»Mir sind die Kirchen in Ostdeutschland oft zu ruhig«

Interview zum Thema Kirche und politische Bildung mit dem Theologen und Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Roland Löffler.
Uwe Naumann
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Dr. Roland Löffler ist Theologe und Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. © SLpB

Herr Löffler, die Zeit der Wahlempfehlungen der Kirchen ist längst vorbei. Bedauern Sie es?
Roland Löffler: Die Zeiten, als Kirchen Wahlempfehlungen abgaben, ist deshalb vorbei, weil die Milieubindung der Kirchen nachgelassen hat, weil die Kirchen lange einseitig waren und auch, weil die politischen Haltungen der Kirchenleitungen, aber auch des Kirchenvolkes pluralistischer geworden sind. Ich glaube, dieser Trend ist richtig. Kirchen sollten nicht Parteipolitik betreiben. Deutlich machen die Bischöfe ja in ihrem Wort zur Bundestagswahl, dass  Extremismus und Christentum nicht zueinander passen. Mir sind die Kirchen in Ostdeutschland aber bei sachpolitischen Fragen oft zu ruhig. Pluralismus lebt von vielen Stimmen, auch von christlichen.

Taugt die Bibel als Richtschnur für die politische Wahl?
Die Bibel hilft viel im Leben. Sie erzählt Geschichten des Glaubens, die uns auch heute in Freud und Leid helfen können. Wir finden in den Zehn Geboten und in der Bergpredigt ethische Maßstäbe. Für Wahlentscheidungen hat Gott uns den Verstand geschenkt; den sollten wir nutzen am 26. September.

Sie gehen mit Ihren Wahlforen ja auch in sächsische Kirchen. Soll Kirche selbst politische Bildungsarbeit leisten oder lieber Einrichtungen wie Ihrer Landeszentrale überlassen?
Die Erwachsenenbildung beider Konfessionen und auch der jüdischen Gemeinden ist sehr wichtig für die vielstimmige politische Bildung. Wir als Landeszentrale arbeiten hier sehr gut zusammen. Ich danke den Gemeinden, die für die Wahlforen ihre Türen geöffnet haben. Das ist ein großartiger Beitrag zur Debattenkultur in Sachsen. 

Die Zahl der Christen in Deutschland schrumpft. Welche Bedeutung haben christliche Werte im Wahlkampf und in Parteiprogrammen noch?
Direkte christliche Bezüge finden sich in den Wahlprogrammen kaum. Aussagen zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sehr wohl. Das sind zutiefst christliche Themen. Man sollte auch nicht unterschätzen, dass unter den Politikern viele Christen quer über die Parteien sind. Wer Werte und Überzeugungen hat, engagiert sich eher, das zeigen viele Studien. Nochmal: christliche Stimmen sollten als solche vernehmbar sein, das ist wichtiger als Plakate oder Wahlprogramme. Und von denen gibt es genug: von Abtreibung bis Klimaschutz, Umgang mit Flüchtlingen und Minderheiten, Krieg und Frieden und auch der Rolle der Religionen im öffentlichen Raum.

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