Corona ist nicht das Ende

Zukunft: Die Kirche und ihre Chöre stecken mitten in der Corona-Krise und blicken in eine ungewisse Zukunft. Die Landeskirche versucht, sich auf die Zeit nach der Krise vorzubereiten (siehe Seite 5). Dazu veröffentlichen wir einen Brief vom Vorstand der Stiftung »Creative Kirche« an die Kirche und ihre Chorleitenden, der Hoffnung macht.
Von Martin Barthelworth
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© Foto: Gabriel Cassan stock.adobe.com

Corona lässt die Chöre verstummen«. Diese oder ähnliche Schlagzeilen waren zu lesen. Und es ist ja auch so: Nähe, Gemeinschaft, Chorgesang – das, was uns sonst Kraft für den Alltag gibt, ist durch ein Virus zur Gefahr geworden. Deshalb ist seit Monaten vielerorts die Chorarbeit auf null gestellt. Vernichtet Corona die Chorarbeit?

Ich behaupte »Nein« und gehe noch weiter: Die derzeitige Situation kann uns sogar noch nützen, denn in jeder Krise steckt auch eine Chance. Auch eine Chance für deine Chorarbeit. Warum ich das glaube? Dafür gibt es mindestens vier Gründe.

1. So schmerzhaft Krisen auch sind und so sehr sie uns auch aus der Bahn werfen können: In Krisen verbergen sich oftmals ungeahnte Möglichkeiten, die unser Leben zum Positiven verändern können. Das gilt auch für deine Chorarbeit. Du hast Zeit darüber nachzudenken: Was möchte ich mit meinem Chor zukünftig erreichen, welche neuen Wege können und wollen wir gehen?

2. Alle Welt ist Klang. Alle Welt singt sich durch die Geschichte der Menschheit. Im Mutterleib hören wir schon Melodien und selbst wenn uns am Ende der Tage hier auf Erden die eigene Sprache und das eigene Gehirn fremd wird, so hören wir noch die Musik, den Gesang, den Klang der Ewigkeit. Auch in der Bibel finden wir diese Hinweise. Vor 3000 Jahren entsteht die Aufforderung in Psalm 98,1 »Singt dem Herrn ein neues Lied …!« Und die Geschichte zeigt uns, dass weder Pest noch Krieg den Gesang und auch den Chorgesang kaputt bekommen, selbst wenn die Widrigkeiten über Jahre und Jahrzehnte dauern und wüten. Nein, an Corona stirbt nicht der Chorgesang. Singen ist in der DNA des Menschen angelegt. Das bleibt!

3. Wir befinden uns in einer gesellschaftlichen Tiefenkrise. Das sagen uns die Zukunftsforscher und wir spüren es auch: Nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und privaten Lebens sind davon getroffen. Warum kann uns die Krise sogar noch nützen, wie ich behaupte? Weil wir entsetzlich unter der Einsamkeit leiden. Noch nie im Leben haben wir das so gespürt wie jetzt. Noch nie war Gemeinschaft so wertvoll wie heute.

Ein Chor lebt von Gemeinschaft. Chorleitende sind Experten für Gemeinschaft. Auch deshalb ist Chorleitung genauso herausfordernd wie wunderschön. Eine Dimension, in der das »Ich« über sich hinauswachsen kann. Der Chor ist ein Kraftraum für Vergemeinschaftung. Sollte das nicht in dem Land der »Nachcoronazeit« für Menschen äußerst attraktiv sein?

4. Ist es denn nicht so, dass Singen im Chor gesund ist? Singen trainiert deine Resilienz, also deine Widerstandskraft, dein Immunsystem, deine Stimme, das Atmen und macht dich glücklich. Der Chor ist dein Fitnesscenter für die Seele. Das müssen wir den Menschen nach der Pandemie sagen, damit sie den Weg in unsere Chöre finden. Jeder von uns steht immer wieder vor der Weichenstellung zwischen Resignation und Aufbruch. Unterschätze das nicht: Deine innere Zukunft schafft die äußere.

Ja, Chöre werden Mitglieder verlieren und mancher Chor wird sich auflösen. Es werden aber die Chöre sein, denen vorher schon die Perspektive fehlte. Das große Chorsterben fällt aus.

Noch einmal gehen wir 3000 Jahre zurück: »Singt dem Herrn ein neues Lied«, die Aufforderung nennt dafür einen guten Grund: »denn ER tut Wunder«. Vielleicht auch das Wunder, gestärkt aus einer hässlichen Krise hervorzugehen. Ich bin voller Hoffnung.

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