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»Wir müssen mit den Wählern reden«

Interview: Landesbischof Carsten Rentzing über die Notwendigkeit des Dialogs und andere aktuelle Herausforderungen
Katharina Rögner/epd
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Landesbischof Carsten Rentzing
Landesbischof Carsten Rentzing © Steffen Giersch

Der Bundestagswahlausgang, der hohe Prozentsatz an AfD-Wählern in Sachsen sowie das neue Gesetz zur »Ehe für alle« beschäftigt die evangelische Landeskirche in Sachsen. Debattiert wird ebenso über die Diskriminierung eines homosexuellen Jugendwarts im Erzgebirge sowie über die kirchliche Strukturreform. Der Evangelische Pressedienst (epd) sprach in Dresden mit dem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing, über die aktuellen Herausforderungen.

Wird sich nach der bundesweiten Einführung der »Ehe für alle« an der Praxis innerhalb der sächsischen Landeskirche etwas ändern?
Rentzing: Für eine öffentliche Segnung dieser Partnerschaften in einem Gottesdienst gilt die Regelung, dass Pfarrer, die es vor ihrem Gewissen verantworten können, diese Segnung auch praktizieren dürfen. Dazu gibt es eine kirchliche Handreichung.

Würden Sie selbst homosexuelle Paare in einem Gottesdienst segnen?
Rentzing: Ich habe immer gesagt, dass ich das nicht machen würde. Dabei bleibe ich auch weiter. Die neue Rechtslage ändert nichts in der theologischen Frage.

Gibt es denn konkrete Anfragen von gleichgeschlechtlichen Paaren in Sachsen, die sich in einem evangelisch-lutherischen Gottesdienst segnen lassen wollen?
Rentzing: Aktuell sind mir keine Anfragen bekannt. Die Landeskirche wird allerdings analog zur »Ehe für alle« ihre Regelungen für die eingetragenen Lebenspartnerschaften formal anpassen. Das wird auf Kirchenleitungsebene geklärt. Eine Zustimmung der Synode ist dafür nicht erforderlich.

Die sächsische Landeskirche ringt um eine Lösung für den Jugendwart Jens Ullrich, der im Kirchenbezirk Aue zum Teil mit Predigtverbot belegt wurde. Wie steht es derzeit um die Debatte?
Rentzing: Der Fall beschäftigt uns regelmäßig in der Kirchenleitung. Leider ist der Weg, den wir gerade eingegangen sind, schon wieder gefährdet. Ich ärgere mich darüber, dass das Thema öffentlich diskutiert wird, während es doch viel mehr auf persönlicher Ebene geführt werden müsste. Wir wollen den Fall nicht verschweigen, aber er muss auf der richtigen Ebene diskutiert werden.

Wie schätzen Sie das Gespräch der Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) mit Jens Ullrich ein?
Rentzing: Für mich ist das politische Instrumentalisierung des Themas. Eine öffentliche Debatte gefährdet den Gesprächsprozess. Auch die Medien verhärten in diesem Zusammenhang die Fronten nur noch stärker. Das geht alles auf Kosten von Jens Ullrich und ist nicht zu verantworten. Ich hoffe, dass wieder etwas Ruhe eintritt und die Gespräche nicht von äußeren Vorgängen überlagert werden.

Worin sehen Sie Ihre Rolle im Konflikt zwischen Ullrich und den Gemeinden?
Rentzing: Die Beteiligten vor Ort fühlen sich verletzt so wie Jens Ullrich sich verletzt fühlt. Im Sinne der Einheit des Kirchenbezirkes Aue will ich mich einbringen und helfen, den geschwisterlichen Umgang wieder herzustellen. Dabei geht es um die Frage: Wie räumen wir das aus der Welt, dass wir uns wieder in die Augen schauen können? Ich habe meine Teilnahme am Gespräch aber nicht bedingungslos zugesagt.

An welche Bedingungen ist Ihre Teilnahme geknüpft?
Rentzing: Wir werden nicht die theologischen Unterschiede ausräumen können. Es wird auch nicht um Homosexualität gehen, sondern um den Umgang miteinander. Es sollte einen Ort geben, an dem alle Beteiligten offen ihre Befindlichkeiten äußern können. Es ist schwer genug, überhaupt einen Rahmen dafür herzustellen. Aber ein Gespräch auf Augenhöhe wird nur in gegenseitiger Offenheit funktionieren. Wir wissen aber noch nicht, was geschieht, wenn wir einladen und wer tatsächlich kommen wird.

Was verstehen Sie unter geschwisterlichem Umgang?
Rentzing: Wichtig ist der Respekt füreinander und die Würde des Anderen zu achten – auch wenn es ganz, ganz schwer wird. Zu einem geschwisterlichen Umgang gehört für mich aber auch, das Beste für den Anderen zu wollen.

Bei der Bundestagswahl hat die AfD besonders im Osten und besonders in Sachsen gepunktet. Wie sollten die Kirchen und die Gesellschaft damit umgehen?
Rentzing: Wir sollten in der Sache debattieren und uns davor hüten, in plakative Schubladen zu verfallen. Davon wird abhängen, wie die Entwicklung im Land weitergeht. Wir müssen mit allen gewählten Vertretern, und vor allem ihren Wählern, reden. Dazu sehe ich keine Alternative, wenn man nicht mit dem Feuer der gesellschaftlichen Spaltung spielen möchte. Als Kirche werden wir dabei darauf achten, dass der Respekt vor der Würde aller Menschen in unserer Gesellschaft weiter im Zentrum steht.

Die sächsische Landeskirche steht inmitten tiefgreifender Strukturveränderungen. Längerfristig müssen Stellen eingespart und Kirchenbezirke gerade auf dem Land großräumiger gebildet werden. Wie bereiten sich die Gemeinden darauf vor?
Rentzing: Derzeit laufen Gesprächsabende in den Regionen zur Strukturreform. Drei von sachsenweit insgesamt sechs Abenden zu möglichen Strukturmodellen sind bereits gelaufen. Für die Diskussionen bin ich sehr dankbar. Ich bin stolz auf die Gemeinden, denn es wird deutlich, ihnen ist die Zukunft dieser Kirche nicht egal. Insgesamt rund 1000 Teilnehmer haben mit Leidenschaft und innerer Anteilnahme diskutiert. Die Gespräche sind von dem Willen geprägt, den besten Weg für unsere Landeskirche zu finden. An der Strukturreform arbeiten Kirchenvorstände und Gemeindeglieder auf konstruktive Art und Weise. Das ist ein großartiges Zeichen.

Was ist den Gemeinden besonders wichtig?
Rentzing: Wichtig ist ihnen, dass die Identität vor Ort erhalten bleibt. Das erscheint mir ein wesentlicher Baustein, den auch die Landessynode in ihren Beschlüssen zu berücksichtigen haben wird.

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Gott schuf sie als Mann und Frau und segnete sie und gab ihnen den Namen »Mensch«.

(1.Mose 5,2)

Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.

(Römer 12,10)

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