Gottes andere Macht zieht ein

Palmsonntag: Jesu Einzug in Jerusalem ist ein Bild des Friedens, das der militärischen Logik dieser Welt widerspricht. Es geht darum, diesen Jesus ins Herz einziehen zu lassen.
Von Stefan Seidel
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Es ist ein Gegenbild wie es in diesen Tagen kontrastreicher nicht sein könnte: Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein, um zu zeigen, wie das Reich Gottes ist. Eben nicht hoch zu Ross, nicht als machtvolle und Unterwerfung fordernde Demonstration von Stärke und Dominanz, wie es viele erwarteten: dass da endlich einer kommt, der den römischen Besatzern die Stirn bietet und als »König der Juden« das Reich Davids wieder groß macht. Sondern auf einem schwachen Esel reitet er ein, ohne Streitwagen und Schwert, erinnernd an den Propheten Sacharja, der ankündigte: »Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel …« Damit sich erfülle, was mit dem Kommen des Messias verheißen ist: »Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern …« (Sacharja 9, Vers 10). So wird Frieden: wenn die Waffen gestreckt und der Friedensmacht Gottes Raum gegeben wird, wenn dem Herrn der Weg bereitet wird, indem seine Sanftmut, Gewaltlosigkeit und grenzenlose Güte gewagt werden.

Wie gegensätzlich ist dieses Bild zu den damaligen und heutigen Kriegsbildern – die wütenden Kriegswagen und Panzer mit ihrer blutigen Spur der Verwüstung; all die als unverzichtbar und notwendig angesehenen Mittel der Macht: die je größeren Bomben, Truppen, Waffen und Machtmittel zu haben als der Gegner und auf die erbarmungslose Logik der Schlachtfelder, auf Abschreckung, Einschüchterung und Gewalt zu setzen. Das Friedensbild des auf dem Esel einziehenden Jesus könnte heute nicht ferner erscheinen, da die täglichen Alptraumbilder des Krieges in der Ukraine alles beherrschen. Hier wird kein Schwert zur Pflugschar umgewandelt, sondern ohne Hemmung gebombt, geschossen, gemordet. Und es will scheinen, als wäre das Friedensbild des Palmsonntag endgültig widerlegt, gewissermaßen zertrampelt von der rohen Wirklichkeit, in der einfach kein Platz zu sein scheint für andere Logiken als die militärischen.

Wie aber, wenn dieser einreitende Jesus mit seiner Botschaft die einzige Chance darstellte, wirklich aus den immer und immer wieder entfesselten Teufelskreisen der Gewalt herauszukommen? Nehmen wir den Einspruch Jesu ernst, radikal auf die andere Logik Gottes zu setzen, nach Ausgleich, Vergebung, Versöhnung zu streben, nach Entfeindung und Gewaltlosigkeit, nach Teilhabe und Verstehen aller? Lassen wir seine Wahrheit zu, dass Böses nicht mit Bösem überwunden werden kann, sondern ausschließlich mit Güte?

Immerhin erinnerte Papst Franziskus in diesen Tagen an den fundamentalen Widerspruch Jesu. Am 24. März sagte er in einer Rede: »Ich schäme mich für die Staaten, die die Militärausgaben auf zwei Prozent anheben, sie sind verrückt! Die wahre Antwort besteht nicht in anderen Waffen, anderen Sanktionen, anderen politisch-militärischen Allianzen, sondern in einer anderen Einstellung, einer anderen Weise, eine bereits globalisierte Welt zu verwalten, darin, nicht die Zähne zu zeigen, sondern internationale Beziehungen zu knüpfen. Es ist ersichtlich, dass eine gute Politik nicht aus einer Kultur der Macht erwachsen kann, die als Herrschaft und Unterdrückung verstanden wird, sondern nur aus einer Kultur der Achtsamkeit, der Achtsamkeit für den Menschen und seine Würde und der Achtsamkeit für unser gemeinsames Haus.« Es müsse die »alte Logik der Macht«, die nach Vorherrschaft strebt, überwunden werden.

Doch solange die Welt noch so grausam nach dieser »alten Logik« funktioniert, bleibt nur ein Weg offen: Jesus und seine Liebe und Friedenslogik ins eigene Herz einziehen zu lassen und das Seine zu tun, ihm den Weg zu bereiten. Das hatte die jüdische Mystikerin Etty Hillesum (1914–1943) erkannt, als sie inmitten der dunklen Tage der Verfolgung durch die Nazis in ihr Tagebuch schrieb, dass der Weg zu echtem Frieden sich auftue, »wenn jedes Individuum den Frieden in sich selbst findet und den Hass gegen die Mitmenschen, gleich welcher Rasse oder welchen Volkes, in sich ausrottet, besiegt und zu etwas verwandelt, das kein Hass mehr ist, sondern auf weite Sicht vielleicht sogar zu Liebe werden könnte«.

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