Heilmittel gegen die Spaltung

Gefährdetes Miteinander: Der Umgang mit der Pandemie droht Familien, Kirchgemeinden und die Gesellschaft zu spalten. Das kann verhindert werden, wenn Klarheit, Empathie und Vertrauen die Oberhand gewinnen.
Von Stefan Seidel
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Vielerorts erzeugt der Umgang mit der Corona-Schutzimpfung und den Pandemie-Schutzmaßnahmen Uneinigkeit, Streit und Entfremdung. Muss schon von einer Spaltung der Gesellschaft gesprochen werden? Der Weltanschauungsbeauftragte der Landeskirche, Harald Lamprecht, ist da vorsichtig. Er hält eine Vielfalt von Meinungen und auch das Ringen um den gemeinsamen Nenner für einen Normalzustand und lehnt die populistische Vereinfachung einer Einteilung der Welt in »Wir« und »die Anderen« als unzureichende Beschreibung der Wirklichkeit ab. Dennoch diagnostiziert er in einem Beitrag für das Magazin »Confessio« nun in der Impffrage tatsächlich eine faktisch eingetretene Spaltung – in einen »weitaus größeren Teil der Bevölkerung«, der den Empfehlungen der wissenschaftlichen Institutionen, Ärzteschaft und Impfkommission traut, sich impfen lässt und ohne Protest die Schutzmaßnahmen befolgt; und in einen »kleineren, aber wesentlich lauteren Teil der Bevölkerung«, der sich alldem verweigert, das Virus verharmlost und oft auch der Regierung unterstellt, Teil einer breit angelegten Verschwörung gegen die Bevölkerung zu sein. Sich auf diese Seite der Wirklichkeitswahrnehmung zu schlagen, kann laut Lamprecht verschiedene Gründe haben: Verführung (es stiftet im Stress der Pandemie Entlastung, wenn das Virus verharmlost wird) oder Kalkül (»Empörungsunternehmer« ziehen Gewinn aus der Destabilisierung der Gesellschaft im Zuge des Kampfes gegen die politischen und medizinischen Corona-Schutzmaßnahmen). Daraus folgert er: »Für den Kern der jeweiligen Bereiche gelten komplett getrennte Wirklichkeiten.« Wobei er festhält, dass der Spaltungs-Vorwurf vor allem von denen geäußert werde, »die selbst mit ihrem Verhalten und ihrer Propaganda die Pandemie am Laufen halten« und »medizinisch zutiefst sinnvolle Forderungen nach Kontaktreduktion besonders für Menschen ohne Impfschutz (2G)« als »Spaltung der Gesellschaft« diskreditieren.

Für den Umgang damit empfiehlt Lamprecht Klarheit und Empathie. Dabei müssten zwei Ebenen unterschieden werden: Die öffentliche und die persönliche Verständigung. Kirchenleitenden empfiehlt er eine möglichst große Klarheit in der eigenen Position, die orientiert sein sollte an der Solidarität mit Schwächeren und der Respektierung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Im persönlichen Gespräch sei es dagegen auch nötig, auf die Ängste und Nöte des Gegenübers einzugehen und um ein Verstehen bemüht zu sein. Ein sensibles und sachkundiges Gespräch soll dabei »auf möglicherweise auch berechtigte Ängste und Sorgen eingehen und falsche Lösungsansätze unterscheiden«. Diese zwei Ebenen sollten nicht vermischt werden. Denn sonst führe das im öffentlichen Bereich zu »weichgespülten« Stellungnahmen und zur »Verhinderung nötiger Maßnahmen«, »weil man ja im Gespräch bleiben will«. Im zwischenmenschlichen Miteinander allerdings sollten Menschen, die sich nicht eindeutig genug positioniert haben, nicht ausgegrenzt und dem »feindlichen Lager« zugeschrieben werden, da das die Gräben vertiefe. Ziel sei es, so Lamprecht, die »Spaltung der Gesellschaft« in ein »Management der legitimen Vielfalt« zu überführen.

Ein Grund für die Spaltung – im seelischen wie im gesellschaftlichen Bereich – ist oftmals Angst. Das entscheidende Heilmittel gegen die Angst ist seit jeher das Vertrauen. Im gesellschaftlichen Bereich würde eine Stärkung des Vertrauens in die wissenschaftlichen und politischen Institutionen helfen. Dieses ist trotz mancher Enttäuschung immer noch der aussichtsreichste Weg, um für das gemeinschaftliche Ganze den im Moment bestmöglichen Weg zu gehen. Im persönlichen Bereich könnte eine Stärkung des Vertrauens in Gott aus den Sackgassen der Bedrängnis führen: dass Gott bei uns ist, auch wenn wir wandern müssen durch die »Todschattenschlucht« (Psalm 23).

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