Mache dich auf, werde Licht

Advent heißt Leben in der Erwartung des Erlösers. Doch heute erwarten viele die Katastrophe. Der nun zu Ende gegangene Klimagipfel wird das wohl nicht abwenden – er ist eine bittere Enttäuschung. Gedanken über den Advent in apokalyptischen Zeiten.
Von Stefan Seidel
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Die Sehnsucht ist groß, nach Jahren der Pandemie und in Zeiten des Krieges, im Advent Seelenstärkung zu finden: dass die vertrauten Kerzen und Sterne, Düfte und Melodien diese dunklen Zeiten ein wenig erhellen mögen. Doch die Hiobsbotschaften wollen nicht abreißen. Mitten hinein in die Sehnsucht nach Heilsein dringt das Unheilsein der Welt. Die Weltklimakonferenz in Sharm El-Sheikh ist enttäuschend zu Ende gegangen. Es konnten keine echten Schritte zur Abwendung der Erderhitzung vereinbart werden. So scheiterte ein klares Bekenntnis zum Ausstieg aus fossilen Energien. Der Klimaforscher Mojib Latif wertet die Ergebnisse der Weltklimakonferenz als Stillstand. »Wir kommen einfach nicht voran«, sagte Latif im Deutschlandfunk und ergänzte: »Die 1,5-Grad-Marke werden wir auf jeden Fall reißen.« Im Moment sei die Welt auf einem Kurs von 2,5 Grad Celsius Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, wohl eher sogar von 3 Grad.

Der Blick in die Zukunft ist beängstigend. Und doch heißt die Botschaft des Advent: »Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer …« Inmitten des Unheils der Welt erscheint das Heil Gottes – zeichenhaft in der Geburt Jesu in Bethlehem. Das ist seither der Ursprung und das Ziel christlicher Hoffnung: Gott gibt diese Welt nicht verloren, beugt sich hinab in ihre tiefsten Tiefen und wirkt Rettung, Erlösung. »Christ, der Retter ist da …«

Doch es ist eine Hoffnung gegen den Augenschein. Die Welt liegt »in schweren Banden«, gezeichnet von Zerstörung und Tod. Aber es heißt: Inmitten der Wunden der Welt ist das Wunder der Rettung erschienen. In einem Kind. In einem neuen Anfang. In Zartheit und Zerbrechlichkeit. In Unscheinbarkeit. Es ist das Licht des Heils erschienen. Die Erlösung geschieht nicht durch »Heer oder Kraft«, sondern durch den Geist Gottes, wie Sacharja ankündigt. Und: Sie geschieht nicht an dieser Erde vorbei durch Entrückung in eine jenseitige Welt. Gott sieht die Wunden dieser Welt und erbarmt sich ihrer.

Was heißt diese Botschaft in Zeiten der Klimakatastrophe? Advent ist seit je her eine Buß- und Fastenzeit, in der auf den Ruf zur Umkehr von falschen Wegen gehört werden soll: Habt das Kind im Blick, die Zukunft. Zerstört nicht die Lebensgrundlagen. Und: Richtet euch um Gottes Willen aus am Heiligen, am Unantastbaren, an dem, was heilt, was ganz macht. Das Heilige ist das Ganze. Es wird beschädigt durch Gier, Selbstsucht, Gewalt, Rücksichtslosigkeit. Jesus hatte das klar gesagt: »Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.« Kehrt um, heilt das Zerbrochene, glaubt an Güte, wirkt das Gute, rettet, bewahrt, behütet das Leben.

Doch wie, wenn einem die Mittel dazu wie aus der Hand geschlagen scheinen? Wenn sich das große Räderwerk der Mächte dieser Welt unerbittlich dreht und alle Hoffnung und Zuversicht für die Rettung dieser Welt zu zermalmen droht? Es bleibt dabei: Advent heißt Leben in der Erwartung der Erlösung. Nicht in Erwartung der Katastrophe. Deshalb ist Resignation keine christliche Tugend. So lange sich die Erde dreht, sind auch Hoffnungskräfte da. Und es heißt: Leben als Erlöste, die mitweben am Erlösungswerk. Die Erlösung geht durch den Einzelnen hindurch und auch von ihm aus. Er ist in der Taufe verwoben mit Christus, hat mit ihm und durch ihn den Tod überwunden. Der Tod ist entmachtet. Christen haben also den Untergang gewissermaßen schon hinter sich – und sollen fortan Kräfte der Rettung sein: Für diese Welt und für die ewige, die zusammen ein Ganzes, ein Heiliges sind. So gilt es, adventlich zu leben: In getroster Zuversicht und entschlossenem Wirken für Heilung und Rettung – »Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt.«

Aus eigener Kraft wäre das schwer. Aber die Botschaft des Advent heißt: Wir sind geborgen und umfangen von der göttlichen Liebesmacht. Darauf soll die Seele ausgerichtet sein. Das Heil ist gekommen und hat sich mit uns verbunden. Nun sind wir wissend unterwegs – durch die Wunden des Lebens und der Welt hindurch auf das Wunder des geheilten Ganzen hin. (mit epd)

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