Gott sei Dank

Danken: Erntedank heißt, auf das zu schauen, was jeden Tag zum Leben gegeben ist – und keinesfalls selbstverständlich ist. Auch das Notvolle und die Sorgen sollen bedacht werden – im Vertrauen auf Gott, den Schöpfer und Erhalter der Welt, dem alles zu verdanken ist.
Von Tobias Petzoldt
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Erntedank Brot

Was braucht man eigentlich, um glücklich zu sein? Das neueste Fairphone oder ein drittes Kind? Ein bedeutsames Büroschild oder etwas zu essen? Viele Freunde auf dem Partybild oder einen Hund gegen die Einsamkeit? Die große Bühne zur eigenen Wirksamkeit oder ein Dach überm Kopf? Ein Eigenheim mit Carport, Trampolin und Haustürschmuck oder einfach nur Frieden?

Über das, was zu einem erfüllten Leben dazugehört, gehen die Meinungen auseinander. Geprägt von der umgebenden Kultur und persönlichen Lebenslagen sind unsere Wünsche und Ziele verschieden, reicht die Begehrpalette von »Hauptsache gesund« bis »Ferienhaus am Strand«.

Der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow (1908–1970) hat in vereinfachter Weise menschliche Bedürfnisse in eine hierarchische Struktur gebracht und als Pyramide dargestellt. Ganz unten als Fundament stehen danach unsere Grundbegehrlichkeiten wie Essen und Trinken, Schlafen und Atmen. Diese sichern das Überleben, ebenso wie die nächste Stufe, die körperlichen und seelischen Sicherheitsbedürfnisse. Dazu gehören eine materielle Grundsicherung, Gesundheit, sauberes Wasser, passendes Klima und eine Wohnmöglichkeit. Es folgen soziale Bedürfnisse wie Freundschaften, Partnerschaften und Kommunikation. Wenn diese drei Stufen erreicht sind, können sogenannte Individualbedürfnisse erfüllt werden wie Wertschätzung und Selbstbestätigung, die schließlich in der fünften Stufe zu Selbstverwirklichung und freier Entfaltung eigener Gaben und Potenziale führen.

Auch wenn dieses Modell wissenschaftlich umstritten ist, zeigt es doch ein menschliches Muster auf: Zunächst muss der Mensch satt sein, braucht einen artgerechten Lebensraum und Sicherheit. Diese Merkmale galten für die meisten Menschen in unserem Land in den letzten Jahrzehnten als erfüllt. Weil die Lebensbedingungen einigermaßen gepasst haben, waren unsere Bedürfnisse und Wünsche in der Regel weiter oben auf der Bedürfnispyramide angesiedelt.

Nun wird in unseren Tagen vieles Gewohnte und Bequeme in Frage gestellt: Wir spüren klimatische Veränderungen, die unsere Lebensräume und die Nahrungswirtschaft beeinträchtigen. Nicht weit von uns tobt ein Krieg und sensibilisiert unser Sicherheitsempfinden. Hohe Preise in den Supermärkten lassen uns im wahrsten Wortsinn ans Eingemachte gehen, die horrenden Erhöhungen der Energiekosten lassen uns schaudern und genau überlegen, wie warm wir duschen und wie heiß der Herd sein darf. Es überrascht nicht, dass bei vielen Menschen Angst ist vor dem, was werden wird und Trauer über alles, was (nicht mehr) ist.

Als Christ möchte ich all der berechtigten Furcht unserer Tage ein »Dennoch« entgegenstellen. Denn, so ruft uns Jesus zu, Gott selbst kennt uns und unsere Bedürfnisse, bevor wir ihn darum bitten (Matthäus 6,8). Gott begleitet uns auch in schwierigen Zeiten. Kommt nicht auch heute Wasser aus dem Hahn und Brot auf den Tisch? Geht nicht täglich die Sonne herbstschön auf und die Glühlampe an? Dürfen wir nicht trotz aller Sorgen leben und dankbar das sehen, was uns gegeben ist?

Vielleicht lehrt uns diese Zeit, bislang Selbstverständliches mehr zu schätzen und die Frage, was wir wirklich brauchen, neu zu beantworten. Dazu lädt uns auch in diesem Kirchen–Jahr die Erntedankzeit ein.

Denn: Einmal im Jahr (wenigstens) lohnt sich der Blick auf die Ernte. Welche Samen gingen auf, welche Pflanze steht in der Blüte, welche Frucht ist reif zur Ernte? Einmal im Jahr (wenigstens) ist’s gut zu schauen nach dem, was unreif ist, was verkümmert, was zertreten wurde vorm Wuchs. Einmal im Jahr (und, wenn es sein kann, täglich) gilt dem Einen die Bitte um Regen im rechten Maß, Sonne in günstiger Dauer und der Dank dafür, dass kein Mangel ist an Grundlegendem. Nur so kann Hunger sein nach anderen Früchten. Siehe oben.

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