzt wird das leichter.
Kathrin König
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Auf Abstand auch bei der Diakonie: Die Beratungsstellen mussten wochenlang für Besucher schließen, selbst die Post wurde – wie hier in Hannover – auf ungewöhnlichen Wegen weitergegeben. Langsam aber kehrt wieder Alltag ein. © Diakonie Hannover

In jeder Krise steckt die Chance, dass sich Neues entwickeln kann«, sagt Bettina Rießner. Sie leitet die Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Diakonie St. Martin in Weißwasser mit Außenstelle Niesky. Mit ihren insgesamt acht Mitarbeitern hat sie aufgrund der Corona-Beschränkungen wochenlang improvisiert, um Kontakt mit Ratsuchenden und Familien zu halten. Etwa 500 Fälle betreuen sie insgesamt pro Jahr. »Als das Betretungsverbot für Beratungsstellen kam, haben wir alle Klienten angerufen und versucht, vieles telefonisch zu regeln«, sagt Bettina Rießner. Das Telefon sei jedoch nicht für jeden das richtige Medium gewesen. Deshalb trafen sich die Berater auch einzeln mit Eltern oder größeren Kindern mit Abstand im Freien – zum Reden, Spazierengehen und Gedanken sortieren in der Natur. »Die Rundgänge waren eine gute Lösung. Manche fanden das richtig schön in der Frühlingssonne und wir haben den Jahnteich direkt in unserer Nachbarschaft als guten Gesprächsort entdeckt«, erzählt Rießner. Die Leiterin kann sich vorstellen, dass solche Gesprächsformate auch künftig fortgeführt werden. Manche Kinder und Familien bekamen auch Postkartengrüße von der Beratungsstelle aus Weißwasser.

Das Improvisieren ist mit den ersten Corona-Lockerungen in Sachsen seit Ende April in den Hintergrund gerückt. Allgemeine Beratungsstellen dürfen nun wieder öffnen. Das bestätigt auch der Referent für Kirchenbezirkssozialarbeit bei der Diakonie Sachsen, Tilmann Beyer. Die Mitarbeiter in den Kirchenbezirken hätten in den zurückliegenden Wochen vieles ausprobiert, um den Kontakt zu Gesprächssuchenden und Klienten zu halten. »Die meisten Gespräche liefen telefonisch, per Videokonferenzen oder E-Mail«, sagt Beyer. Es habe in Pflegeeinrichtungen aber auch Gespräche am offenen Fenster gegeben oder, wie in Weißwasser, Beratungen auf Parkbänken mit Sicherheitsabstand.

Wenn die Beratungsstellen der Diakonie wieder in den normalen Modus persönlicher Beratungen übergehen, sind erhöhte Hygienevorschriften zu beachten: Mindestabstand, Desinfizieren, Mund-Nase-Schutz. »Viele, die zu uns kommen, fragen, ob sie Mundschutz tragen müssen oder nicht. Laut Hygienevorschriften müssen sie das nicht. Wir reagieren da individuell. Wer Mundschutz tragen will oder Angst hat, trägt ihn«, erklärt Rießner. Auch Telefonberatungen würden weitergeführt, wenn Klienten das wünschen.

Die Leiterin der Familienberatungsstelle hat festgestellt, »dass die Dankbarkeit der Leute überwiegt, dass wir ansprechbar sind«. Sie wünscht sich, dass noch andere Erkenntnisse aus den Krisenwochen Folgen haben. »In allen Lebenslagen können Menschen zueinander finden und füreinander da sein«, meint Rießner mit Blick auf die Ideensuche, um einen funktionierenden Alltag zu ermöglichen. »Ich wünsche mir, dass bei den Menschen ankommt, wie wichtig das Miteinander ist. Schön wäre es, wenn die Aufmerksamkeit für unsere Nachbarn, das Zuhören und mehr Achtsamkeit auch nach der Corona-Krise weitergelebt würden.«

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