Mit Christus die Welt bewegen

Weltsynode: Wenn am 31. August Tausende Delegierte aus über 350 Kirchen und 120 Ländern in Karlsruhe zu- sammentreffen, soll ein Impuls der Liebe Christi in die Welt gehen. Gelingt das angesichts der Spannungen in der Welt?
Von Stefan Seidel
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Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Ioan Sauca (4. v. r.), beim Ukraine-Besuch Anfang August in der Sophiakathedrale Kiew. © Foto: Ivars Kupcis/WCC

Unter dem Motto »Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt« wird die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) vom 31. August bis 8. September in Karlsruhe tagen. Dazu werden rund 4000 Teilnehmende aus aller Welt erwartet. Dabei muss die Versöhnung gleich schwere Prüfungen bestehen, denn es wird sowohl eine Delegation der russisch-orthodoxen Kirche als auch der Orthodoxen Kirche in der Ukraine erwartet – und das Thema »Israel-Konflikt« steht auf der Agenda.

Der Umgang mit dem Ukraine-Krieg wird mit Spannung erwartet. Im Vorfeld der Vollversammlung hatte Anfang August eine Delegation des ÖRK die Ukraine besucht. »Wir sind hergekommen, um unsere Solidarität mit den Menschen in der Ukraine zu bekunden und um sicherzustellen, dass auch die Stimme der Ukraine auf der anstehenden ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe zu hören sein wird«, sagte der geschäftsführende ÖRK-Generalsekretär Ioan Sauca bei dem Besuch.

Die ÖRK-Delegation hatte sich dabei auch mit Oleksandr Tkatschenko, Minister der Ukraine für Kultur und Informationspolitik, getroffen. Dieser betonte, dass der aktuelle Krieg ein Kampf gegen die ukrainische Identität sei, zu der alle Religionsgemeinschaften in der Ukraine zählten. Tkatschenko berichtete, dass sein Ministerium 150 internationale Organisationen aufgerufen habe, die Mitgliedschaft Russlands auszusetzen, solange der Angriffskrieg gegen die Ukraine anhalte, und fragte, ob auch der ÖRK das tun würde. Dazu erklärte Generalsekretär Sauca: »Der Ökumenische Rat der Kirchen wurde gegründet, um den Dialog zwischen Kirchen zu fördern, die sich hier und da nicht einig sind. Wir wollen daher niemanden ausschließen, sondern alle unsere Mitglieder auffordern, sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen.« Der ÖRK-Zentralausschuss, der zuletzt im Juli getagt hat, habe eingehend über den von einigen Kirchen eingebrachten Vorschlag einer Aussetzung der Mitgliedschaft der russisch-orthodoxen Kirche diskutiert, aber einstimmig beschlossen, dass der ÖRK seiner Identität als offene Plattform treu bleiben solle, über die sich Kirchen begegnen und einander kritische Fragen stellen können und über die sie gemeinsam nach Möglichkeiten für Versöhnung und Heilung suchen können, die auf gerechtem Frieden aufbaut. In allen Treffen unterstrich Sauca, wie wichtig es sei, dass die ukrainischen Kirchen an der anstehenden ÖRK-Vollversammlung teilnehmen können. Diese Teilnahme sei auch eine Gelegenheit für die Ukrainer, sich an die weltweite ÖRK-Gemeinschaft zu richten, sich auszutauschen und gemeinsam für ein Ende des Krieges und die Wiederherstellung eines gerechten Friedens zu beten.

Unterdessen zeichnet sich auch die Diskussion um den Israel-Palästina-Konflikt als Herausforderung ab. Zum einen hat sich aufgrund der wiederholten Kritik des ÖRK an der Politik des Staates Israel eine »Initiative gegen Judenfeindschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen« gegründet, die u. a. vom Grünen-Politiker Volker Beck unterstützt wird. Zum anderen hat das ökumenische Basisnetzwerk »Kairos« am 1. Juli dazu aufgerufen, die Politik Israels als »Apartheid« zu benennen und zu kritisieren. In dem Aufruf heißt es: »Worte sind wichtig. Die Kirchen sind aufgerufen, das Wort Apartheid zu verwenden.« Dazu wurde eine umfangreiche Studie mit dem Titel »Das System der Apartheid in Israel. Ein dringender Aufruf an die Kirchen in aller Welt, Gerechtigkeit zu üben« veröffentlicht. Darin heißt es: »Wir fordern unsere Brüder und Schwestern auf, nicht solche Worte zu wählen, die die Brutalität der an Palästinensern begangenen Verbrechen abschwächen. Wenn die Kirche sich weigert, Israels Gesetze und sein Handeln als Apartheid zu bezeichnen, trägt sie zum Fortbestand der Apartheid bei.« Auch werden die Aktivitäten des »christlichen Zionismus« kritisiert. Am Ende heißt es: »Wir fordern die Kirche auf, die Heilige Schrift zu überdenken und jede Theologie zu verwerfen, die ein Volk gegenüber einem anderen bevorzugt.«

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