Ein Licht für die Welt

300 Jahre Herrnhut: Vor 300 Jahren wurde in einem kleinen Winkel Sachsens die Herrnhuter Brüdergemeine gegründet – und wurde zum Licht für die Welt. Die schrumpfende Kirche könnte hier viel lernen.
Von Stefan Seidel
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300 Jahre Herrnhut
© Ulrich – stock.adobe.com

Wenn die Herrnhuter Brüdergemeine in der kommenden Woche ihr 300-jähriges Bestehen feiert, steht eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte vor Augen. Die Herrnhuter sind eine kleine christliche Schar mit enormer Breitenwirkung. Gegründet 1722 von protestantischen Glaubensflüchtlingen aus Böhmen auf einem gestifteten Gelände des Reichsgrafen Nikolaus von Zinzendorf wuchs die Herrnhuter Brüdergemeine wie ein heiliges Samenkorn und machte die christlichen Grundgedanken auf neue Art in der Welt lebendig. Die Herrnhuter Brüder und Schwestern zeigen, wie man auch als kleine christliche Schar Salz der Erde und Licht der Welt sein kann. Das Geheimnis ihres Erfolges kann ein Impuls für die Zukunft der evangelischen Großkirche sein: 1. Versöhnte Verschiedenheit; 2. Der Welt dienen; 3. Niedrige Schwellen; 4. Keine Angst vorm Kleinsein; 5. Zeichen der Hoffnung.

1. Versöhnte Verschiedenheit: Die Herrnhuter Brüdergemeine war bei ihrer Gründung 1722 ein »bunter Haufen« evangelischer Glaubensflüchtlinge aus Böhmen und Mähren, die zunächst froh über eine Ende der Verfolgung und die Ansiedlung am neuen Ort waren. Doch bald entstanden Spannungen zwischen verschiedenen Glaubensüberzeugungen und es bildeten sich Grüppchen. Zinzendorf reiste deshalb 1727 zu den Herrnhutern und organisierte vermittelnde Gespräche – zunächst ohne Erfolg. Erst bei einem gemeinsamen Abendmahl am 13. August 1727 kehrten Versöhnung und Gemeinschaft ein, was als Werk des Heiligen Geistes verstanden wurde. Es zeigt sich: Gemeinsam ist man stärker. Und: Man kann Gemeinschaft trotz unterschiedlicher Überzeugungen haben, wenn man im Kern – der Nachfolge Jesu – an einem Strang zieht.

2. Der Welt dienen: Die Herrnhuter Brüdergemeine sah sich nie als Selbstzweck, sondern als für den Dienst an der Welt beauftragt. Man strebt in die Welt, um zu helfen und zu trösten. Man singt und betet und lebt mit Kindern und Jugendlichen in Albanien, Lettland und Nicaragua. Man unterstützt den Einsatz für die HIV-Hilfe in Tansania und Surinam und fördert den Fairen Handel z. B. mit Rooibos-Produkten aus Südafrika und Oliven-Produkten aus Palästina. Ein Grundsatz lautet: »Jesus Christus hält in Liebe und Treue an dieser gefallenen Welt fest. Darum sollen wir für diese Welt Sorge tragen. Die Brüder-Unität strebt danach, den Frieden in der Welt zu fördern und der Menschen Bestes zu suchen.«

3. Niedrige Schwellen: Die Herrnhuter setzen auf Einfachheit und Verstehbarkeit. Ihr Kirchensaal ist schlicht und bilderfrei. Ihr Bekenntnis ist nicht eng, sondern auf Herzensweite angelegt. Auf der Internetseite heißt es: »Die Brüder-Unität ist eine selbstständige ökumenisch offene Kirche. Sie hat kein eigenes Bekenntnis. Sie bekennt mit den anderen Kirchen Jesus Christus als ihren Herrn und Heiland.« Im Übrigen gilt offenbar das Jesuswort: »An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen« (Matthäus 7,16).

4. Keine Angst vorm Kleinsein: Die Herrnhuter Brüdergemeine hat in Deutschland knapp 5000 Mitglieder, in Europa rund 21 000 und weltweit rund 1,2 Millionen. Kleinsein wird nicht als Makel, sondern als Auftrag verstanden: eben Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Man setzt auf die Kraft der Gemeinschaften, in denen sich die Gläubigen gegenseitig unterstützen. Es wird keine Kirchensteuer erhoben, sondern freiwillige Beiträge eingesammelt.

5. Zeichen der Hoffnung: Berühmt ist die Herrnhuter Brüdergemeine wegen zweier Produkte: Die seit 1731 veröffentlichten Herrnhuter »Losungen« und der seit 1897 serienmäßig hergestellte Herrnhuter Stern. Es zeigt sich: Einfache und unmittelbar versteh- und anwendbare Zeichen der Hoffnung und des Trostes werden dankbar angenommen und vergrößern die Gegenwart der Liebe Christi in der Welt.

Die evangelische Großkirche könnte erkennen: Von Herrnhut lernen, heißt zuversichtliches und wirkungsvolles Christsein lernen.

Der Eröffnungsgottesdienst zur Festwoche »300 Jahre Herrnhut« wird am 12. Juni ab 10 Uhr vom MDR Fernsehen sowie von MDR Kultur als Radiogottesdienst übertragen.

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