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Tankstelle für Gemeinden

Kirche im Aufbruch: Angesichts der großen Kräfte, die in die Neuorganisation der kirchlichen Strukturen fließen, stellt sich die Frage: Wie kann sich die Kirche innerlich erneuern und eine reformatorische Kraft bleiben? Dafür gibt es verschiedene »Tankstellen«.
Von Stefan Seidel
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Keine Frage: die Kirche in Deutschland ist gebeutelt – und geht nicht gerade rosigen Zeiten entgegen. Die hohen Mitgliederverluste im letzten Jahr und die vorausgesagte Halbierung der Mitgleiderzahlen bis zum Jahr 2040 zwingen die Kirche zu einem dramatischen Umbau. In Sachsen ist dieser bereits in vollem Gange. Bis zum 30. Juni haben die meisten Kirchgemeinden die geforderte Strukturreform auf den Weg gebracht – und sich zu großen Gebilden zusammengeschlossen. Viel Kraft ist in den Kirchgemeinden und Kirchenbezirken in diese Umsetzung der Strukturreform geflossen, die die Kirche zukunftsfest machen soll. Nun sollte auch die innere Besinnung auf das, was Kirche im Wesentlich ausmachen soll, Raum bekommen.

Um dieses Nachdenken über den Platz und die Aufgabe der Kirche in der heutigen Zeit in Gang zu setzen, haben sich verschiedene »Tankstellen« für Gemeinden etabliert – etwa die gerade zu Ende gegangene Allianzkonferenz in Bad Blankenburg, der Evangelische Kirchentag oder der Sächsische Gemeindebibeltag, der am Reformationstag in der Sachsenlandhalle Glauchau zum Thema »Die Stadt auf dem Berg« stattfinden wird.

Zu diesen traditionellen Veranstaltungen gesellt sich nun noch eine neue: das »Formum Reformation«. Vom 18. bis 22. August lädt es zu einem großen und bunten Treffen nach Wittenberg ein. Unter der Überschrift »Streitbar leben« soll in Erinnerung an die Leipziger Disputation vor 500 Jahren die Frage beantwortet werden: »Wofür lohnt es sich zu streiten?« Dazu gibt es Podiumsdiskussionen, Vorträge, Seminare und Konzerte – unter anderen mit Anne und Nikolaus Schneider, Evelyn Finger, Wolfgang Thierse und Judy Bailey.

»Wir wollen die Impulse der Reformation in einer uns mutlos erscheinenden Welt mit neuer Kraft entfalten«, teilte die unabhängigen Initiative mit, die im letzten Jahr der Bonner Gemeindepfarrer Siegfried Eckert gegründet hat. Inspiriert vom Reformationsjubiläum 2017, wollte er, dass dieser kreative Kirchenaufbruch nicht einfach wieder aufhört. Eckert wollte weiter über die Schlüsselfrage nachdenken: »Wo und wie sind wir das Salz der Erde?« – und gründete das »Forum Reformation« als eine konfessions- und weltanschauungsübergreifende Weg- und Lerngemeinschaft.

In den Reformprozessen der Kirche möchte das »Forum Reformation« »Anwalt der Gemeinden« sein und das Konzept einer »Kirche von unten« umsetzen. Denn: »Der Baum wächst von unten nach oben, die Kirche auch.« Die reformatorischen Impulse für eine stärkere Beteiligung und Meinungsbildung der Laien solle in die Gegenwart übertragen werden. »Das Forum Reformation versteht sich als Einladung an alle reformatorischen Geister im Land, sich zwischen den Gemeinden zu vernetzen, um einander Flügel zu verleihen für kreative Lösungen in schwierigen Zeiten.« Was Davos für die Wirtschaft sei, könnte Wittenberg für die reformatorischen, guten Geister der Welt werden, so Siegfried Eckert. So soll auch die erste große Zusammenkunft des »Forum Reformation« der Resignation angesichts des dramatischen Kleinerwerdens der Kirche entgegenwirken.

Stark gemacht werden soll die Vision Dietrich Bonhoeffers von einer »Kirche für andere«. Dabei wird auch der Begriff »Gutmensch« nicht gescheut. Die verunglimpte Rede vom »Gutmenschen« werde als Ansporn gesehen, möglichst Gutes in schweren Zeiten zu bewirken, heißt es im Programm. Die Stillen im Lande sollen ermutigt werden, sich mehr einzumischen – für die friedensstiftende Kraft der Religion, für die Würde jedes Menschen und das Mitgefühl. »Wie Luther mit einem Tintenfass nach dem Teufel geworfen haben soll, wollen wir mit Gottvertrauen und Zuversicht an das Gute im Menschen und in der Welt glauben«.

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