Jüdische Heimat in 3.000 Betonsteinen

Die Neue Dresdner Synagoge ist vor 20 Jahren geweiht worden
Katharina Rögner (epd)
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© Christoph Münch/CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6052976

Die Neue Synagoge Dresden ist für ihre ungewöhnliche Architektur bekannt. Vor allem aber gilt sie seit 20 Jahren als angestammter Platz und Anlaufpunkt für Jüdinnen und Juden. Doch zum Jubiläum gibt es nicht nur Grund zum Feiern.

Der gedrehte Kubus fügt sich mühelos in die Stadtsilhouette ein. Die Neue Synagoge Dresden hat sowohl Bezug zur barocken Altstadt als auch zur Elbe. Errichtet wurde der Riesenwürfel aus mehr als 3.000 sandfarbenen Betonsteinen – 24 Meter hoch. Die massive Hülle symbolisiert einen Tempel. Vor 20 Jahren, am 9. November 2001, wurde die Dresdner Synagoge nach dreijähriger Bauzeit geweiht.

Entworfen hat das Würfel-Gebäude mit räumlich getrenntem Gemeindehaus das Saarbrücker Architektenbüro Wandel, Hoefer und Lorch. Die Kosten beliefen sich auf elf Millionen Euro. Es war der erste Neubau einer Synagoge im vereinten Deutschland. Die Gemeinde in Dresden erinnert am Dienstag (9. November) mit einem Festakt daran.

Nora Goldenbogen, Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Sachsen, denkt gern an den Tag der Weihe zurück: „Das war ein wirkliches Hochgefühl“, sagt sie. Mit dem Neubau sei nicht nur ein architektonisch herausragendes Gebäude entstanden. Die Dresdner Jüdinnen und Juden haben erstmals auch ein großzügiges Gemeindezentrum erhalten. Vorher standen ihnen lediglich Interimsgebäude zur Verfügung.

Besonders eingeprägt hat sich bei Goldenbogen der erste offizielle Gottesdienst in der modernen Synagoge. „Wir hatten das Gefühl: Jetzt beginnt eine neue Phase für die Dresdner Gemeinde“, sagt sie, „im Grunde war das auch so.“ Fast 6.000 Menschen kamen zu einem ersten Tag der offenen Tür. Die Weihe sei nicht nur ein Ereignis für die jüdische Gemeinde mit damals fast 400 Mitgliedern gewesen, sondern auch für die Stadt.

In ganz Sachsen leben derzeit rund 2.500 Menschen jüdischen Glaubens. Zur liberalen Dresdner Synagogen-Gemeinde gehören heute mehr als 700 Menschen. Viele kommen aus der ehemaligen Sowjetunion. 20 Jahre nach der Weihe in Dresden gibt es bundesweit weitere neue Synagogen. Einige sind derzeit noch in Planung – etwa in Potsdam, Leipzig-Gohlis und Erfurt.

„Wer ein Haus baut, will bleiben“, hatte Goldenbogen damals zum Neubau gesagt. Wenn sie heute zurückschaut, wie sich jüdisches Leben in Dresden entwickelt hat, dann fällt ihr Fazit trotz aller Probleme positiv aus: „Ich denke schon, es ist insgesamt eine Erfolgsgeschichte, die aber auch notwendig ist, denn jüdische Gemeinden müssen in den Städten verankert sein.“

Getrübt wird ihr Resümee allerdings von dem Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019. Der Angriff auf jüdische Menschen – das war Goldenbogen zufolge eine Zäsur in der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Kampf gegen Antisemitismus ist längst nicht zu Ende. „Es gibt noch immer falsche Vorstellungen von Juden und Jüdinnen, die nicht hinterfragt werden“, sagt Goldenbogen. Dort müsse eine Alltagssensibilität einsetzen. Vorurteilen und Unwahrheiten müsse entschlossen widersprochen werden.

Sachsens Landtagspräsident, Matthias Rößler (CDU), 2001 als Kultusminister zuständig für die Religionsgemeinschaften in Sachsen, sieht das ähnlich: „Um Judenhass zu bekämpfen, müssen wir ihn klar verurteilen und bestrafen – egal, ob er von rechts, von links oder aus dem islamistischen Spektrum kommt.“ Damit Antisemitismus gar nicht erst entsteht, brauche es Wissensvermittlung im Unterricht, in Bildungsarbeit und Gedenkstätten, vor allem aber persönliche Begegnungen zwischen Juden und Nicht-Juden.

Bei der Weihe 2001 – genau 63 Jahre nach der Zerstörung der früheren Dresdner Synagoge – betonte der damalige Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel (1937–2006): Die Synagoge sei „Stein gewordener Wille, an einem Ort leben zu wollen“. Auch er äußerte sich damals besorgt über zunehmenden Antisemitismus.

Obwohl die frühere Dresdner Synagoge zu den großen Werken des berühmten Architekten Gottfried Semper (1803–1879) gehört, hat die jüdische Gemeinde nie daran gedacht, das Original vergleichbar der benachbarten barocken Frauenkirche wieder aufzubauen. Sie wollte ein modernes Haus, eines aus ihrer Zeit.

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