Wir sind Erde

Tag der Erde: Angesichts der dramatisch fortschreitenden Zerstörung des Ökosystems Erde sind große Veränderungen nötig. Auch die Kirche braucht ein neues Verhältnis zur Schöpfung.
Von Stefan Seidel
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© Foto: Richard Salamander stock.adobe.com

Wenn am Donnerstag der internationale »Tag der Erde« begangen und am Freitag die diesjährige Bundesgartenschau mit einem ökumenischen Gottesdienst in Erfurt eröffnet wird, darf der Blick geweitet werden – ein Stück weg von der alles dominierenden Virus-Krise hin zu den vielfältigen Wundern der Schöpfung.

»Schau an der schönen Gärten Zier …«. Die Gärten sind eine Feier der Natur, dienen der Erhebung der Seele und sind nicht zuletzt ein Beitrag zur Erhaltung von Artenvielfalt und natürlicher Kreisläufe. Der Garten kann somit ein Lehrmeister für das sein, was dringend ansteht: dass sich der Mensch wieder einfügt in das Ökosystem Erde und es bewahrt statt systematisch zerstört. Papst Franziskus hat diese Wiederentdeckung der Heiligkeit der Natur auch als eine geistliche Aufgabe bezeichnet. In seiner Schöpfungs-Enzyklika »Laudato si« schrieb er: »Das Göttliche und das Menschliche begegnen einander in den kleinsten Details des nahtlosen Gewandes der Schöpfung Gottes, sogar im winzigen Staubkorn unseres Planeten. (...) Wir brauchen eine neue universale Solidarität.«

Der »Tag der Erde« will an diese tiefe Verbundenheit des Menschen mit allem Leben erinnern. Der brasilianische Theologe Leonardo Boff drückte das in seinem Buch »Zukunft für Mutter Erde« so aus: »Der Mensch ist die Erde selbst, die in einem fortgeschrittenem Stadium ihrer Evolution und ihrer Komplexität zu fühlen, zu denken und zu lieben begonnen hat. Deshalb ist der Mensch die Erde, die aufrecht geht, weint, singt, denkt, liebt und heute nach Fürsorge und Schutz schreit.«

Der Schrei der Erde ist deutlich zu hören: Pro Tag sterben 150 Tier- und Pflanzenarten aus; in den letzten Jahren waren bereits im August alle verfügbaren und nachwachsenden Ressourcen der Erde aufgebraucht, so dass eine irreversible Vernutzung geschieht; jährlich werden rund 300 000 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt und damit die »grüne Lunge« der Welt vernichtet. Dieses Sündenregister ließe sich lange fortsetzen.

Doch auch die rettenden Auswege sind bekannt. Sie wurzeln in einem grundsätzlich neuem Verhältnis zur Natur und wurden unter anderem in der sogenannten Erd-Charta beschrieben. Darin heißt es: »Produktion, Konsum und Reproduktion sind so zu gestalten, dass sie die Erneuerungskräfte der Erde, die Menschenrechte und das Gemeinwohl sichern.« Oder: »Die Ganzheit der Ökosysteme der Erde ist zu schützen und wiederherzustellen, vor allem die biologische Vielfalt und die natürlichen Prozesse, die das Leben erhalten.« Oder: »Alle Lebewesen sind rücksichtsvoll und mit Achtung zu behandeln.«

Die Stichworte für den rettenden Weg heißen »industrielle Abrüstung«, »Nachhaltigkeit«, »Maßhalten«. Ein Kompass für den anstehenden Umdenk- und Veränderungsprozesses können die sogenannten »Vier W« sein: »Weniger«, »Weiternutzen«, »Wiederverwerten« und »Wiederaufforsten«.

Dem gegenwärtigen Alptraum der grenzenlosen Verwüstung und Ausplünderung der Erde stellen viele Menschen an vielen Orten bereits den Traum von einem guten Leben in Einklang miteinander und mit der Erde entgegen.

Leonardo Boff hat diesen Traum so beschrieben: »Alle entscheiden sich dafür, einen nachhaltigen Rückzug aus Tätigkeiten anzutreten, die mit einer Verschlechterung des Zustandes der Natur einhergehen. Es ist der gemeinsame Plan, die Erde von den ihr zugefügten Wunden wieder zu heilen und künftigen Verletzungen vorzubeugen. Es herrscht das Reich der Ethik der Achtsamkeit, der kollektiven Verantwortung, der Zusammenarbeit und des Mitleids.«

Es dürfte auch für die Kirchen von entscheidender Bedeutung sein, wie sie sich in dieser »planetarischen Etappe« (Boff) einbringt.

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