Gottes Licht erhellt die Nacht

Advent: Inmitten der Dunkelheit der Welt ist das Licht Christi aufgegangen – als unauslöschlicher Anbruch des Reiches Gottes. Wie richtet man sich an diesem Licht aus?
Von Stefan Seidel
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Licht, Gott, Dukelheit, Advent, Erlösung
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Wenn nun vielerorts die Lichter angezündet und als Zeichen gegen die Dunkelheit gesetzt werden, ist das ein Ausdruck der tiefen Gewissheit des Advent: Diese Welt ist nicht verloren – über ihr ist der Stern der Erlösung, das Licht der göttlichen Rettung aufgegangen. Christus, der Erlöser, ist gekommen, das Unheil zu heilen, alles Zerstörerische und alle Schuld, Krankheit und Krieg, Leid und Tod hinwegzunehmen und in das geheilte Geborgensein bei Gott zu verwandeln. Advent heißt: Die kalte Welt wird mit dem Wärmestrom der ewigen Liebe Gottes verbunden. Die Welt braucht diese Erlösung dringender denn je.

Christen sind Zeugen des Advent. Sie tragen mit ihrem Glauben, ihrer Erwartung, ihren Gebeten, ihrem Handeln die Gewissheit eines Ende der Nacht in diese unerlöste Welt. Damit die Dunkelheit nicht alles ist – und der Macht des Todes, der Zwietracht, der Bosheit, der Feindschaft, der Resignation die Gegenmacht der Liebe Gottes entgegengesetzt wird. Jene »Andersmacht« des erbarmenden und rettenden Gottes, die heilt, was zerbrochen ist und rettet, was verloren scheint. So ist der Advent seit jeher für Christen eine Zeit der Sammlung, des Gebets und des Sich-Ausrichtens auf diese heilende Wirklichkeit Gottes, damit sie daran Anteil haben und der Welt daran Anteil geben.

Es war der Dichter Reinhold Schneider, der in dunkler Zeit die Botschaft des Advent in besonderer Weise vergegenwärtigte. In einem Sonett schrieb er im Jahr 1936:

»Allein den Betern kann es noch gelingen / Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten / Und diese Welt den richtenden Gewalten / Durch ein geheiligt Leben abzuringen. // (…) Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt, / Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert, / Indes im Dom die Beter sich verhüllen, // Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt / Und in den Tiefen, die kein Aug’ entschleiert, / Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.«

Beten heißt, durch das Dunkel dieser Welt und Zeit hindurchzusehen und hinauszuhoffen; sich auszurichten auf die »Tiefen, die kein Aug’ entschleiert«. Es heißt: An dem Licht Gottes, an seinen Worten, seinen Verheißungen festzuhalten, auch und gerade wenn sie verschattet werden von der Wirklichkeit. Im Gebet wird eine andere Wirklichkeit wach- und festgehalten. Christen warten nicht nur auf das Licht, sie tragen es in sich, mit ihrem Glauben, Lieben und Hoffen – und halten es so in der Welt. Das »geheiligte Leben«, von dem Reinhold Schneider spricht, dass es allein noch den zerstörerischen Weltenlauf aufhalten kann, ist ein Leben aus dem Geheimnis des Erlöstseins, des Bürger-Seins im Reich Gottes, das mitten unter uns ist, wenn man es wagt, als »Kind Gottes« zu leben. Dieses Leben beschwor Jesus in der Bergpredigt – es ist ein Leben aus der Gnade Gottes, ohne Angst, vertrauend, ertragend, sanftmütig, gerechtigkeitssuchend, barmherzig, gewaltlos, friedfertig. So wird die Nacht der Welt erhellt und Gottes Welt ein Stück Wirklichkeit. So wird Advent. Im beharrlichen Festhalten am Gebet und dem Leben aus den Quellen der Liebe Gottes – in der Hoffnung, dass »die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen«.

Doch nicht nur mit der Gotteswirklichkeit wird sich im Gebet verbunden, sondern auch mit denen, die ihre Herzen und Sinne in ähnlicher Weise ausrichten auf die Quelle der umfassenden Liebe, auf Gott – durch die Zeiten und über Grenzen hinweg. Es sind viele, die an der »Anderwelt« Gottes mitwirken. In der Kirche steht man im Gebetsstrom vieler Generationen von Christen, die vor einem gebetet haben, in Räumen, die von den Vorvätern und -müttern im Glauben durchbetet wurden. Der Advent verleiht dieser unter- und hintergründigen Lichtwirklichkeit Gottes ein tröstendes Antlitz: Viele erleuchtete Sterne, Stuben und Fenster in einer scheinbar übermächtigen Dunkelheit. Auf dass diese ihre Macht verliere …

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