Gott erhört Gebete

Gebetssonntag: Der Sonntag Rogate erinnert an die Kraft des Gebets. Doch wie ist auf eine Erhörung der vorgebrachten Anliegen zu vertrauen? Unsere Autorin berichtet von persönlichen Gebetserfahrungen und ihrem Vertrauen – gerade jetzt.
Von Sr. Esther Selle
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Gott erhört Gebete
© PavelPrichystal – stock.adobe.com

Ja, ich habe viele Bitten an Gott, gerade jetzt, da es Krieg in Europa gibt. Jetzt, da in der Ukraine unzählige Menschen verletzt werden, Zivilisten sterben, auf der Flucht sind, verschleppt und vergewaltigt werden. Jetzt, da russische und ukrainische Mütter ihre Söhne verlieren und Frauen ihre Männer. Jetzt, da im Nahen Osten und im Jemen Menschen ermordet werden wie in anderen Ländern der Welt. Jetzt, da Millionen Menschen in Afrika hungern. Jetzt, da auch in Deutschland Menschen um ihren Lebensunterhalt bangen und Kinder unter Gewalt oder Missbrauch leiden. Jetzt, da viele Menschen in meinem Umfeld ängstlich fragen, was auf uns zukommen wird und Frieden gar nicht selbstverständlich ist.

Und dann habe ich persönliche Anliegen, die ich Gott bringe. Ich bete täglich für Familienmitglieder und Freunde, die krank sind oder sich mit Problemen herumschlagen. Ich bete für beruflich belastete Mitschwestern und Kollegen, für Verantwortliche in Kirche und Politik. Ich bete für Menschen, denen ich konkrete Fürbitte zugesagt habe und für solche, deren Beziehung zu mir gestört ist.

Was wird mit all meinen Bitten bei Gott? Manchmal sehne ich mich danach, dass er in das Weltgeschehen eingreift, seine Macht demonstriert, die Waffen schweigen lässt oder meine verborgenen Wünsche und Hoffnungen erfüllt.

Und gleichzeitig erinnere ich mich, wie unzählig viele meiner Gebete er schon erhört hat. Drei Beispiele möchte ich nennen:

1. Jedes Mal wenn ich Gott um Bewahrung auf einer Autofahrt gebeten habe, bin ich heil nach Hause gekommen – und das schon seit mehr als 40 Jahren! Kein einziges Mal wurde ich verletzt.

2. Immer, wenn ich Gott um Hilfe und Heilung in Krankheit oder Not gebeten habe, hat er sie geschenkt. Nicht immer so schnell und vollkommen, wie ich mir das gewünscht hatte, aber so, dass ich weiter genug Kraft für meinen Alltag habe, hoffnungsvoll und unabhängig leben kann.

3. Jeden Tag, wenn ich Gott um »das tägliche Brot« gebeten habe, bin ich satt geworden. Und sogar dann, wenn ich diese Bitte vergessen hatte. … Die Beispiele ließen sich fortführen.

Deshalb habe ich vor einiger Zeit mein morgendliches Gebet verändert. Ich setze mich nach dem Aufstehen ans Klavier und spiele Gott ein Lied, weil er mir täglich so unendlich viel Gutes schenkt. Zum Tagesbeginn möchte ich ihn deshalb loben. Ich danke ihm für den neuen Tag. Ich genieße für einen Moment die Stille oder auf dem Balkon die Faszination der Schöpfung. Dann nehme ich mir etwas Zeit für Gottes Wort. Zumindest die Herrnhuter Losung gehört dazu. Und danach vertraue ich Gott auch meine Sorgen und Bitten an.

Ich nehme wahr: Gott ist nicht ein Erfüllungsautomat für meine Wünsche, aber er bewahrt meine Gebete auf. Sie sind ihm so wertvoll, wie es mir Geschenke von lieben Menschen sind, die ich wertschätze unabhängig davon, ob ich sie brauche oder nicht. Mit ihnen gehe ich sorgsam um, weil die Schenkenden mir am Herzen liegen.

Ich glaube: Gott freut sich, wenn ich mich vertrauensvoll an ihn wende. Und er will das Beste für mich und alle Menschen. Aber er setzt das nicht durch. Ich kann mich entscheiden, was ich tue und lasse – genauso wie Präsident Putin und die meisten anderen Menschen. Deshalb kann ich Gott meine Fehler und das daraus folgende Leid ebenso wenig vorwerfen wie Gewalt und Krieg in der Welt. Aber ich kann ihm beides anvertrauen und glauben, dass er sich mein Gebet zu Herzen nimmt, Gutes daraus entstehen lässt und mich seinen Frieden spüren lässt.

Übrigens bin ich überzeugt, dass dies auch trauernde Familien und eingeschlossene Soldaten in Mariupol erleben. Denn Gott verwirft unser Gebet nicht und er wendet seine Güte nicht von uns. Deshalb: Gelobt sei Gott!

Sr. Esther Selle ist Oberin der Ev. Luth. Diakonissenanstalt Dresden e.V. und gehörte zum Präsidium der 27. Landessynode Sachsens.

Mehr zum Thema lesen Sie hier: https://www.sonntag-sachsen.de/2022/21/gott-im-herzen-entdecken

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