Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Pobershau beginnt

Vierköpfige unabhängige Aufarbeitungskommission nimmt ihre Arbeit auf – zunächst auf 12 Monate begrenzt – Auftaktveranstaltung nach den Winterferien geplant – Kirchgemeinde wartet zunehmend ungeduldig
Uwe Naumann
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Kirche Pobershau
Blick auf die Kirche von Pobershau im Erzgebirge. © Jan Görner/Archiv

Die Fälle sexualisierter Gewalt in den 1990er Jahren in der Kirchgemeinde Kühnhaide-Pobershau werden jetzt offiziell durch eine unabhängige Aufarbeitungskommission untersucht. Wie die Landeskirche Sachsens am Dienstag mitteilte, beginne mit dem 18. Januar offiziell die Arbeit der vierköpfigen Aufarbeitungskommission. Demnach gehören zu dem Gremium die Mitglieder Christiane Hentschker-Bringt (Sozialpädagogin), Gregor Mennicken (Psychotherapeut), Julia Schellong (Traumatherapeutin) und Jörn Zimmermann (Rechtsanwalt). An den Anfang ihrer Tätigkeit stellte die Kommission einen Aufruf: »Sollte es weitere Betroffene geben, bitten wir diese, dass sie sich bei der Ansprechstelle im Landeskirchenamt in Dresden oder beim Verein Wildwasser in Chemnitz melden. In beiden Stellen wird professionell und vertraulich mit diesen Meldungen umgegangen und kann Betroffenen auch Beratung angeboten werden.«

Die Kommission werde nur mit der Aufarbeitung der Vorfälle in Pobershau sowie der damit verbundenen Vorgänge in Kirchgemeinde, Kirchenbezirk und Landeskirche beauftragt, hieß es in der Pressemitteilung: »Ein wichtiger Teil des Prozesses wird es sein, das Leid der Betroffenen in den Blickpunkt zu rücken und die Folgen der erlebten sexualisierten Gewalt deutlich zu machen.« Ein weiteres Ziel sei die Feststellung des Ausmaßes der Vorfälle und die Klärung von Verantwortlichkeiten damals und nach dem Bekanntwerden. In diesem Zusammenhang gehe es auch um das Aufdecken der Strukturen, die diese Vorfälle ermöglicht und begünstigt hätten. Weiter soll das Handeln der Personen auf der Ebene der Kirchgemeinde, des Kirchenbezirkes und der Landeskirche daraufhin untersucht werden, wie es eine Aufklärung unterstützt oder erschwert hat. Die im Aufarbeitungsprozess gewonnenen Erkenntnisse sollen schließlich in konkrete Empfehlungen für Schutzkonzepte in den Kirchgemeinden der sächsischen Landeskirche einfließen. Der Auftrag der Aufarbeitungskommission ist zunächst auf 12 Monate begrenzt. Eine Auftaktveranstaltung sei nach den Winterferien geplant.

Vom Kirchenvorstand aus Kühnhaide-Pobershau heißt es dazu: »Wir sehen uns mit der Besetzung der Aufarbeitungskommission und der Vorstellung zu Ihrer Arbeitsweise einem unabhängigen und fachlich hoch qualifizierten Gremium gegenüber, dessen Arbeitsaufnahme wir zuversichtlich entgegensehen.« Ein Großteil der Gemeinde erwarte »mit zunehmender Ungeduld« diesen Arbeitsbeginn, hieß es auf Anfrage. Ein Treffen des Kirchenvorstandes mit Bischof Bilz und den Mitgliedern der Aufarbeitungskommission Ende vergangenen Jahres sei »sehr konstruktiv und vor allem vertrauensbildend« gewesen.

Die Fälle sexualisierter Gewalt in der Kirchgemeinde in Pobershau ereigneten sich in den 1990er Jahren und waren 2019 bekannt geworden. Ein ehrenamtlicher Kirchenmusiker hatte sich im Rahmen der Kurrende mehreren Mädchen im Alter von 11 bis 15 Jahren sexuell genähert. Nach dem Bekanntwerden wurde er 2019 von allen Tätigkeiten in der Kirchgemeinde suspendiert. Sowohl der Ortspfarrer als auch der Kirchenvorstand der Kirchgemeinde hatten sich verantwortlich und engagiert um die Aufarbeitung vor Ort bemüht. Die Staatsanwaltschaft hatte festgestellt, dass die Taten strafrechtlich verjährt seien. Ab 2020 sei mit Hilfe von Fachleuten und unter Einbeziehung der Betroffenen der Aufarbeitungsprozess vorbereitet worden, hieß es in der Pressemitteilung der Landeskirche. Landesbischof Tobias Bilz sagte damals: »Dieser Fall geht mir sehr nah. Als Mensch fühle ich mit den Frauen, die als Kinder und Jugendliche solchen Missbrauch erleiden mussten und bis heute darunter leiden. Und als Landesbischof fühle ich große Betroffenheit und Scham, dass diese Taten im kirchlichen Kontext erfolgt sind. Ich sehe unsere Kirche hier in der Verantwortung.«

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