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Den Frauen eine Stimme

Sie war die starke Frau an Luthers Seite: Katharina von Bora. Als mündige und eigenverantwortliche Frau wird sie heute neu entdeckt: Sie beendete eine frauenfeindliche Epoche.
Ruth Weinhold-Heße
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Katharina von Bora (1499 –1552) in ihrer traditionellen Trauertracht für Witwen nach dem Tod ihres Mannes Martin Luther. Sie gilt als starke Frau an der Seite des Reformators mit großem Einfluss.

Als Martin Luther 1522 schrieb: »Gott schuf den Menschen, dass es ein Männlein und ein Fräulein sein sollte« (»Vom ehelichen Leben«), interpretierte er für seine Zeit die Heilige Schrift neu: Für ihn folgte daraus, dass Mann und Frau gleichwertig sind und so auch gleiche Rechte und Pflichten in der Ehe haben. Zwei Jahre zuvor hatte er das Priestertum aller Gläubigen verteidigt, Frauen eingeschlossen. Er forderte auch: Schulbildung für ­Mädchen.

Damit wertete der Reformator die Frauen in der Theorie auf. Denn bis ins 16. Jahrhundert prägten zwei Bilder ihr Rollenverständnis: die Jungfräulichkeit Marias als Nonne und die Sündhaftigkeit Evas als Ehefrau. Letzteres war nicht hoch angesehen. Am schlimm­sten traf es die in wilder Ehe mit Prie­stern zusammenlebenden Frauen, von denen es trotz Zölibat sehr viele gab.

Die Reformation führte mit der Auflösung der Klöster und des Zölibats nicht nur zu einer Achtung vor dem Ehestand und damit auch der verheirateten Frau und Mutter, sondern schuf ein neues Ideal: das der christlichen Familie. Pfarrfrauen wurden Vorbilder.

Aber Luther blieb ein Kind seiner Zeit und schrieb den Geschlechtern weiterhin ihre getrennten Sphären zu: dem Mann die Öffentlichkeit, der Frau Haus und Familie. Ihr Wirkungskreis wurde somit sogar eingeschränkt. »Die Reformation bedeutete für Frauen keineswegs einen generellen Fortschritt, was die Teilhabe am gesellschaftlichen und kirchlichen Leben anging«, so Klaus Fitschen, Professor für Kirchengeschichte an der Uni Leipzig. Denn diese sei nach wie vor vom sozialen Status abhängig gewesen: »Adlige und bürgerliche Frauen waren hier im Vorteil, zumal sie ­schreiben und lesen konnten.« Katholische Frauen hätten immerhin die Möglichkeit gehabt, Äbtissinnen und als solche Reichs­fürstinnen zu werden. »Die Stellung von Frauen blieb auch im Protestantismus von den gängigen gesellschaftlichen Leitvorstellungen abhängig«, sagt Fitschen.

Trotzdem ermutigten Luthers Schriften vor allem in der frühen Reformation Frauen, für ihre Überzeugungen einzutreten. Ob adlige, bürgerliche oder einfache Frauen – viele übernahmen selbst Verantwortung für ihre Entscheidungen und ihr Seelenwohl.

Ursula von Münsterberg zum Beispiel, die in Freiberg aus dem Kloster floh und ihren Schritt publizistisch erklärt. »Für Luther war das in seiner Polemik gegen die Klöster nützlich, aber die Frauen, die es betraf, gewannen durch das Verlassen der Klöster nicht mehr Freiheit, sondern tauschten ihre Gelübde gegen das Eheversprechen ein«, gibt Fitschen zu bedenken. Trotzdem können die Frauen von damals Vorbilder sein. »Was wir heute noch von ihnen lernen können, ist, selbst in der Bibel zu lesen und sich eigene Gedanken zu machen«, sagt Bettina Dörfel, Leiterin der Kirchlichen Frauenarbeit aus Dresden. Um diesen Impuls wachzuhalten, hat die evangelische Frauenarbeit in Sachsen und Mitteldeutschland eine Materialsammlung und Ausstellung zu den Frauen der Reformation entwickelt. Zu ihnen gehört auch Magdalena von Staupitz, Schulleiterin der ersten Elementarschule für Mädchen in Grimma.

Für Kathrin Wallrabe, Gleichstellungsbeauftragte der sächsischen Landeskirche, ist klar: Die Frauen der Reformation haben die Rolle der Frau neu definiert. »Wir können von ihnen lernen, mutig und fromm zugleich zu sein, und Verantwortung im eigenen Wirkungsbereich zu übernehmen – egal wie klein der scheint.«

Katharina von Bora begegnete ihrem Mann auf Augenhöhe. Trotzdem blieb sie Luthers Gehilfin und begehrte nicht dagegen auf. Das neue Ansehen als Ehefrau war modern genug für ihre Zeit.

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