Um Gottes Willen kein Krieg

Ukraine-Konflikt: Unter den Menschen in der Ukraine geht die Angst vor einem Kriegsausbruch um. Wie geht es den Gemeinden vor Ort? Welche Alternativen gibt es? Und was können die Christen tun?
Von Enno Haaks
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Die Lage an der ukrainisch-russischen Grenze ist bedrohlich. Es gibt die große Sorge vor einem Krieg. Aus der lutherischen Gemeinde in Kiew berichtet Pfarrer Matthias Lasi, dass es viele Gemeindemitglieder gibt, die einen Notfallkoffer gepackt haben. Viele glauben, dass der Truppenaufmarsch, die zahlreichen Manöver und Drohgebärden darauf hinweisen, dass ein Krieg unausweichlich ist, wenn nicht Moskau Zugeständnisse macht. Nur: Ist das realistisch? Wie kommt Russland gesichtswahrend aus dem Konflikt ohne Krieg heraus?

Der Bischof der lutherischen Kirche der Ukraine, Pavlo Schwarz, hat einen Appell veröffentlicht, der das widerspiegelt, was die Menschen vor Ort empfinden. Darin heißt es über die Konzentration von russischem Militär an den Grenzen: »Es ist eine beträchtliche Kraft, die in der Lage ist, unserem Land enormen Schaden zuzufügen und unter der Zivilbevölkerung gewaltige Opfer zu bringen – Millionen von Menschen werden möglicherweise angegriffen.« Er ruft die Christenheit auf: »Betet, dass die große Invasion, die uns droht, nicht stattfindet.«

Der Chef der katholischen Caritas in der Ukraine schilderte vergangene Woche mögliche Eskalationsstufen, auf die er sich mit seinen Mitarbeitenden vorbereitet: 1. Es bleibt bei der im Osten »eingefrorenen latenten lokalen Kriegsgefahr«. 2. Es kommt zu regional begrenzten kriegerischen Handlungen – mit Folgen für etwa 4 Millionen Menschen, die ihre Wohnungen verlassen müssen. 3. Es gibt erweiterte kriegerische Handlungen mit Folgen für etwa 8 Millionen Menschen. 4. Es kommt zur kompletten Invasion der Ukraine mit brutalen Folgen für ganz Europa und Destabilisierungen aller politischen Systeme, auch durch die Migrationsströme.

Der Krieg hat bisher schon 14 000 Todesopfer gefordert. 1,7 Millionen Menschen haben ihre Heimat verloren und sind geflohen. 2,9 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Verpflegung der Menschen im Osten der Ukraine ist schwierig. Die Menschen leiden.

Von unserem evangelischen Partner in Russland wird uns gesagt, dass sie sich von der aggressiven Politik des eigenen Landes mit in Geiselhaft genommen fühlen und Sorge um die Folgen haben. Der reformierte ungarischsprachige Bischof in der Ukraine warnt vor Waffenlieferungen an die Ukraine, weil die Gefahr, dass diese in falsche Hände gelangen, groß sei. Alle Partner hoffen auf verstärkte diplomatische Anstrengungen. Der Druck auch auf Moskau kann nur politisch verstärkt werden. Und sie alle bitten uns, im Gebet nicht nachzulassen, dass kein neuer Krieg ausbricht. Eine andere Macht haben wir alle nicht als Kirchen.

»Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein« – so sagten es die Vertreter auf der Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) 1948 in Amsterdam, drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Europa und der Welt steckten die Schrecken des Krieges in den Knochen. Deshalb: Krieg SOLL nicht sein! Das Problem ist: Was nicht sein soll, ist trotzdem da. Es ist Krieg in der Ukraine – seit acht Jahren. Eine weitere Eskalation und Ausweitung stehen scheinbar kurz bevor.

Zur Verantwortung der Politik gehört es, alle Chancen auszuloten, dass Frieden möglich wird. Es wäre gut, wenn die UNO eine stärkere Rolle spielen und deeskalierend wirken würde. Friedenstruppen haben aber nur eine Chance, wenn sie von allen Seiten akzeptiert werden.

Wir als Christen können auf jeden Fall um Frieden beten. Das ist schon was. Darum bitten uns auch eindringlich unsere Partner. Und wir können im ökumenischen Kontext versuchen, Einfluss zu nehmen. Es finden derzeit in kirchlichen Kontexten, in den Weltbünden viele Gespräche statt, um dem Friedenszeugnis Jesu Raum zu geben. Seine Worte gilt es immer wieder in Erinnerung zu rufen: »Selig sind, die Frieden stiften!«

Pfarrer Enno Haaks ist Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks mit Sitz in Leipzig.

In diesem Artikel der aktuellen Ausgabe finden Sie eine Fürbitte. Hier können Sie mitbeten für Frieden in der Ukraine (ohne Bezahlschranke): 

https://www.sonntag-sachsen.de/2022/07/bewahre-uns-vor-blutvergiessen

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