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Zusammen für die Zukunft

Umkehr: Zum 30-jährigen Jubiläum der Ökumenischen Versammlung in der DDR entsteht die Frage: Was bleibt von den damaligen Impulsen der Kirche? Die Forderungen nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung bleiben hochaktuell.
Von Joachim Garstecki
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Über 30 Jahre ist es her, dass in Dresden die »Ökumenische Versammlung der Christen in der DDR« zu Ende ging. 146 Delegierte aus
19 Kirchen hatten zwischen Februar 1988 und April 1989 über die globalen Überlebensfragen der Welt und ihre Bedeutung für das Leben der Menschen in der DDR beraten.

Die Delegierten haben bekräftigt, »dass die Gemeinde Jesu Christi eine Solidargemeinschaft mit den Armen« werden muss und lernen sollte, »zu jener Gerechtigkeit beizutragen, die eine Bedingung des Friedens ist«. Sie haben Schöpfungsverantwortung verstanden »als vorrangiges Eintreten für das ökologische Erhaltungsinteresse vor dem ökonomischen Wachstums- und technischen Machbarkeitsinteresse«.

30 Jahre später entdecken wir die Ökumenische Versammlung neu. Wer ihre Texte heute liest, stellt fest: Sie sind mit ihren Grundüberzeugungen 2019 so aktuell wie 1989. Ihre Zeit-Ansage »Die Katastrophe ist da, wenn alles so weitergeht. Umkehr ist unsere einzige Chance« klingt so, als wäre sie eben erst formuliert. Denn der ungezügelte Markt-Liberalismus der Globalisierung hat eine Welt-Unordnung erzeugt, die die damaligen Befürchtungen um ein Vielfaches übertrifft. Wir sehen heute gewissermaßen »im Vollbild« die Folgen einer strukturell gewalttätigen Ökonomie für Menschen, Gesellschaften, die Erde und ihr Öko-System. Zum Beispiel Gerechtigkeit: Der Wohlstand des globalen Nordens resultiert aus menschenunwürdigen und umweltzerstörenden Produktionsverhältnissen im globalen Süden. Armut und Ungerechtigkeit werden ausgelagert. »Wir schieben die negativen Effekte unserer Lebensweise systematisch Ländern und Menschen in anderen Weltregionen zu«, betont der Soziologe Stephan Lessenich.

Zum Beispiel Frieden: Die EU, gestartet als »Friedensprojekt« und mit dem Friedensnobelpreis dekoriert, wird immer mehr zu einer Militärmacht. Statt Methoden und Instrumente gewaltfreier Konfliktlösung zu fördern, rüstet die EU auf und kürzt ab 2021 die Mittel für zivile Krisenprävention. Nach der Kündigung des INF-Abkommens von 1987 über die Abrüstung von atomaren Mittelstreckenwaffen in Europa steigt die Gefahr eines neuen atomaren Wettrüstens.

Zum Beispiel Bewahrung der Schöpfung: Die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen geht unvermindert weiter, trotz der positiven Ansätze des Klima-Abkommens von Paris 2015. Das polare Meereseis taut rapide, der Meeresspiegel in der Pazifikregion steigt, die Verluste der Arten-Vielfalt nehmen dramatische Ausmaße an. Zwischen 2020 und 2030 entscheidet sich, ob das erklärte Reduzierungsziel auf maximal
1,5 Grad Erderwärmung bis 2030 weltweit erreicht wird. Dass die deutschen CO₂-Schleudern bis 2038 weiterlaufen sollen, kommt einer Bankrott-Erklärung der Klimapolitik gleich.

Die Gnadenfrist läuft ab, »die Kata­strophe ist da, wenn alles so weitergeht«, hieß es 1989. Wir setzen unsere Zukunft und die unserer Kinder und Enkel aufs Spiel, wenn nicht jetzt gehandelt wird, heißt es 2019. »Solange ihr euch nicht auf das konzentriert, was getan werden muss, sondern nur was politisch möglich ist, gibt es keine Hoffnung«, appellierte Greta Thunberg an die Weltklimakonferenz in Kattowitz. Die »vorrangigen Optionen« von 1989 –
Gerechtigkeit den Armen, Frieden mit gewaltfreien Mitteln, Bewahrung der Schöpfung – bleiben ein ökumenisches Hoffnungssymbol und eine dringliche Forderung zur Umkehr aus einem
System, das unfähig ist, der Zukunft des Lebens auf dieser Erde zu dienen. Das macht die Ökumenische Versammlung von 1989 zu einer Erinnerung, dass eine andere Welt möglich ist.

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