Komm, heilender Geist!

Pfingsten: Während die Welt im zerstörerischen Kriegsgeist zu versinken droht, wird an das Wunder der Ausgießung des Heiligen Geistes erinnert. Wie kann er heute wirken?
Von Stefan Seidel
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Pfingsten in Krummenhennersdorf: Das Gewölbe im Altarraum der Kirche Krummenhennersdorf (OT von Halsbrücke) in Mittelsachsen. © Foto: Rainer Oettel

Als zu Pfingsten der Heilige Geist über die Jünger kam, leuchtete die unter der Welt-Oberfläche gegenwärtige All-Einheit Gottes als größere Wirklichkeit auf: Unter der Zerrissenheit, jenseits aller Spaltung, Verzweiflung, Trennung, Zwietracht, Zerstörung, Feindseligkeit wirkt der Heilige Geist Gottes, der heilende Geist, der einende Geist – die Quelle schöpferischer Liebe und die versöhnende Kraft des Lebens. Zu Pfingsten beatmete dieser Geist die Seelen der verstörten und verwirrten Jünger und führte sie auf einen geistvollen Weg des Verstehens, der Versöhnung, des Vertrauens, der Liebe, der Hoffnung. Diesen Weg versucht bis heute die Kirche zu gehen und zeichenhaft aufleuchten zu lassen.

Zeichenhaft auch als Kirchgebäude in der Mitte der Orte – als das Herz, das Kraftzentrum, die geistliche Lebensader, als der »eine Ort«, an dem die Jünger beisammen sind und vom Heiligen Geist erfüllt wurden (Apostelgeschichte 2,1–4) – der Ort, aus dem heraus das Leben in dieser Welt wahrhaft gemeistert werden kann. In einer neuen Serie stellen wir deshalb im SONNTAG ab dieser Ausgabe Dorfkirchen in Sachsen vor und erinnern damit an diese steingewordenen Geistspuren Gottes in unseren Gegenden, ohne die alles trost- und hoffnungslos wäre.

Doch könnten wir heute wohl kaum weiter entfernt sein vom Heiligen Geist. »Unfriede herrscht auf der Erde, Kriege und Streit bei den Völkern …«, heißt es in einem polnischen Friedenslied. Allerorten scheint ein Geist der Spaltung und Gewalt übermächtig zu sein, der im Kriegsgeist seine deutlichste Ausprägung erfährt: Da herrscht Feindschaft bis aufs Blut, scharfe Aufspaltung, Entzweiung, Hass, Rache und das Streben maximaler Schädigung der Gegenseite. Da wird das Heil in heillosen Waffengängen gesucht statt im heilenden Geist. Da wird Krieg Frieden genannt und dem Tod von Menschen im Krieg ein Sinn zugesprochen – mehr Verwirrung geht nicht.

Ein Geist braucht Nahrung – der Ungeist wie der Heilige Geist. Während der Kriegsgeist und der Geist der Spaltung heute auf allen Kanälen befeuert wird, scheint der Heilige Geist ein neues Pfingstwunder zu brauchen – dass da plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind sei und das ganze Haus erfülle (Apostelgeschichte 2,2); dass da eine Kraft wirke, die aus den Sackgassen des Todes herausführe, so wie es der Wunsch des polnischen Friedensliedes ausdrückt: »Friede soll mit euch sein. Friede alle Zeit! Nicht so, wie ihn die Welt euch gibt, Gott selber wird es sein.«

Echter und tiefer Frieden muss offenbar aus dieser tiefen geistlichen Quelle entspringen; er ist nicht von dieser Welt, die oft nur in den scharfen Rastern der Trennungen – nach Sprachen, Völkern, Anschauungen, Zugehörigkeiten – funktioniert. Es ist der Heilige Geist, der aus der tiefen göttlichen Alleinheit stammt, der ein Verstehen aller ermöglicht, ein Dazugehören aller in der größten Liebe. Mit menschlichem Geist kann da nur gefragt werden: »Was will das werden?« (Apostelgeschichte 2,12)

Ja, was will das werden, wenn plötzlich alle sich als Menschen erkennen, in denen der eine Odem, Schöpfergeist und die heilige Würde wohnt? Wenn die Kategorie des Feindes zerbricht und alle in einem Hause wohnen, wenn Waffen gestreckt und Friedensbündnisse geschmiedet werden, wenn Vielfalt nicht Kriegsgrund, sondern Reichtum ist, wenn der Liebe vertraut und nicht auf Angst gebaut wird …

Ein Geist braucht Nahrung. Heute scheint es nötiger denn je, sich nach den Quellen des Heiligen Geistes auszustrecken und sich mit ihm zu verbinden. Wir dürfen darauf vertrauen, dass auch in einer kriegsverwüsteten und hasszerfressenen Welt Gott gegenwärtig ist. So wie es Gerhard Tersteegen in seinem Lied ausdrückt: »Du durchdringest alles;/ lass dein schönstes Lichte,/ Herr, berühren mein Gesichte./ Wie die zarten Blumen/ willig sich entfalten/ und der Sonne stille halten,/ lass mich so still und froh/ deine Strahlen fassen/ und dich wirken lassen.// Mache mich einfältig,/ innig, abgeschieden,/ sanft und still in deinem Frieden …«

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