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Kirche am Limit

Klimaschutz: Kohleausstieg, Tempolimit, Energiesparen – langsam wird auf die Bremse des Klimawandels getreten. Doch die sächsische Kirche tut sich noch schwer mit ihrem Beitrag.
Von Stefan Seidel
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© Foto: Tino Hemmann / Fotolia

Es ist das Thema des noch jungen Jahres 2019: Klimaschutz. Es gibt Schülerproteste und neue Vorstöße. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos rief die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg den Spitzenpolitikern und Topmanagern zu: »Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es.« Am Sonnabend dann die Nachricht von einer großen »Löschmaßnahme«: Deutschland steigt bis zum Jahr 2038 aus der Kohlenutzung zur Stromgewinnung aus.

Und wie steht die Kirche zum Klima? Die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands (EKM) hat jüngst die Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen gefordert. Auch betreibt sie einen eigenen Klimawald in Hohenleuben (Landkreis Greiz), mit dem der selbst verursachte Kohlendioxid-Ausstoß ausgeglichen werden soll. Zudem wurde ein Pilotprojekt für die Nutzung von Elektroautos als Dienstfahrzeuge auf den Weg gebracht.

In der sächsischen Landeskirche sucht man derartige Projekte bislang vergeblich. In Klimafragen geht es offenbar zögerlich zu. Auf der letzten Synode wurde zwar beschlossen, die Landeskirche möge ein Klimaschutzkonzept erarbeiten. Auch wurde das Projekt »Ökumenischer Weg« initiiert, mit dem die Landeskirche Unterstützung für Basis-Projekte anbietet. Doch schon beim Kohleausstieg herrscht Uneinigkeit. Die Synode verwies im Herbst einen Antrag in den Ausschuss zurück, der von der Staatsregierung einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger und ein konkretes Ausstiegsdatum forderte. Nun hat die Politik einen solchen Ausstiegsplan vorgelegt – ganz ohne den Aufschrei der Kirche.

Der frühere Umweltbeauftragte der Landeskirche Heiko Reinhold bemerkte in seinem letzten Jahresbericht: Die Mehrzahl der Gemeinden habe nicht zu »nachhaltigen Schritten« in der Energienutzung ermutigt werden können. »Wiederholt publizierte Angebote von Energieberatung, Schulung von Kirchvorstehern, Grünem Datenkonto usw. wurden nicht in Anspruch genommen.«

Und doch gibt es einzelne Vorstöße. Die 2011 in Sachsen gegründete Initiative »Anders wachsen« sei sehr lebendig, wie Mitbegründer Pfarrer Walter Lechner aus Dresden betont. Es konnte eine Referentenstelle geschaffen werden, die in Dresdner Gemeinden eine »Ethik des Genug« einübt. Für die Zukunft erhofft er sich mehrere »Anders-wachsen«-Profilgemeinden.

Lechner möchte die Klimafrage auch als eine theologische Frage begreifen. »Es geht um alternative Konzepte zum Wachstum, denn das Wachstum ist der zentrale Götze unserer Zeit.« Von seiner Kirche wünscht er sich mehr Eindeutigkeit in der derzeit größten gesellschaftlichen Frage: dem Klimawandel. Andere Themen wie Strukturen oder Finanzen dürften nicht als wichtiger erachtet werden.

Allerdings scheint es tatsächlich auch am Geld zu scheitern. Dem langjährigen Umweltbeauftragten Heiko Reinhold wurde im Sommer letzten Jahres gekündigt, da offenbar die Konzeption der Stelle Probleme verursachte. Sie umfasst 75 Prozent und enthält nur zum Teil die Umweltbeauftragung der Landeskirche. Ein Großteil der Stelle ist dem Referentenamt für Umwelt und ländliche Entwicklung an der Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis vorbehalten. Reinhold sprach angesichts der Fülle an beraterischen Aufgaben als Umweltbeauftragter von einem »Konflikt mit der Anstellung als Referent für Umwelt und ländliche Entwicklung«, was zur Kündigung geführt habe.

Ab 1. Februar ist diese Stelle wieder neu besetzt. Die studierte Historikerin Manuela Kolster ist neue Referentin für Umwelt und Ländliche Entwicklung. Es bleibt abzuwarten, wie ihr die Verbindung von Referententätigkeit und Umweltfbeauftragung der Landeskirche gelingen wird.

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