Bischof Bilz: Mitgliederschwund »tut weh«

Landesbischof will Nächstenliebe als Markenzeichen der Kirche – Neue Synodalpräsidentin Bettina Westfeld will Digitalisierung und umfassende Beteiligung der Synode voranbringen
(epd)
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Vollbach, Westfeld, Bilz, Landessynode, Dresden
Zum Pressegespräch am Rande der konstituierenden Sitzung der 28. Landessynode waaren der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach (l.), die frischgewählte Synodalpräsidentin Bettina Westfeld und Landesbischof Tobias Bilz anwesend. © Uwe Naumann

Sachsens evangelischer Landesbischof Tobias Bilz hat vor dem Hintergrund sinkender Kirchenmitgliedszahlen davor gewarnt, sich zu sehr auf Statistiken zu konzentrieren. "Wir müssen uns auch von dem Gedanken verabschieden, dass man Glauben machen kann", sagte Bilz am Samstag in Dresden. Dennoch habe er bei der großen Zahl von Menschen, die die Kirchen verlassen haben, "für einen Moment die Luft angehalten".

"Das tut weh", sagte Bilz, auch wenn sich die Entwicklung seit Jahren abzeichne. Aus der sächsischen Landeskirche sind laut seinen Angaben im vergangenen Jahr rund 7.700 Menschen ausgetreten. Offenbar gehe die Bindekraft von Religion zurück - auch wegen zunehmender Individualisierung. Bilz unterstrich: "Wenn von Christen Nächstenliebe ausgeht, dann werden die Leute sagen, wir brauchen die Kirche." Laut aktuellen Statistiken ging 2019 in Deutschland die Zahl der Protestanten um 427.386 zurück, die Katholiken verloren 401.757 Mitglieder.

In Dresden konstituiert sich am Wochenende die Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Neue Synodalpräsidentin ist die Dresdner Historikerin Bettina Westfeld. Die 44-Jährige wurde am Samstag mit deutlicher Mehrheit gewählt. Sie erhielt im dritten Wahlgang 54 von 77 Stimmen und setzte sich damit gegen den Rechtsanwalt Christoph Apitz (53) durch. Zuvor war sie in zwei sechsjährigen Legislaturen Vizepräsidentin der Synode. Apitz wurde zum neuen Vizepräsidenten gewählt. Das zweite Stellvertreteramt übernimmt der Chemnitzer Pfarrer Christoph Herbst.

Westfeld folgt auf den Rechtsanwalt Otto Guse. Sie ist die zweite Frau an der Spitze in der 149-jährigen Geschichte der sächsischen Synode. Von 1996 bis 2008 führte Gudrun Lindner das Kirchenparlament. "Es ist eine besondere Ehre und Freude für mich", sagte Westfeld nach ihrer Wahl. Sie hoffe, dass ihre Wahl für viele Frauen ein Signal ist, sich in kirchlichen Leitungsfunktionen zu engagieren.

Wichtig sei ihr eine umfassende Beteiligung der Synode, die verschiedenen Blickwinkel der Mitglieder, sagte Westfeld. Auch müsse die Digitalisierung weiter vorangebracht werden. Zudem wolle sie die Unterschiede zwischen Stadt und Land im Blick behalten. Eine besondere Herausforderung für die Synode werde schon auf der Herbsttagung die Debatte zum neuen Haushalt sein. Wegen der Corona-Krise rechnet die Landeskirche mit 15 bis 20 Prozent weniger Kirchensteuern. Das sind laut Finanzdezernat etwa 17 bis 24 Millionen Euro. Im Haushalt für 2021 soll es nun Kürzungen geben.

Bilz hatte in einer Andacht zu Beginn der Tagung auch Themen angesprochen, mit denen sich das Gremium während seiner sechsjährigen Legislatur beschäftigen wird: "Es wird um Frieden gehen zwischen verschiedenen geistlichen und theologischen Strömungen", sagte er vor dem Hintergrund einer emotionalen und kontrovers geführten Debatte 2019 nach dem Rücktritt des streng konservativen Landesbischofs Carsten Rentzing. In der Debatte wünsche er sich stets "klare Worte" und dass Offenheit herrscht.

Die Synode ist das gesetzgebende Organ der Landeskirche, der rund 663.000 Mitglieder angehören. Sie tagt regulär jeweils im Frühjahr und Herbst öffentlich. Die in diesem Jahr 60 neu gewählten und 20 berufenen Mitglieder gehören zur 28. Landessynode in Sachsen.

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