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Über das Sterben in Corona-Zeiten

Zwischenruf: Warum wir nicht nur Beatmungsplätze, sondern eine liebevolle Sterbe-Begleitung brauchen
Pfarrer Alexander Brodt-Zabka
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Durch die momentane Krise der Corona-Pandemie scheinen mir die Errungenschaften der Hospizbewegung und Palliativversorgung der letzten Jahrzehnte wieder zurückgedrängt zu werden. Denn in der öffentlichen Diskussion kommt das Thema Palliativbehandlung und hospizliche Begleitung so gut wie gar nicht vor. Es scheint, dass die Kurativmedizin mit ihrem ausschließlichen Blick auf »Heilung« wieder die alleinige Deutungshoheit über das Geschehen dieser Tage eingenommen hat und Ansätze hospizlicher und palliativer Versorgung und Begleitung an den Rand gedrängt werden. Und dass es in diesen Zeiten wieder hingenommen wird, dass Menschen auch mit schweren Vorerkrankungen an Schläuchen hängend und allein auf Intensiv­stationen sterben, medizinisch maximal betreut, aber ohne menschliche Zuwendung – das gekachelte Krankenhausbad ist wieder zurück.

Schwere Krankheitsverläufe infolge einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus treffen vor allem alte und abwehrschwache Menschen. Das Durchschnittsalter der infolge von Covid-19-Verstorbenen liegt hierzulande bei 82 Jahren. Bei den meisten multimorbiden Menschen – also Menschen mit einer Vielzahl von Vorerkrankungen – ist eine Beatmung medizinisch gar nicht mehr indiziert: Eine intensivmedizinische Behandlung stellt für alle Menschen eine große Belastung dar, sowohl körperlich als auch seelisch. Die »Erfolgsaussichten« auf ein Überleben nach der Beatmung sind hier zudem äußerst gering. Und palliativmedizinisch ist es meist einfach, Menschen vor einem qualvollen Erstickungstod zu bewahren und ihnen einen sanften Sterbeprozess zu ermöglichen. Viele Menschen hatten bereits vor der Pandemie aus Furcht vor ­intensivmedizinischer Behandlung eine Patientenverfügung aufgesetzt, um im höheren Alter ganz bewusst eine solche Behandlung für sich auszuschließen. Auch hierüber wird ­öffentlich kaum gesprochen.

Und so braucht es eben nicht nur »Beatmungsplätze«, sondern vor allem den Ausbau palliativer und hospizlicher Behandlungs- und Betreuungsangebote – eine uralte Forderung der Hospizbewegung. Der spirituelle Gehalt der Osterzeit ist unser Glaube, dass der Tod überwunden ist und nicht das letzte Wort behalten wird. Dieser Glaube hat mich in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen und deren Zugehörigen immer getragen. Bedrückender als die Tatsache, dass Menschen sterben – woran auch immer –, finde ich die Tatsache, dass sie es infolge der Pandemie wieder ohne liebevolle psychosoziale und spirituelle Begleitung, dafür aber medizinisch maximal betreut und intubiert bis zum Schluss tun sollen. Ein hochaltriger Mensch mit einer Reihe von Vorerkrankungen – vielleicht auch bereits dementiell verändert und von daher gar nicht mehr in der Lage, das Geschehen kognitiv zu begreifen –, ist auf vieles angewiesen, vor allem auf Wärme, Nähe, Sicherheit, Geborgenheit und liebevolle Begleitung, am besten von vertrauten Menschen und seinen Zugehörigen, die bei ihm sein können. Ganz sicher aber nicht auf eine Intensivstation und ein Beatmungsgerät.

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