Klimapilger erreichen Sachsen

Schöpfung: Auf dem ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit klagen Christen über die Not der Erde und fordern eine entschiedene Umkehr. Auch in Sachsen wollen sie Spuren hinterlassen.
Von Stefan Seidel
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© Foto: Klimapilgern 2021

Es ist bereits das fünfte Mal, dass sich Christen der beiden großen Kirchen im Sommer auf einen Klimapilgerweg quer durch Europa machen, um vom Ort der jeweils letzten Weltklimakonferenz zum Ort der diesjährigen zu pilgern.

Mitte August sind unter dem Motto »Geht doch!« rund 30 Dauerpilgerinnen und -pilger im polnischen Zielona Góra (rund 300 Kilometer nordöstlich von Katowice) gestartet, um am 29.  Oktober im schottischen Glasgow anzukommen, wo ab 31. Oktober die UN-Klimakonferenz um Wege zur Abwendung des Klimakollaps ringen wird. Es ist buchstäblich ein weiter Weg – rund 1450 Kilometer durch Polen, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien. Auf den 77 Stationen, unter anderem in Leipzig, Enschede und Edinburgh, wollen die Pilger auf die Folgen des Klimawandels hinweisen und sich mit lokalen Projekten für Klimaschutz beschäftigen. Dabei werben sie für eine Mobilitäts-, Agrar- und Ernährungswende.

Schirmherrin Annette Kurschus, Vize-EKD-Ratsvorsitzende, sagte zum Start: »Mögen die ›Kraftorte‹ auf dem Weg von Polen nach Glasgow stärken und die ›Schmerzpunkte‹ sensibilisieren für unser gemeinsames Anliegen, Gottes Schöpfung zu bewahren und das Menschenmögliche zu tun, um den Klimawandel aufzuhalten.« Der katholische Projektleiter des Klimapilgerweges, Thomas Kamp-Deister, ergänzte: »Fachleute aus aller Welt sind sich einig, dass die nächsten zehn Jahre über die mittelfristige Zukunft der Menschheit auf dem Planeten Erde entscheiden können.«

Die Dringlichkeit des Anliegens wurde zuletzt durch die Flut- und Waldbrandkatastrophen in Europa deutlich, die laut einer aktuellen Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundes Vorboten einer dramatischen Zukunft sein könnten. Bei ungebrem-stem Klimawandel würden die Risiken durch Hitze, Trockenheit und Starkregen in Deutschland stark ansteigen und die Ökosysteme bis hin zur Gesundheit der Menschen wie bei einem Dominoeffekt schädigen, heißt es in der Analyse.

Es drohen Dürren durch Wassermangel in den Böden sowie Starkregen, Sturzfluten und Hochwasser ebenso wie die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheitsüberträgern. »Bei einem starken Klimawandel würde Ende des Jahrhunderts im Vergleich zu heute ganz Deutschland ein Hotspot für Risiken des Klimawandels«, lautet ein Fazit der Klimawirkungs- und Risikoanalyse. Hinzu kommt nun die Warnung des Weltklimarates IPCC, demzufolge ein Erreichen gefährlicher »Kipppunkte« bei einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad bereits zehn Jahre früher eintreten könnte als bisher angenommen, also schon im Jahr 2030.

Es scheint sich zu bewahrheiten, was die Zeitung »Frankenpost« einmal so ausdrückte: »Die Krone der Schöpfung ist deren Sargnagel.« Doch das wollen die Klimapilger noch abwenden, unter anderem durch einen ökumenischen Aufruf, dass die Bewahrung der Schöpfung bei der Weltklimakonferenz sehr ernstgenommen werden müsse.

In diesen Tagen erreichen die Klimapilger Sachsen, wo am 26. August die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, auf der Etappe von Großenhain nach Riesa hinzustößt und die Pilger zu Gast in der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Riesa sind. Am 27. August ist ein Aktionstag in Riesa geplant, bei dem die Schöpfungsbeauftragte der sächsischen Landeskirche, Anne Römpke, auf dem Mannheimer Platz über Möglichkeiten des Handelns im Angesicht der Klimakatastrophe sprechen wird (10  Uhr). Weiter geht es über Wermsdorf, Meltewitz, Machern nach Leipzig, wo die Pilger am 31.  August, 16.30  Uhr mit einer Andacht in der Nikolaikirche Leipzig begrüßt werden. Wer mitpilgern möchte, kann sich im Internet dafür anmelden.

www.klimapilgern.de

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