Gedenken an Bischof Hempel

Großer Abschied: Über ein Jahr nach dem Tod von Altbischof Johannes Hempel fand in der Kreuzkirche Dresden ein Gedenkgottesdienst statt. Altbischof Volker Kreß würdigte den Verstorbenen.
Tomas Gärtner
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Würdigung seines Vorgängers: Altbischof Volker Kreß bei der Gedenkansprache auf seinen Vorgänger Dr. Johannes Hempel in der Kreuzkirche Dresden. © Tomas Gärtner

Es war im aufregenden Herbst 1989, Volker Kreß war gerade als Oberkirchenrat ins Landeskirchenamt berufen worden. Johannes Hempel, damals Landesbischof, lud ihn erstmals zu einer internen Beratung in kleiner Runde in seine Wohnung ein. Zur Begrüßung sagte er: »In diesem Kreis ist es guter Brauch, dass wir uns alle mit ›du‹ anreden. Du brauchst jetzt eine halbe Stunde nichts zu sagen, dann hast du dich dran gewöhnt.« So sei er gewesen: »klar, prägnant und nicht ohne verschmitzten Humor«.

Mit dieser persönlichen Erinnerung begann Volker Kreß, 1994 bis 2004 sächsischer Landesbischof, die Würdigung seines Amtsvorgängers Johannes Hempel, der am 23. April 2020 mit 91 Jahren gestorben ist. Mit ihm sei der Landeskirche eine herausragende Persönlichkeit geschenkt worden, sagte er in seiner Gedenkansprache während eines Festgottesdienstes am vergangenen Sonntag in der Dresdner Kreuzkirche. Dieses Gedenken war wegen der Corona-Beschränkungen erst jetzt, 14 Monate später, im größeren Kreis von Familienangehörigen und Weggefährten möglich. Die Predigt hielt Landesbischof Tobias Bilz. Gekommen war unter anderem auch Klaus Engelhardt, ehemaliger Bischof der badischen Landeskirche und von 1991 bis 1997 EKD-Ratsvorsitzender. Hempel war damals sein Stellvertreter.

Johannes Hempel sei eine Persönlichkeit von nobler Vornehmheit, hoher Bildung, theologischer Tiefe und vor allem menschlich unverstellter Aufrichtigkeit gewesen, so Volker Kreß weiter. Unvergessen sei er als Studentenpfarrer 1963 bis 1966 in Leipzig gewesen. Woche für Woche habe er nur mit Auslegung eines Bibeltextes ungefähr 250 Menschen tief beeindruckt. »Das gab es nach ihm nicht mehr.«

Als Studiendirektor des Predigerseminars St. Pauli in Leipzig habe er eine halbe Generation sächsischer Pfarrer geprägt. Kreß erinnerte sich, wie Hempel einmal zu ihnen als jungen Vikaren sagte: »Wenn ich Ihre Predigten so höre und lese, dann fällt mir auf, dass Sie alle wunderbar ermahnen. Aber aus einer Kirche, in der nur noch ermahnt wird, trete ich aus.« Dieser Satz habe gesessen.

Als Landesbischof von 1972 bis 1994 habe er in den 1980er Jahren den Grundsatz vom »begrenzten politischen Mandat der Kirche« geprägt. Kirche sollte sich zu Missständen äußern, aber kein eigenes Gesellschaftskonzept entwickeln.

Nach 1990 habe er großen Anteil daran gehabt, zwei Kirchen mit unterschiedlicher Geschichte zusammenzuführen. Auch sein bedeutendes ökumenisches Engagement würdigte Kreß. Geradezu prophetisch sagte Hempel damals in einem Bericht von einer Afrikareise: »Wenn die Völker der Dritten Welt an die Pforten Europas klopfen, dann gnade uns Gott.«

In seinem Amt sei er vor allem ein großartiger Prediger gewesen. »Die theologische Tiefe, Klarheit und Präzision seiner Sprache sind unvergessen.«

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