Ein Engel für dich

Beflügelt: Keine Advents- und Weihnachtszeit ohne Engel. Jetzt zieren sie wieder vielerorts die Stuben, Fenster und Kirchen. Sie sind Boten eines großen Trostes, der weitergegeben werden will.
Von Andreas Koch
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Advent, Engel, Hoffnung, Erinnerung, Kindheit
© CC0 Public Domain

In der Geschichte von Jesu Geburt kommen sie ziemlich häufig vor: Die Engel. Ich hatte einen aus Holz geschnitzten – gehabt. Die Figur ist nun nicht mehr mein, aber sie erinnert mich dennoch daran, welch wichtige Rolle die Himmelsboten in der Weihnachtsgeschichte spielen. Von Begegnungen mit Zacharias, Maria, den Hirten und Josef.

Das hier ist mein Weihnachtsengel – gewesen. Warum er es nicht mehr ist, dazu nachher mehr. Erstanden habe ich ihn auf dem Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt, und das schon vor einigen Jahren. Im Advent 2021 wäre ein solcher Kauf coronabedingt ja wohl auch gar nicht möglich. Übrigens stammt der Engel nicht etwa aus dem Alpenraum, sondern von einem einheimischen Holzschnitzer. Genau diesem Holzschnitzer durfte ich, nebenbei bemerkt, auch einmal erklären, wie Ochs und Esel aus dem Alten Te- stament, sprich vom Propheten Jesaja, in seine Weihnachtskrippen kommen. Er hatte schon viele dieser beiden Tiere geschnitzt, wusste es aber nicht. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls habe ich bei ihm meinen Engel gekauft: Engel gehören zu Advent und Weihnachten einfach dazu.

Sie gehören dazu? Ein Blick in die Bibel bestätigt dies: Es ist der Engel des Herrn, der Zacharias die Geburt Johannes des Täufers, des Vorläufers von Jesus, verkündet. Derselbe Engel lässt Maria wissen, dass sie mit Jesus schwanger ist. Zu Josef aber sagt er, er brauche sich nicht zu fürchten, seine Verlobte zu sich zu nehmen. Das Kind, das sie empfangen habe, sei vom heiligen Geist. Und dann Weihnachten selbst: Wiederum ist es ein Engel, der den Hirten auf dem Feld die weihnachtliche Botschaft bringt, nämlich »Fürchtet euch nicht, euch ist heute der Heiland geboren« (Lukas 2,10). Dazu kommt dann jubelnd »die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens« (Lukas 2,14). Ob man die ganze biblische Weihnachtsgeschichte deshalb nicht auch ein bisschen als Engelsgeschichte bezeichnen könnte? Zumal auch bei der Flucht nach Ägypten, mit der die Weihnachtsgeschichte schließt, ein Engel eine wichtige Rolle spielt.

Das hier ist mein Engel – gewesen. So aber, wie er aussieht, stellt man sich einen Engel vor: mit langem Haar, wallendem Gewand und zwei großen Flügeln, die ihn vom Himmel herab- und dahin wieder zurücktragen. Was aber macht ein Engel sonst, wenn er nicht in Bethlehem und anderswo Weihnachten werden lässt? Dann ist er einfach als Bote Gottes unterwegs oder als Schutzengel, der dafür sorgt, dass niemand etwas geschieht. Und einen solchen Engel kann man sich sogar wünschen, zum Beispiel so: »Einen Engel wünsch’ ich mir, Gottes Nähe möchte ich spüren. Guter Engel, komm zu mir, um mich zärtlich zu berühren!« (Unbekannt). Ist ein Engel von daher nicht auch etwas zum Verschenken, zum Weggeben eher als zum Behalten? Ich jedenfalls habe meinen Engel Freunden zu Weihnachten geschenkt, und so ist er jetzt nicht mehr mein, sondern ihr Engel. Möge er als ihr Engel allzeit gute Nachrichten haben und wo nicht, so doch ein Wort des Trostes und der Zuversicht! Und natürlich hoffe ich das auch für alle, die diese Zeilen hier lesen. Dass jetzt, in diesen adventlichen und weihnachtlichen Tagen, die Stimme eines Engels an ihr Ohr dringt und sie wissen lässt: »Fürchtet euch nicht, euch ist heute der Heiland geboren!«

Das hier ist mein Weihnachtsengel – gewesen. Jetzt ist er dein, euer und Ihr Engel. Gesegneten 2. Advent! Und: »Fröhlich soll mein Herze springen / dieser Zeit, da vor Freud / alle Engel singen.« (EG 36,1)

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