Verluste im Krankenhaus

Krankenhaus-Notstand: Zu viele Covid 19-Patienten für zu wenig Pflegepersonal. Zu diesem Problem kommt nun die Frage des Geldes. Corona zeigt die Schwächen des Systems.
Uwe Naumann
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Das Schlimmste scheint überstanden. Die höchste Zahl an Covid 19-Patienten lag Anfang Januar auf den Intensivstationen in den Krankenhäusern: knapp 5800 laut Deutscher Krankenhausgesellschaft. Doch mit dem Rückgang der Infektionszahlen entspannt sich die Situation in den Kliniken kaum. Weiterhin fehlt überall Pflegepersonal, müssen Betten für Corona-Patienten freigehalten und aufschiebbare Operationen verlegt werden.

Dies erzeugt ein neues oder verstärkt ein altes Problem: »Wir haben Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise«, sagt der Sprecher des Diakonissenkrankenhauses Dresden, Victor Franke. Die finanziellen Einbußen seien so hoch, dass die Pauschalen für freigehaltene Betten »bei Weitem nicht ausreichen«.

Der kaufmännische Geschäftsführer des Diakoniekrankenhauses Chemnitzer Land in Hartmannsdorf, Johannes Härtel, beklagt, dass die Ausgleichszahlungen des Bundes für die zweite Corona-Welle noch komplett ausstünden. »Hier sind wir bisher in Vorlei­stung gegangen.«

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnte kürzlich, dass »ohne eine flächendeckende und kurzfristig wirksame Liquiditätshilfe die Krankenhäuser ihre Leistungsfähigkeit in den kommenden Monaten nicht aufrechterhalten können«. Dabei haben fast die Hälfte der Krankenhäuser schon 2019 Verluste gemacht, 2018 waren es in einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts 40 Prozent. Jene Krankenhäuser könnten jetzt »sogar in Schieflage geraten«, befürchtet Johannes Härtel vom Diakomed-Krankenhaus Hartmannsdorf, obgleich sein Haus aus einer »wirtschaftlich stabilen Situation« in die Pandemie gekommen sei.

Verluste schrieb 2019 auch das Dia­konissenkrankenhaus Leipzig. Wirtschaftlich gehört es zur mitteldeutschen Diakonieholding edia.con, die wiederum mehrheitlich zu Agaplesion gehört – mit bundesweit rund 25 Krankenhausstandorten eines der großen Gesundheitsunternehmen. Diese Zugehörigkeit habe sich »als ein großer Vorteil erwiesen«, heißt es aus dem Diako. So habe man »diese Krisensituation bislang vergleichsweise gut gemeistert«. Nun warte man auf Signale aus der Politik, die pandemiebedingten finanziellen Einbußen und Mehraufwendungen auszugleichen.

Die Rektorin der Evangelischen Hochschule Dresden, Marlies Fröse, kritisiert, dass das gesamte Gesundheitssystem über Jahre in Richtung von Wirtschaftlichkeitserwartungen gesteuert worden sei: »Der Auftrag des Krankenhauses ist nicht Profit, sondern Gesundheit und Lebensqualität – für Patienten und Beschäftigte. Ein Krankenhaus, welches diesen Auftrag vernachlässigt, kann nicht effizient sein, selbst wenn es Gewinne erwirtschaftet«, sagt die Professorin für Personal- und Organisationsentwicklung in der Gesundheitswirtschaft.

Fröse befürchtet einen »Pflexit«, also den Ausstieg von Pflegekräften aufgrund der schwierigen Arbeitsbedingungen. Neben einer gerechten Entlohnung gehöre zur Anerkennung der Pflegekräfte auch Teilhabe in einem Team verschiedener Berufsgruppen, meint die Rektorin und unterstützt damit eine Forderung des Deutschen Pflegeverbands. Gerade die kleinen konfessionellen Häuser schafften dies weitaus häufiger, so Marlies Fröse.

Doch mit Corona wurde nicht nur die Ausdehnung der Arbeitszeit auf täglich zwölf Stunden in der Pflege möglich. Auch die 2019 eingeführte gesetzliche Untergrenze von Pflegepersonal pro Patient wurde ausgesetzt. 2021 soll das so bleiben, fordert die Deutsche Krankenhausgesellschaft. »Die Pflegepersonaluntergrenzen sind für uns als diakonisches Haus eigentlich Teil unseres Selbstverständnisses«, bekennt Johannes Härtel vom Diakomed Chemnitzer Land. »In der Pandemie herrschen aber Notstandsbedingungen«, begründet er die Ausnahmen.

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