Heilsame Schocktherapie?

Tomas Gärtner
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Dresden, 13. Februar, Protest, Demo
Schon beim Gedenken an die Bombardierung Dresdens am 13. Februar gingen tausende Menschen auf die Straße, um gegen rechte Vereinnahmung des Gedenktages zu demonstrieren. Am 17. Februar wurde in Dresden erneut gegen Pegida und AfD-Vertreter Björn Höcke demonstriert. © Steffen Giersch

In Dresden spielte sich am Montagabend Bemerkenswertes ab. Während Pegida-Anhänger Thüringens AfD-Rechtsaußen Björn Höcke als Redner feierten, übten erstmals auch Konservative den Widerstand auf der Straße. Schwarzrotgelb bemützte Islamfeinde und Merkelhasser sahen sich verdattert in der Klammer. Nicht mehr nur aus den Linien linker Aktivisten der Initiative »Nationalismus raus aus den Köpfen« schollen dröhnende Protest-Bässe. Pfiffe, Buh-Rufe und ein überlautes »Freude, schöner Götterfunken« tönten ihnen plötzlich auch von konservativer Seite entgegen. Ein Bündnis aus CDU, FDP, sächsischen Kirchen, jüdischer Gemeinde und Bibliotheksverband hatte unter dem Motto »Demokratie braucht Rückgrat« ihre eher bürgerlichen Anhänger auf den Neumarkt gerufen. Um die 2500 waren nach eigenen Angaben gefolgt.

Vom Demo-LKW herab dankte eine rede-ungewohnte FDP-Stadtbezirksbeirätin den Gegendemonstranten aus dem linken Lager für deren Ausdauer im Straßenprotest gegen Pegida; forderte der Leiter des Katholischen Büros Sachsens, Kirche müsse politisch sein, wenn es um Menschlichkeit gehe; sprach Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks von der Pflicht zu demonstrieren und sich gegen Hass zu wenden; entlarvte FDP-Landeschef Frank Müller-Rosentritt Höcke anhand von Zitaten als »Faschisten«. »Raus aus der Komfortzone«, lautete das Signal von Dresdens CDU-Chef Markus Reichel.

Hat das Polit-Beben von Erfurt einen Ruck durch die Reihen der Konservativen gehen lassen? Noch ist Dresden ein erster Versuch. Doch sollte der Dammbruch von Thüringen tatsächlich statt Schockstarre Bewegung ausgelöst haben, könnte er sich als heilsame Schocktherapie für die Demokratie erweisen.

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