Gottes Geist wirken lassen

Pfingsten: Viel wird heute von der Kirche erwartet und gefordert. Oft wird rege Aktivität an den Tag gelegt. Doch das kann im Ausbrennen enden. Das pfingstliche Geheimnis heißt: Lasst den Heiligen Geist wirken. Wie kann eine geistvolle Kirche heute aussehen?
Von Landesbischof Tobias Bilz
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Wir brauchen ein neues Pfingsten! Seit ich in unserer Kirche mitarbeite, kenne ich diesen Satz und die Sehnsucht dahinter. Schon als ehrenamtlicher Leiter meiner Jugendgruppe habe ich ihn geseufzt, wenn alles furchtbar schwer ging. Als Gemeindepfarrer habe ich Gebetstage vor Pfingsten initiiert, weil mir von Jahr zu Jahr stärker bewusst wurde, dass wir ohne die Kraft des Heiligen Geistes nichts erreichen werden. In der Jugendarbeit der Landeskirche habe ich viele Jugendgottesdienste erlebt, in denen Jugendliche voller Sehnsucht nach dem Wirken des Heiligen Geistes ihre Lieder gesungen haben.

Doch in unterschiedlichen Leitungsämtern musste ich feststellen, dass engagierte Christinnen und Christen ausbrennen, weil sie trotz aller Bemühungen nur wenig Frucht sahen und sehen. Unsere Kirche unterliegt bei allem, was in ihr an Segen festzustellen ist, einem Auszehrungsprozess. Wir schaffen es nur mit großer Mühe, in großen Regionen für unsere Mitglieder da zu sein, geschweige denn, durch missionarische Aktivitäten neue hinzuzugewinnen. Zusätzlich ruft die Welt um uns herum laut nach unserem Engagement: Warum sagt ihr nichts, wenn durch Corona Alte einsam sterben? Wieso gibt es keine Impulse für alternative Wirtschaftsformen? Ist es auch den Christen egal, wenn Flüchtlinge in gefängnisähnlichen Camps im Schlamm versinken? Warum seht ihr wort- und tatenlos zu, wenn in unserem Land Nationalisten die Gesellschaft spalten? Interessiert es euch nicht, dass Gottes Schöpfung unter den Exzessen menschlicher Ausbeutung ächzt und stöhnt? Ich spüre die Dringlichkeit dieser Fragen! Natürlich versuchen wir, sie zu beantworten. Aber wir dringen irgendwie nicht durch, es geht unglaublich schwer. Wir brauchen ein neues Pfingsten, oder?

Was ist eigentlich geschehen, an diesem ersten Pfingsten, das wir als Geburtstag der Kirche feiern? Die Freundinnen und Freunde von Jesus hatten einen Auftrag bekommen. Sie sollten weltweit Zeugen dessen sein, was sie mit ihm erlebt hatten! Zugleich hatte Jesus sie gebeten, nicht sofort damit anzufangen: Wartet auf den Heiligen Geist! Sie haben das betend getan. Am Pfingsttag ist es dann passiert. Kraft Gottes kam auf sie (Wind) und Leidenschaft (Feuer) für ihre Aufgabe. Dazu die Fähigkeit, so zu sprechen, dass sie verstanden wurden (Sprachenwunder). Petrus hielt daraufhin eine Predigt über den Auferstandenen und machte zugleich deutlich: Jetzt erfüllt sich, was jüdische Propheten längst vorhergesagt hatten. Alles, was lebt, soll Gottes Geist empfangen! Wenn das immer noch gilt, wieso erleben wir dann so wenig davon? Irgendetwas machen wir doch verkehrt. Dabei könnte genau dieser Selbstzweifel das Problem sein. Wenn es an uns liegt, dann sind wir für den Heiligen Geist verantwortlich. Das führt zwangsläufig zu Leistungsdenken oder Niedergeschlagenheit. Wir merken jedoch, dass wir das, was heute gebraucht wird, nicht durch mehr Einsatz, höhere Qualität oder intensivere Frömmigkeit erzeugen können. Die Herausforderungen sind zu groß. Deshalb ist es gut, sich neu auf Pfingsten zu besinnen.

Die Wirksamkeit unseres Tuns hängt von Gott ab. Sein Geist ist uns bereits gegeben und damit Kraft, Liebe und Besonnenheit (2. Timotheus 1, Vers 7). Jetzt kommt es darauf an, dass sie sich entfalten. Schöpfen aus den Quellen des Glaubens statt krampfhaften Bemühens, liebevolle Vielfalt statt gegenseitigen Reglementierens, Sinn für das Not-wendende statt aufgeregte Aktivitäten. Unsere Hingabe an Gott und die Offenheit für das, was er wirken möchte, könnte in diesem Sinne der Schlüssel für eine geistvolle Kirche sein. Geduldiges Aushalten, mutiges Handeln und orientierendes Reden werden ihre Markenzeichen sein.

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