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Dem Frieden eine Chance

Weltfriedenstag: Auch wenn hierzulande Frieden herrscht, hat der Krieg weltweit bittere Konjunktur. Gibt es für die Vision von der Umwandlung der Schwerter zu Pflugscharen noch eine Chance?
Von Christoph Münchow
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© Foto: tverkhovinets/Fotolia

Täglich konfrontieren uns die Medien mit kriegerischen Konflikten. Durch die Bundeswehreinsätze sind wir in schwierige Konfliktlagen verstrickt. Im Blick auf Rohstoffe und Billigprodukte auch in den ökonomischen Krieg, zu dessen Fahrzeugen am Ende unsere Einkaufswagen im Supermarkt gehören. Hautnah erleben wir die Folgen der weltweiten Flucht aus Kriegsgebieten.

Trotzdem immer noch »Schwerter zu Pflugscharen«? Jawohl! Es steht aktuell die Aufgabe, Rüstung zu begrenzen und zu stoppen, damit es statt Schwertern mehr Pflugschare gibt. Das betrifft die Exporte von Waffen sowie von Industrieanlagen zur Herstellung von Kriegsgerät, die nicht den Bestimmungen von Rüstungsexporten unterliegen. Mit dem Versprechen von mehr Sicherheit wirbt die NATO für höhere Rüstungsausgaben, die zu Lasten der Entwicklungsaufgaben in Krisengebieten gehen. Die Weigerung der Bundesrepublik, dem Atomwaffenverbotsvertrag der UNO von 2017 beizutreten, und die Stationierung einer perfektionierten Generation von Atomwaffen in Deutschland durch die USA erhöhen das hochexplosive Bedrohungspotential. Ebenso der Kauf von vorerst unbewaffneten Drohnen.

Pflugschare statt Schwerter: das zeigt den engen Zusammenhang von Gerechtigkeit und Frieden. Die Zukunftsverheißung beim Propheten Micha berücksichtigt ein berechtigtes Sicherheitsbedürfnis: »Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen und niemand wird sie schrecken«. Es geht um Sicherheit vor feindlicher Bedrohung und jetzt zugleich um Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit, um die Güter der Schöpfung für kommende Generationen zu erhalten und nicht ökonomischer Gier zu opfern. Es ist eine Forderung der Vernunft und Verantwortung, die Möglichkeiten ziviler Konfliktprävention und Konfliktlösung zu verstärken und voll auszuschöpfen. Klar formulierte 2007 die EKD-Friedensdenkschrift: »Das christliche Ethos ist grundlegend von der Bereitschaft zum Gewaltverzicht (Matthäus 5,38 ff.) und vorrangig von der Option für die Gewaltfreiheit bestimmt.«

Dazu passen gegenwärtige Forderungen, anstelle der Prinzipien einer militärischen Sicherheitslogik jetzt schon schrittweise den Übergang zu einer Friedenslogik zu gestalten. Sie hat die Überwindung von Gewalt und Überlebensnot zum Ziel, jedoch nicht durch die Androhung von zerstörerischer Gewalt und das Ausspielen eigener Machtüberlegenheit, sondern durch beharrliche Gestaltung kooperativer und an Problemlösungen orientierter Beziehungen – weltweit und im persönlichen Lebensumfeld.

Es ist auch für mich schwierig, ein einigermaßen stimmiges Bild heutiger Konfliktkonstellationen zu gewinnen. Also: Klaren Kopf behalten, um dem Hass und der Verhetzung zu widerstehen, und im fairen Streit der Menschwürde aller Raum zu verschaffen! Dazu gehört, sich Schulter an Schulter zu denen zu stellen, die wegen ihres Einsatzes für Notleidende und die Opfer kriegerischer Gewalt angefeindet und bedroht werden.

Zu klarer Orientierung verhilft die biblische Friedensbotschaft. Sie umfasst den inneren Frieden mit Gott und mit sich selbst und ebenso den Einsatz für den Frieden mit den Mitmenschen. Sie stützt ein waches Gewissen, das der Friedenslogik folgt und zum Dialog mit denen bereit ist, die sich aufgrund persönlicher Gewissensentscheidung auf militärischem Weg für Recht und Leben einsetzen wollen – einschließlich der Bereitschaft zum Töten. Der Meinungsstreit zu Friedensfragen schenkt Gewissheit für die nächsten Schritte, seien sie spontan oder geplant, wie der Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit.

Dr. Christoph Münchow ist Vorsitzender der Ev. Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK)

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1 Lesermeinungen zu Dem Frieden eine Chance
Gert Flessing schreibt:
31. August 2018, 11:37

Es wäre schon gut, wenn es in Genf zu einem Verbot autonomer Waffensysteme kommen würde.
Aber selbst das halte ich für kaum wahrscheinlich.
Krieg ist halt auch, für manche, eine Gelddruckmaschine.
Andererseits sind die meisten der heutigen Konflikte in einem Grenzbereich dessen, was große Kriege sind. Es sind eher bürgerkriegsähnliche Konflikte. manchmal sind die Ursachen eher ethnisch bedingt, manchmal eher religiös.
Selbst der Syrienkonflikt ist, in sich, ein eher kleiner Krieg, der lediglich durch die Teilnahme der Russen auf der einen und der Amerikaner auf, hm, ja, welcher anderen? Seite, vergrößert wirkt.
Die Beschreibung des Krieges als Teil der Politik scheint mir angesichts dessen, was heute geschieht, oftmals kaum mehr zu greifen.
Die Ansätze der Friedenspolitik jedoch ebenso wenig. Besonders dort, wo die Lage unübersichtlich ist und verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Ansätzen und Kriegszielen, an einem Konflikt beteiligt sind, ist es kaum möglich, sinnvolle Verhandlungen zu führen.
Der militärische Einsatz, der ja auch von uns geleistet wird, mit dem Ziel, irgend etwas zu "befrieden" ist aber ebenso wenig wirklich zielführend. Afghanistan ist dafür ein gutes Beispiel.
Vielleicht wäre es am sinnvollsten, die Konfliktherde einfach ausbrennen zu lassen.
Möglichst, solange sie noch einigermaßen klein sind.
Gert Flessing

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