Synode betet für Opfer von Missbrauch

Nach Gespräch mit 17 von sexualisierter Gewalt Betroffenen hat die Landessynode die Tagesordnung für dieses Thema geändert
Uwe Naumann
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Dreikönigskirche Gebet Dresden
Gemeinsames Gebet in der Dreikönigskirche wegen der Taten sexualisierter Gewalt. © Naumann

Die Landeskirche weiß mittlerweile von 30 Betroffenen, die Opfer sexualisierter Gewalt durch den früheren Jugendwart Kurt Ströer (1921-2013) sein sollen. Darüber infomierte der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach, die Landessynode auf ihrer Frühjahrstagung am späten Sonnabendnachmittag im Haus der Kirche in Dresden. Über Jahrzehnte seien Jugendliche von dem langjährigen Jugendwart und Diakon missbraucht worden, sagte der Präsident. »Das waren Straftaten«, sowohl nach damaligem Recht der DDR wie auch dem heutigen, so der Jurist.

Grund für dieses spontan auf die Tagesordnung der Synode gesetzte Thema sei eine Einladung kirchenleitender Personen zu einem Treffen von 17 Betroffenen dieser Gewalterfahrung in Dresden gewesen, berichtete Synodalpräsidentin Bettina Westfeld. Die Betroffenen Männer seien heute im Alter zwischen 55 und 79 Jahren. Zum Gespräch mit ihnen seien Vollbach, Westfeld und Landesbischof Tobias Bilz eingeladen worden. »Wir stehen alle drei noch unter dem Eindruck des Gesprächs und wollen öffentlich berichten, was wir gehört haben«, so die Präsidentin der 28. Landessynode.

Landesbischof Tobias Bilz gab den Synodalen »eine Momentaufnahme aus der Betroffenheit heraus«, wie er sagte. »Den Betroffenen ist schlimmes widerfahren«, was sie über Jahrzehnte ausgehalten hätten, so Bilz. Er appellierte an die Synodalen und die Öffentlichkeit – die Synodentagung wurde live im Internet übertragen –, sich jetzt mit Urteilen und Wertungen zurückzuhalten. »Wir können und dürfen das, was geschehen ist, nicht relativieren«, so der Bischof. »Für Opfer ist alles Relativieren ungeheuer schmerzhaft«. Es gehe nicht um ein Urteil über die gesamte Lebensleistung Kurt Ströers, sondern »jetzt schauen wir den Schatten an«, so Bilz.

Ein besonderer Schmerz liege dort, wo die Taten verknüpft worden seien mit geistlichen Handlungen, etwa mit einem Bekehrungsgespräch. Das sei praktisch unheilbar, sagte der Landesbischof. Es brauche nun auch eine theologische Aufarbeitung. Er ermutigte zugleich weitere Betroffene sich zu melden. Im Anschluss an weitere Informationen insbesondere über die landeskirchliche Arbeit an Schutzkonzepten gingen die Landessynodalen für ein gemeinsames Gebet in die Dreikönigskirche.

Kurt Ströer war von 1956 bis 1986 Jugendwart der sächsischen Landeskirche im Raum Chemnitz, dem damaligen Karl-Marx-Stadt. Ein Vorwurf des Missbrauchs durch Ströer war der Landeskirche Sachsens bereits 2012 bekannt geworden. Ende vergangenen Jahres informierte das Landeskirchenamt die Öffentlichkeit im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines Zeitungsartikels der Freien Presse. Nach Angaben des Präsidenten des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach, werden die Gewalttaten Kurt Ströers nun durch den Forschungsverbund Forum wissenschaftlich aufgearbeitet.

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