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Nächstenliebe geht über Grenzen

Migration und Integration beherrschen den Katholikentag - Zahlreiche Spitzenpolitiker zu Gast auf dem Laientreffen in Leipzig
epd
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Podium zu Flüchtlingsschutz und Willkommenskultur auf dem Katholikentag in Leipzig. © Kathrin Erbe

Von Frauen in der katholischen Kirche bis hin zu Flüchtlingen: Der Katholikentag in Leipzig hat am Freitag einen weiten Bogen von den großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart bis hin zu innerkirchlichen Reformfragen gespannt. Eine Reihe von Podiumsveranstaltungen beschäftigte sich mit den weltweiten Flüchtlingsbewegungen, den Themen Gastfreundschaft und Willkommenskultur und der angeblichen Islamisierung Europas. Zur Sprache gebracht wurden aber auch das Verständnis von Partnerschaft, Ehe und Sexualität nach der Familiensynode der katholischen Kirche vom vergangenen Herbst.

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hat Christen aller Konfessionen dazu aufgerufen, die Nächstenliebe auch auf Flüchtlinge zu beziehen und nicht nur auf Familie und Freunde. "Liebe geht über Grenzen von Herkunft und Zugehörigkeit", sagte Feige am Freitagabend beim zentralen ökumenischen Gottesdienst des 100. Deutschen Katholikentags in der evangelischen Nikolaikirche in Leipzig.
Jesus definiere nicht genau, wer der Nächste sei, er fordere stattdessen zu einem Blickwechsel heraus, sagte der Vorsitzende der Ökumenekommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in der Auslegung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter. Deshalb sollten Gläubige über alle konfessionellen Grenzen hinweg sich vom Leid der Menschen anrühren lassen und so handeln, "dass wir zu Nächsten derer werden, die in Not sind".

Vertreter von Bundestag und Bundesregierung verteidigten auf dem 100. Deutschen Katholikentag die geplanten Vorhaben zur Integration von Flüchtlingen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) rechtfertigte Gesetzesverschärfungen mit Verweis auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. "Der war und ist noch gefährdet", sagte er in einer Podiumsdiskussion vor mehreren hundert Menschen. De Maizière unterstrich, bei der Aufnahme müsse Maß gehalten werden, damit die Bevölkerung mitkomme.

Vor dem Hintergrund der Pläne für ein Integrationsgesetz forderte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) von den Asylsuchenden eigene Anstrengungen. "Menschen, die zu uns kommen, müssen auch bereit sein, sich integrieren zu lassen", sagte er und fügte hinzu, er finde es "auffällig und ermutigend, dass inzwischen die Ansicht vorherrscht, dass Integration nicht von allein stattfindet, sondern eine anspruchsvolle Aufgabe ist".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), forderte in der Diskussion um den Islam in Deutschland mehr Fairness gegenüber Muslimen. Sie verwies auf das Vorurteil, Muslime seien oft Extremisten. Man schließe doch auch bei Katholiken oder Protestanten nicht aufgrund der Religion auf die Persönlichkeit. Es sei unfair, Menschen ein Bild überzustülpen, sagte Özoguz. Das gelte auch für Flüchtlinge aus islamisch geprägten Ländern.

Vertreter von Organisationen und Verbänden merkten indes an, sie sähen einen Kurswechsel der Bundesregierung in der Flüchtlingspolitik. Die Richtung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die im Sommer 2015 "großartig" für Menschenrechte und Humanität eingetreten sei, habe sich geändert, sagte Pro Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt: "Hier ist die Regierung gekippt."

Die Direktorin des Caritasverbandes Berlin, Ulrike Kostka, warnte davor, Angst vor fremdenfeindlichen Strömungen zur Handlungsmaxime der Politik zu machen. Sie habe das Gefühl, die Verantwortlichen wollten inzwischen verhindern, "dass das Boot zu voll wird und Menschen sich hier zu wohl fühlen", sagte sie. Sechs katholische Hilfswerke veröffentlichten am Rande des Katholikentags eine Erklärung, in der sie mehr Engagement für die internationale und nationale Flüchtlingshilfe fordern. Angesichts der immer schlechter werdenden Versorgungslage und Perspektivlosigkeit in den Flüchtlingslagern suchten immer mehr Menschen aus Krisenregionen Zuflucht in Europa, heißt es darin.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) warb bei einer Diskussion zum Thema Wachstum für mehr Naturschutz. Das Wirtschaftswachstum, wie es in der Vergangenheit stattgefunden habe - "mit rauchenden Schloten" - bringe den "Planeten aus dem Gleichgewicht", sagte Altmaier. Er forderte ein Umdenken bei der Art des Wachstums und dankte Papst Franziskus für dessen Einsatz für Umwelt und Klimaschutz.

In Leipzig ging auch die Debatte um die Haltung der katholischen Kirche zu Familien und Partnerschaften, die nicht dem Ideal des Vatikans entsprechen, weiter. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch dämpfte dabei Hoffnungen auf eine schnelle Positionierung der deutschen Bischöfe. "Wir müssen in Ruhe darüber nachdenken", sagte er.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, das den 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig ausrichtet, drängte derweil auf stärkere Bemühungen um das Verhältnis zur evangelischen Kirche. Fast 500 Jahre nach der Reformation sei es an der Zeit, die letzten Schritte der Versöhnung zu gehen und die Zerrissenheit weiter abzubauen, sagte Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel.

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