Stärkung in der Pandemie

Passion: Die Fastenzeit inmitten des Corona-Lockdowns erscheint vielen als doppelter, fast unzumutbarer Verzicht. Doch es geht um das Auffinden von Kraftquellen, um diese Wüstenzeit zu überstehen.
Von Stephan Cezanne (epd)
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Ist die Fastenzeit 2021 inmitten des Corona-Lockdowns eine Überforderung, vielleicht sogar Zumutung? Seit Monaten kein Re­staurantbesuch, der nächste Shopping-Bummel oder das Fest mit Freunden nicht in Sicht, ganz abgesehen von existenziellen Ängsten und Sorgen vieler Menschen. Soll man wirklich zusätzlich freiwillig auf Fleisch, Alkohol, Nikotin, Fernsehen oder Süßigkeiten verzichten?

»Corona ist inzwischen zu einer zehnmonatigen Übung geworden, mit Leid, Verlust und Angst umzugehen – wir haben mehr als genug gefastet«, bemerkt die Hannoveraner Pfarrerin und »ZEIT«-Kolumnistin Hanna Jacobs (32). Mit anderen Theologinnen und Theologen wirbt sie für eine etwas andere Passionszeit 2021. »Wir verzichten seit Monaten auf so viel: Ausgelassenheit, Kulturveranstaltungen, Berührungen, Kneipenbesuche. Jetzt auch noch für sieben Wochen auf ein bestimmtes Lebensmittel zu verzichten, würde am geistlichen Sinn des Fastens völlig vorbeigehen«, sagt Jacobs dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie vermutet, dass in diesem Jahr weniger Menschen im traditionellen Sinne fasten werden.

In dieser besonderen Fastenzeit vor dem zweiten Corona-Ostern, fügt die evangelische Theologin hinzu, gehe es nicht um einen Beweis »der eigenen Willensstärke, nicht ums Durchhalten und auch nicht um Kalorienreduktion, sondern darum, sich zu besinnen und das Leiden nicht aus dem Sinn und Blick zu verlieren«. Es gehe darum, »das Mitleidenkönnen nicht zu verlernen«. Daher redeten die evangelischen Christen lieber von Passionszeit als von Fastenzeit. In der Passionszeit 2021 könne es darum gehen, »nach den eigenen Kraftquellen zu suchen, um Wüstenzeiten zu überstehen, so wie Jesus die 40 Tage in der Wüste überstanden hat, ohne verrückt zu werden«, sagt Jacobs.

Seit 1983 unterstützt die evangelische Kirche diese Suche nach den eigenen Kraftquellen in der Passionszeit mit der Fastenaktion »7 Wochen Ohne«. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto »Spielraum – Sieben Wochen ohne Blockaden«. Sie solle dazu beitragen, »dass Menschen mehr Weite in ihrem Leben entdecken und Enge hinter sich lassen«, sagt die evangelische Theologin und Kuratoriumsvorsitzende der Initiative Susanne Breit-Keßler dem epd.

Fasten sei keine moralische Angelegenheit, betont Breit-Keßler: »Es bedeutet vor allem, kleine Fluchten und große Freiheiten für sich zu entdecken. Wo und wie kann ich mich neu und anders als bisher entfalten?« Das diesjährige Motto »Spielraum« solle auch für eine Zeit stehen, »in der ich nachdenke, wie die Menschen dieser Welt miteinander verbunden sind und was man selbst zu einer Globalisierung der Herzen beitragen kann«.

Doch während eines solchen Rückzugs – ob freiwillig oder angeordnet – könnten freilich Ängste, Verdrängtes sowie andere Gefühle nach oben kommen, gibt der evangelische Pfarrer Andreas Hoffmann aus Frankfurt am Main zu bedenken: »Das passiert jetzt natürlich ganz viel: Die Nerven liegen blank, wir starren auf die Nachrichten. Wie schlimm wird es denn noch?«

Da müsse man aufpassen, nicht in den Sog des Negativen zu geraten. Daher solle man jetzt laut Hoffmann »seine Dämonen und schweren Gedanken liebevoll anschauen, willkommen heißen, aber auch loslassen«. In dieser Weise könne die Fastenzeit gerade in der Corona-Krise »ein Weg zur Seelenruhe« werden. Rückzug sei etwas, was hart, aber auch wichtig ist, sagt der ausgebildete geistliche Begleiter.

Fastengruppen und Gesprächskreise müssen in diesem Jahr meist digital stattfinden. Dafür bietet die Aktion »7 Wochen Ohne« einige Möglichkeiten an. Eröffnet wird die Aktion am 21. Februar, 9 Uhr, mit dem ZDF-Fernsehgottesdienst. 

www.7-wochen-ohne.de

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