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"Nie unter die Rechtsgewalt des Papstes"

Katholikentag klingt mit Diskussionen um innerkirchliche Veränderungen aus - Spitzenvertreter der großen Kirchen betonen Erfolge in Ökumene
epd
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Im Rahmen des Katholikentages diskutierte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strom bei der Leipziger Disputation in der Thomaskirche. © Nadine Malzkorn/Katholikentag

Die globale Gerechtigkeit, die digitale Welt, das Verhältnis zur evangelischen Kirche und innerkirchliche Reformfragen haben die letzten Debatten des diesjährigen Katholikentags in Leipzig bestimmt. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) forderte vor Teilnehmern ein europäisches Kartellrecht für Internetkonzerne. Bei einem Aufeinandertreffen nach historischem Vorbild aus der Reformationszeit diskutierten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, über die Ökumene. Das katholische Laientreffen geht am Sonntag mit einem Open-Air-Gottesdienst zu Ende.

Seit Mittwoch ist Leipzig Gastgeber des 100. Deutschen Katholikentags. Die Teilnehmerzahl des Jubiläumstreffens katholischer Laien blieb hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Geschäftsführer Martin Stauch sprach am Samstag von 34.000 Dauerteilnehmern und 6.000 Tagesgästen. Die Organisatoren hatten mit weit mehr Tagesgästen gerechnet.

Maas gehörte zu den prominenten Gästen des vorletzten Tags des Christentreffens. Er debattierte über die Macht von Facebook, Google und anderer Internetkonzerne. "Das geltende Kartellrecht ist nach meiner Meinung nicht geeignet, die Konzentrationsprozesse in der digitalen Welt in den Griff zu bekommen", sagte Maas. "In der digitalen Welt ist ein nationales Kartellrecht anachronistisch", ergänzte er. Eine Verstaatlichung von großen Unternehmen lehnte er ab.

In der Leipziger Thomaskirche diskutierten Bedford-Strohm und Marx über das Verhältnis der beiden christlichen Kirchen, deren Trennung in der Reformation begründet liegt. Knapp 500 Jahre nach einem Streitgespräch zwischen Martin Luther und Johann Maier aus Eck in Leipzig unterstrichen sie vor allem die bislang erreichte Versöhnung. Marx sagte, er sehe ein "Vorankommen auf dem Weg". Bedford-Strohm appellierte mit Blick auf den Streit um das gemeinsame Abendmahl, es sei "fruchtlos", alte Debatten weiter zu führen. Gleichzeitig betonte er aber auch, die protestantische Kirche könne "nie unter die Rechtsgewalt des Papstes gestellt werden". Die Papst-Frage war einer der wesentlichen Streitpunkt zwischen Luther und Eck im Jahr 1519.

Auch der seit Beginn des Treffens vieldiskutierte Ausschluss der AfD vom Katholikentag kam am Samstag wieder auf. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, sagte bei einem Podium, den Dialog mit AfD-Chefin Frauke Petry werde er schon führen, aber nicht als "Schauveranstaltung". Er sei nicht bereit, denjenigen, die Sorgen und Ängste der Menschen ausnutzten und für ihre Zwecke missbrauchten, ein Podium zu geben, sagte Sternberg und verteidigte damit erneut die Entscheidung der Katholikentagsorganisatoren, die AfD von Podien fernzuhalten.

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) beklagte bei einem biblischen Impuls eine Verrohung in der Gesellschaft. Immer selbstbewusster und auch öffentlich würden menschenfeindliche Parolen diskutiert. Es greife ein "Klima der Verrohung" um sich, sagte Thierse.

Bei einer Podiumsdiskussion zur Rolle der Frauen in der katholischen Kirche forderte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode mehr Einfluss des weiblichen Geschlechts in seiner Kirche. "Es ist wichtig, dass bei Themen wie der, Pille danach' Frau mitdiskutieren", sagte er. Es sei "lächerlich", wenn dies nur die Männer täten. Der Bischof sprach sich dafür aus, die Rolle der Priester und des Diakonats in der katholischen Kirche neu zu überdenken.

Am Rande des Katholikentags zogen am Samstag zudem mehrere hundert Menschen bei einer Demonstration gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA über den Innenstadtring. Zu der Demo hatten neben Gewerkschaften, Linken und Grünen auch die kirchliche Organisation Pax Christi und die Katholische Arbeitnehmerbewegung aufgerufen. Sie forderten einen gerechten Welthandel und die Einhaltung rechtsstaatlicher Bedingungen bei Handelsverträgen.

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