Festakt zur Gründung von Herrnhut vor 300 Jahren

(epd)
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Herrnhuter Kirchsaal
Herrnhuter Kirchsaal © Lysippos, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58425531

An die Gründung des sächsischen Ortes Herrnhut durch protestantische Glaubensflüchtlinge vor 300 Jahren ist am Freitag mit einem Festakt erinnert worden. Zu der Feier im zentralen Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeine in dem Ort in der Oberlausitz wurden mehrere hundert Menschen erwartet. Im Anschluss fand am Ortsrand die sogenannte Denksteinfeier statt.

Der vor 200 Jahren gestiftete Gedenkstein erinnert an den Standort des ersten gefällten Baums zum Bau eines Hauses am 17. Juni 1722. Das Datum gilt als Gründungstag des bis heute christlich geprägten Ortes in Ostsachen. Die Festwoche dazu dauerte noch bis Sonntag. Sie umfasste unter anderem Konzerte, Gottesdienste, Aufführungen und einen Festumzug am Sonntag.

Zu Festakt und Denksteinfeier wurden unter anderem Gäste aus den Partnerstädten Suchdol nad Odrou in Tschechien und Bad Boll in Baden-Württemberg eingeladen. Die Festrede am Freitag hielt der Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer in Dresden, Marius Winzeler. Als Vertreter des Landes wurde der Bevollmächtigte des Freistaates Sachsen beim Bund, Conrad Clemens, begrüßt.

Die Herrnhuter Brüdergemeine ist eine evangelische Freikirche, die im 18. Jahrhundert in der Oberlausitz von Glaubensflüchtlingen gegründet wurde. Ihre Wurzeln hat sie jedoch in der böhmischen Reformation am Anfang des 15. Jahrhunderts. In Böhmen und Mähren schlossen sich 1457 einige Schwestern und Brüder zur Brüder-Unität zusammen, die nach den evangelischen Reformforderungen und der Bergpredigt Jesu leben wollten.

Die Protestanten waren aber der Verfolgung ausgesetzt und konnten ihren Glauben nicht offen leben. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700–1760) nahm einige von ihnen auf seinem Gut in Ostsachsen auf. Sie gründeten 1722 den Ort Herrnhut. Am 17. Juni wurde mit dem Bau eines ersten kleinen Hauses begonnen. Das Datum gilt als Gründungstag des bis heute christlich geprägten Ortes in der Oberlausitz.

Die Unitas Fratrum oder Brüder-Unität ist eine der ersten evangelischen Kirchen in Böhmen. Die „Böhmischen Brüder“ beriefen sich auf den Reformator Jan Hus, der 1415 in Konstanz als Ketzer verbrannt wurde. Die Nachfahren der „Brüder“ flüchteten während der Gegenreformation im 18. Jahrhundert nach Sachsen.

Herrnhut entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Ort für Handwerk und Handel, aber auch zum Zentrum einer global vernetzten, kirchlichen Erneuerungsbewegung. Die Brüdergemeine und deren „Herzenschristentum“ fand in ganz Deutschland große Resonanz.

Zehn Jahre nach der Gründung begann 1732 in der Karibik die Missionsarbeit. Heute leben die meisten der weltweit mehr als 1,2 Millionen „Herrnhuter“ in Afrika. Die Evangelische Brüdergemeine, bekannt auch als Brüder-Unität, ist in mehr als 40 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten. Deutschland ist nur eine von weltweit 29 Provinzen.

Überregional bekannt wurde Herrnhut durch seinen Weihnachtsstern. Entwickelt Anfang des 19. Jahrhunderts in der Brüdergemeine, um Schülerinnen und Schülern Geometrie beizubringen, ist er längst ein Exportschlager. 2021 wurden etwa 780.000 Herrnhuter Sterne in der ortsansässigen Manufaktur hergestellt.

Außerdem gibt die Brüdergemeine die jährlichen „Losungen“ heraus. Das Andachtsbuch enthält Worte aus der Bibel für jeden Tag. Es erscheint in rund 60 Sprachen und hat weltweit eine Auflage von etwa 1,5 Millionen Exemplaren. Die täglichen Losungen erschienen erstmals 1728. Seit 1731 sind sie in gedruckter Form erhältlich. Es gibt inzwischen auch eine Smartphone-App und eine Ausgabe für junge Leute.

Das barocke Gebäudeensemble rund um den Kirchensaal von 1756/57 ist bis heute das Zentrum der Stadt und der Herrnhuter Brüdergemeine. Wegen der weltweiten Missionstätigkeit der Brüdergemeine gibt es ähnliche quadratisch angelegte Siedlungen unter anderem in den USA, in Nordirland und Dänemark.

Die Stadt Bethlehem im US-Bundesstaat Pennsylvania geht direkt auf die Herrnhuter Brüdergemeine zurück. Auch Gracehill in heutigen Nordirland ist nach dem Herrnhuter Vorbild angelegt. Die drei Orte wollen sich voraussichtlich 2023 gemeinsam für den Unesco-Welterbetitel bewerben. Das dänische Christiansfeld – ebenfalls barock und rechtwinklig nach Herrnhuter Muster gebaut – trägt diesen Titel bereits seit 2015.

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