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Für uns gegeben?

Kirche und Tiere: Es steht schlecht um die Tiere in der von wirtschaftlichem Druck geprägten Landwirtschaft. Die Evangelische Kirche hat nun klar Position bezogen: Sie fordert eine Ernährungswende.
Von Stefan Seidel
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© Foto: Countrypixel stock.adobe.com

Wenn am Wochenende die Landwirtschafts- und Ernährungsmesse »Grüne Woche« in Berlin beginnt, wird vor ihren Pforten wieder laut demonstriert werden. Ein breites Bündnis fordert mit ihrer Demonstration am Sonnabend unter dem Motto »Wir haben es satt – Agrar­wende anpacken, ­Klima schützen« den umwelt-, tier- und klimaverträglichen Umbau der Landwirtschaft. Es werden zehntausende Teilnehmer erwartet.

Lange Zeit hat die Evangelische Kirche zum Umgang mit den Tieren und zur Ernährungsfrage keine klare Position vertreten. Das hat sich Ende letzten Jahres geändert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich in ihrem im September vorgestellten Impulspapier »Nutztier und Mitgeschöpf!« für einen grundsätzlichen Wandel in der Agrarwirtschaft hin zum Schutz des Tierwohls ausgesprochen. Erstmals fordert die EKD mit deutlichen Worten nichts weniger als eine Ernährungswende, deren Hauptkennzeichen die deutliche Reduzierung des Fleischverbrauchs ist. Diese Wende sei aus tierethischen sowie global ökologischen wie entwicklungspolitischen Gründen zwingend geboten, heißt es. Und weiter: Der umfassende zivilisatorische Umlernprozess im Blick auf die Ernährung stehe in seiner Brisanz dem Prozess der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft (»kohlenstofffreie Wirtschaft«) in nichts nach.

Konkret wird die Reduzierung des durchschnittlichen Fleischverzehrs von 60 auf 15 Kilogramm pro Jahr und Person angeregt. »Es ist die zentrale These dieser EKD-Studie, dass die Frage des Fleischkonsums zu einer Schlüsselfrage sowohl der Weltgesundheitsorganisation als auch der ökologischen Tragfähigkeit der Erde geworden ist«, stellen die Autoren der Studie fest. Eingeflossen sein dürfte die Erkenntnis der 2006 veröffentlichten UNO-Studie »Der lange Schatten der Viehzucht«, dass die weltweite Tierzucht mehr Treib­hausgase freisetzt als der gesamte Flugzeug- und Autoverkehr.

Auch nimmt die EKD mit »Nutztier und Mitgeschöpf!« einen Impuls auf, den Papst Franziskus 2015 in seiner Schöpfungs-Enzyklika »Laudato si« gegeben hat. Dort verlautbarte er: »Heute sagt die Kirche nicht einfach, dass die anderen Geschöpfe dem Wohl des Menschen völlig untergeordnet sind, als besäßen sie in sich selbst keinen Wert und wir könnten willkürlich über sie verfügen.« Demnach spricht nun auch die EKD den Tieren eine eigene Würde zu und fordert deren Achtung, die in einer nachhaltigen Nutztier­ethik verwirklicht werden soll: »Ein Tier darf nicht ausschließlich unter seinem wirtschaftlichen Verwertungszweck als Verfügungsmasse für menschlichen Konsum und Handel gesehen werden«, so das EKD-Papier.

Dabei wird der große ökonomische Druck problematisiert, unter dem die heutige Landwirtschaft in allen Bereichen stehe. Es wird eine Veränderung der EU-Handelspolitik im Hinblick auf Fleischexporte und Futtermittelimporte zugunsten von Tierwohlstandards angemahnt. Als Haupthindernis für eine Umstellung der Landwirtschaft auf artgerechte Tierhaltung wird der Vorrang des Ökonomischen ausgemacht: »Es fehlt an politischen Willen und an verbindlichen politischen Vorgaben und Begleitmaßnahmen, die dem Druck der internationalen Wettbewerbssituation und dem Einfluss des Agrobusiness etwas entgegegensetzen.«

Die Aktion Kirche und Tiere e.V. (AKUT) begrüßte das EKD-Impulspapier und bekräftigte die Feststellung, dass es zum kirchlichen Auftrag der Gegenwart gehöre, zu der anstehenden Ernährungswende hin zu weniger Fleischverzehr und artgerechter Tierhaltung beizutragen. Kritisiert wird allerdings die zögerliche Position zum »Kükenschreddern«, der Tötung von jährlich rund 45 Millionen männlichen Küken in Deutschland, das kein »moralisches Dilemma«, sondern ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz sei.

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