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Unsicherheit lässt Kantoren abwandern

In der Landeskirche Sachsens häufen sich die Berufswechsel von Kantoren. Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger nimmt in einem Interview dazu Stellung.
Uwe Naumann
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Markus Leidenberger ist sächsischer Landeskirchenmusikdirektor. © Steffen Giersch

Herr Leidenberger, warum machen Sie sich Sorgen, wenn einzelne Kantoren den Beruf wechseln?
Markus Leidenberger: Für uns ist bei jedem, der geht, wichtig zu fragen, warum. Wir verlieren Kantoren an andere Landeskirchen. Die Türen an den Schulen stehen weit offen, weil sie händeringend Leute suchen. Und wir haben ohnehin Mühe, unsere Stellen zu besetzen. Früher war es nicht so leicht, als Kantor etwas anderes zu finden. Bei den Gemeindepädagogen ist das übrigens ganz ähnlich.

Nun geben die Kantoren sicher nicht aus einer Laune heraus ihre Arbeit auf. Was treibt sie dazu?
Einige Frauen sind gegangen, weil ihre Arbeit nicht geachtet wurde. An Schulen locken geregelte Arbeitszeiten. Das größte Problem aber ist die Unsicherheit der Strukturen. Früher war die Kantorenstelle eine sichere Bank. Jetzt können wir Stellen meist nur befristet ausschreiben. Wir haben sechs offene hauptamtliche Stellen. Außerdem noch 14 offene C-Stellen, also nebenamtliche Stellen, teilweise schon seit Jahren. Wenn die Stellen besetzt werden, dann werden die Kantoren oft zwischen den einzelnen Kirchtürmen zerrieben.

Was meinen Sie damit?
Die Kantoren haben mit verschiedenen Kirchenvorständen und noch mehr Kirchen zu tun. Mit deren unterschiedlichen Interessen müssen Kantoren leben und arbeiten. Die teilzeitbeschäftigten Mitarbeiter können diese Interessenkonflikte nicht lösen. Das muss der Anstellungsträger tun. Dabei sollte bei Beachtung der landeskirchlichen Ordnungen die Kompetenz der Kantoren geachtet werden.

Was schlagen Sie nun zur Lösung vor?
Ich hätte gern einen Hauptort für die Kantoren, von wo aus sie in der Region tätig sind. Ich hatte deshalb auf größere Strukturen gehofft. Oder zumindest auf die vorrangige Anstellung im Kirchenbezirk. Doch selbst die Zuschnitte der Kirchenbezirke sind immer noch fraglich.

War die Strukturentscheidung der Herbstsynode für Sie hilfreich?
Das, was die Synode beschlossen hat, klärt für mich gar nichts. Ich hoffe auf ein konkretes Gesetz im Frühjahr. Aber wenn die Synode sagt, die Gemeinden können alle selbständig bleiben, löst das für die Mitarbeiter keine Probleme. Die Anstellung im Kirchenbezirk ist zwar seit 2014 möglich, aber leider nicht weit verbreitet. Es bleibt ein spannender Prozess, wie für Mitarbeiter angemessene Strukturen gebaut werden können.

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4 Lesermeinungen zu Unsicherheit lässt Kantoren abwandern
Britta schreibt:
28. Dezember 2017, 20:14

Das ist wie überall: die die Arbeit machen, werden gering eingeschätzt - wie viele A-Kantoren sitzen auf B-Stellen, sollen mit 150% möglichst noch in mehreren Gemeinden gleichzeitig schaffen und haben nur eine 50-70% -Stelle. Dafür leistet sich die Kirche "Beauftragte für..." etc. - der Überbau wird kaum tangiert oder expandiert noch, während die Basis kaum noch alles schaffen kann.
Ich kann die Kirchenmusiker gut verstehen, die ihren Beruf aufgeben, auch wenn ich dies sehr schade finde!

Johannes schreibt:
30. Dezember 2017, 11:57

Als ich vor vielen Jahren noch in der Arbeitsrechtlichen Kommission unserer Landeskirche war, entfuhr einem verärgerten Kantor der Satz: "Das liegt an Ihrer unmöglichen Personalpolitik!" Anscheinend gibt es für Kirchenleitungen an dieser Stelle immer noch viel Lernbedarf...

Thomas Roch schreibt:
03. Januar 2018, 8:35

Hilft es den Kantoren wirklich, wenn sie beim Kirchenbezirk angestellt werden? Auch dann werden die Gemeinden weiter an ihm ziehen und zerren, wenn das "Tischtuch" zu kurz ist, reicht es eben nicht für alle. "Angemessene Strukturen" ist ein Begriff wie Gummi, er sagt alles und nichts.
Die Landeskirche versucht, mit einem Mal alle Probleme, die seit 28 Jahren im Osten vor sich her geschoben wurden, mit einem Mal von oben herab zu lösen, hat aber nach wie vor keinen Plan. Die momentan vorhandenen Gemeindegebilde werden noch größer, nach dem Willen der Kirchenleitung recht wild zusammengewürfelt, die Mitarbeiter darauf aufgeteilt. Die Wege für alle Mitarbeiter werden immer weiter, die Fahrkosten immer höher. Hilft es den Kantoren da wirklich, wenn sie einen zentralen Anstellungsträger haben, und dann täglich 100 km zwischen den einzelnen Dienststellen hin und her fahren müssen? Gerade im ländlichen Bereich, im Winter bei Schnee und Eis, im Sommer zwischen Touristen?
Eine zentrale Anstellung, z.b. keim Kirchenbezirk, löst kein einziges Problem für den Angestellten, es verringert eher noch die Verbundenheit zum Dienstort.
Was hilft es, wenn ein Kantor eine 100 % stelle beim Kirchenbezirk hat und dann auf fünf 20 % Stellen im Umkreis von 40 km fahren muß - es wird trotzden jede Gemeinde versuchen, ihn für die Veranstaltungen zu binden. Gottesdienste sind nun mal (fast) immer Sonntag vormittag....
Thomas Roch

Gert Flessing schreibt:
03. Januar 2018, 12:39

Lieber Herr Roch,
in den angestrebten Strukturen wird es unumgänglich sein, die Gottesdienstzeiten so zu regeln, das eben nicht überall zur gleichen Zeit Gottesdienst ist.
Das ist möglich und es wird von den Gemeinden, wenn sie vernünftig sind, auch so gesehen.
In Brandenburg hatte ich, in meinen ersten Jahren als Pfarrer drei Gemeinden und keinen Kantor.
Da stand ich auch vor dem Problem, das irgendwie zeitlich regeln zu müssen.
So gab es einen Gd um neun, einen um zehn. dreißig und einen um vierzehn Uhr.
Dazu eine rotierendes Prinzip.
Das musste auch im Winter, bei Eis und Schnee gemacht werden. Gewiss nicht immer locker und flockig.
Wir sollen auch nicht einem Ort verbunden sein, sondern dem Evangelium.
Je besser ein Kirchspiel oder ein ähnliches Konstrukt, zusammen arbeitet, desto besser wird sich auch die Arbeit der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisieren lassen.
Der Wille muss da sein. Aber den vermisse ich, bedauerlicherweise, manchmal.
Gert Flessing

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