Der Himmel beginnt hier

Himmelfahrt: Solange die Welt sich dreht, werden Geschichten vom Himmel erzählt. Hoffnungsgeschichten, die sagen, dass es weitergeht. Kann man ohne den Himmel überhaupt leben?
Von Christian Feldmann
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Wo fängt der Himmel an?« fragen Kinder gern. Sie trauen sich, Probleme zu formulieren, die Erwachsene gern verdrängen. Wer kann schon sicher sagen, wie der Himmel aussieht und wie man dort hinkommt? Wie groß ist er, und wer wohnt dort? Ist er wirklich dort oben über den Wolken?

Der Himmel, der physikalische Raum zwischen Erde und All, hat immer schon als Bild gedient für das Unbeschreibliche, für all das, was wir hinter unseren eigenen Grenzen und Beschränkungen erhoffen. Aber gibt es den Himmel, »die Fülle des Lebens«, von der in alten liturgischen Texten die Rede ist, überhaupt? Ist er mehr als ein frommes Märchen?

Und: Muss es nicht das wahre Glück geben – auch später einmal, ein Zuhause, in dem wir immer bleiben dürfen?

Vor siebzig Jahren lebte in Warschau die kleine Janina David in einem engen dunklen Zimmer, das sie niemals verlassen durfte. Denn die jüdische Familie David musste sich vor den Nazis verstecken. In dem Buch, das sie später über ihre Erlebnisse schrieb, erinnert sich Janina David an ein winziges Fenster, durch das sie ein Stück vom blauen Himmel sehen konnte. Dieser Blick auf den Himmel war es, der ihr Mut gab und sie die lange böse Zeit am Leben hielt. Der Himmel – ein Bild für Freiheit, Hoffnung, Zukunft, für die »Fülle des Lebens«, wie es in alten gottesdienstlichen Texten heißt.

Weil aus der anderen Welt noch keiner zurückgekommen ist, gibt es unter den Menschen keine einheitliche Vorstellung. Sie sagen »Himmel« oder »Paradies«, »Jenseits« oder »die ewigen Jagdgründe« – und meinen doch alle etwas Ähnliches. Die Bibel schildert den Himmel keineswegs als langweiliges Paradies mit luftigen Geistern. Sie erzählt lieber von einem großen Fest, einer Hochzeitsfeier, wo fröhlich gegessen und getrunken wird, wo sich alle rundum freuen. Und das Schönste: Dieses Fest hat längst begonnen!

Jesus verknüpft das mit seiner Person: »Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.« Das heißt, sein Himmel beginnt überall dort, wo Menschen wie er ganz Menschen sind, sich aneinander freuen, richtige Freunde werden, miteinander teilen und sich als Partner fühlen, nicht als Rivalen.

Die Bibel übersteigt die enge Vorstellung eines über den Wolken lokalisierbaren Himmels: Der Himmel ist kein Ort auf der Landkarte des Universums, sondern eine Beziehung. Der Himmel ist die Erfahrung der glücklich machenden – aber auch herausfordernden! – Nähe Gottes.

Der Himmel ist eine bestimmte Art zu leben, miteinander umzugehen, so wie es in einem alten Jugendgottesdienstlied von Wolfgang Poeplau und Ludger Edelkötter ausgedrückt ist: »Wenn ein Sommer/Rosen blühen lässt/und die Liebe/Menschen glühen lässt,/wenn es Frieden gibt/auf Erden/und die Waffen/verschrottet werden:/Dann gehen wir/dem Himmel entgegen/und alle, alle gehen mit.«

Der Himmel ist ein Bild für so vieles, was uns glücklich macht. Die Botschaft der Bibel ist: Das Fest des Himmels hat begonnen. Zwar hat es noch nicht seinen Höhepunkt erreicht, aber wir sind zum Tanz aufgerufen: uns zum Reigen des Lebens einander bei den Armen und Händen zu fassen. Aber wie geht das?

Vielleicht gibt ein kleines Gebet Aufschluss, das in einem Gesangbuch zu finden war, in zierlicher Handschrift auf einen Zettel geschrieben: »Herr, gib mir ein Herz, das die Freude sucht und sie doch nicht festhalten will, das verzichten und teilen kann und das sein Glück in der Freude der anderen findet.«

Wenn wir so zu leben versuchen, leuchten schon jetzt viele kleine Stückchen Himmel wie Mosaiksteine auf, oft noch unverbunden nebeneinander liegend wie bei einem unfertigen Puzzle. Die Bibel ist überzeugt: Gott wird am Ende der Tage diese vielen Mosaiksteinchen Himmel zu einem vollendeten Bild zusammenfügen und zu »seiner neuen Erde und seinem neuen Himmel machen«, wie es am Schluss der Heiligen Schrift heißt.

Vielleicht lohnt es sich ja, bei dem Fest schon jetzt dabei zu sein.

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