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Bischofskreuz sucht Träger

Streng geheim sucht die Kirchenleitung nach Kandidaten für die Nachfolge von Jochen Bohl. An sie gibt es viele Wünsche, aber einen Favoriten gibt es nicht – und das hat Gründe.
Andreas Roth
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Kreuz Christi und Lutherrose: Diese reich verzierte Kette darf nur Sachsens Landesbischof tragen. Oder demnächst eine Landesbischöfin? Die Wahl läuft gerade an. © Archiv/Steffen Giersch

Die Wahl eines evangelischen Landesbischofs soll öffentlich und transparent sein – die Suche nach Kandidaten indes ist eine Blackbox, aus der nichts nach außen dringen soll. In ihr versucht sich die Kirchenleitung derzeit an der Quadratur des Kreises. Aus den Wünschen und Vorschlägen der 18 sächsischen Kirchenbezirke und des Ältestenrates der Synode muss sie bis zur Frühjahrssynode im April drei Namensvorschläge destillieren.

Ein Stellenprofil für einen neuen Landesbischof oder eine Landesbischöfin zeichnet sich schon ab. Egal, ob man im Erzgebirge fragt oder in der Dresdner Neustadt: Ein neuer Oberhirte sollte in den Rissen der Landeskirche wie etwa in der Frage der Homosexualität verbindend wirken, steht auf der Wunschliste ganz oben – und er sollte Erfahrungen an der sächsischen Kirchenbasis und Gespür für deren Eigenheiten mitbringen.

»Es müsste jemand sein, der die Theologie in unsere Sprache übersetzt, gut zu verstehen ist und oft in die Kirchgemeinden geht«, fasst der Glauchauer Superintendent Johannes Jenichen Erwartungen aus seinem Kirchenbezirk zusammen. Was die Mitarbeiter des Kirchenbezirks Dresden Nord vom neuen Bischof erwarteen: »Die Fähigkeit, kirchliche Standpunkte auch Talkshow-fähig in Debatten einzubringen – und zugleich das Geistliche im Sinne von tiefer Spiritualität und liturgischer Kompetenz zu stärken«, so Superintendent Albrecht Nollau.

Sachsen sucht den Super-Bischof? Eine sechsköpfige Kommission der Kirchenleitung sichtet in diesen Wochen alle Wünsche und Kandidatenvorschläge aus den Kirchenbezirken, sucht nach besonders häufig genannten Eigenschaften und Namen und erstellt daraus eine geheime Liste mit Vorschlägen für die Kirchenleitung. Noch gebe es keine Einigung, ist zu hören.

Beteiligte am Auswahlverfahren wie auch Beobachter sagen alle etwas Ähnliches wie der Marienberger Supterintendent Rainer Findeisen, der selbst in der Findungskommission sitzt: »Es schält sich kein schillernder Favorit heraus.« Als sich alle sächsischen Superintendenten im Herbst zur Bischofswahl besprachen, hob keiner von ihnen die Hand und keiner wurde aufs Schild gehoben. Gründe dafür gibt es einige. Viele der amtierenden Sups gelten schon als zu alt für eine Kandidatur, auch hält die in den letzten Jahren angewachsene Aggressivität in kirchlichen Debatten potentielle Kandidaten ab. Am Ende ist es womöglich auch ein Eliten-Problem: Die evangelische Kirche, die am Leib Christi auf Gleichheit achtet, scheint die herausragenden Köpfe mitunter wenig zu schätzen und zu pflegen. Dann fehlen sie.

Einige Namen sind dennoch auffällig oft zu hören. Die Kirchenleitung würde gern mehr Frauen in Führungspositionen haben, eine Bischofskandidatin scheint Pflicht. Doch nur ganz wenige Frauen bringen wie Margrit Klatte, derzeit Pfarramtsleiterin des größten Kirchspiels der Landeskirche in Dresden-Neustadt und designierte Oberlandeskirchenrätin, auch Leitungserfahrung mit. Aus den konservativen Kreisen der Landeskirche und der Bekenntnisinitiative wiederum wird wiederholt der Markneukirchener Pfarrer und EKD-Synodale Carsten Rentzing vorgeschlagen.

Wie bei früheren Bischofswahlen wäre auch die Riege der Oberlandeskirchenräte ein Kandidaten-Reservoir – jung genug für das Amt wären etwa der für Gemeindeaufbau und Mission zuständige Dietrich Bauer oder Bildungsdezernent Burkart Pilz. Schließlich ist es möglich, dass sich doch noch einer der jüngeren Superintendenten wie etwa der Annaberger Olaf Richter erweichen ließe. Oder ein landeskirchenweit agierender Theologe wie Jugendpfarrer Tobias Bilz. Oder aber: ein Überraschungskandidat.

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45 Lesermeinungen zu Bischofskreuz sucht Träger
Gast schreibt:
04. Februar 2015, 12:57

"Talkshow-fähige Debatten?" - bei dem Talkshow-Niveau? - Kirche, wo geht es hin mit dir?

Jemand, wie M. Klatte? Für mich ein Paradebeispiel dafür, wie gut man in der Kirche Wasser predigen und Wein trinken kann. Obwohl... Strippen ziehen kann sie extrem gut, wenn man das als Führungsqualität sieht, dann ist ihre Wahl Pflicht.

"Am Ende ist es womöglich auch ein Eliten-Problem: Die evangelische Kirche, die am Leib Christi auf Gleichheit achtet, scheint die herausragenden Köpfe mitunter wenig zu schätzen und zu pflegen. Dann fehlen sie." Der Satz ist grundlegend falsch, denn auf Gleichheit wird grundsätzlich nicht geachtet, weder an der Basis noch irgendwo anders. Und vielleicht fehlen die "herausragenden Köpfe" nicht, weil sie nicht geschätzt werden; vielleicht gibt es sie schlicht nicht.

Johannes schreibt:
04. Februar 2015, 22:34

Die (Aus-)Wahl liegt noch in weiter Ferne, aber schon geht der shitstorm gegen einzelne Personen los!
"Kirche, wo geht es hin mit dir?": Wieviele solcher "Gäste" braucht ein Kirche, um zugrunde zu gehen, fragt

Johannes Lehnert

Martin Luther schreibt:
05. Februar 2015, 8:15

LIeber Herr Lehnert,

die Kirche geht nicht an solchen "Gästen" zugrunde, sondern an sich selbst; an denen, die meinen, dass sie allein die Wahrheit haben.

Der Kommentar zeigt dennoch etwas ganz wesentliches auf: es gibt immer wieder Differenzen zwischen dem Handeln der Kirche und dem, was sie predigt bzw. in der Öffentlichkeit fordert. Wie oft schon gab es öffentliche Diskussionen darüber, dass Kirche den Mindestlohn und Menschenwürde fordert und andererseits selbst erheblich Nachholbedarf diesbzgl. hat (Stichwort Löhne bei Diakonie + Caritas). Dieser Widersprüche gibt es noch einige mehr - und daran wird die Kirche zugrunde gehen.

Zudem wird die Basis von der Bischofswahl ausgeschlossen - warum? Schließlich ist der Bischof bzw. die Bischöfin nicht nur "leitende(r) Geistliche(r)" für die Superintendenten und kirchlichen Mitarbeiter, sondern soll es für alle Mitglieder der Landeskirche sein. Ich z.B. fühle mich durch den jetzigen Bischof nicht repräsentiert und vertreten. Wobei man grundsätzlich fragen muss, welche Bedeutung man der Position des Bischofs zuschreiben will: das Amt macht die Person dahinter weder zu einem besseren Menschen, noch zu einem besseren Christen.

Und die Frage, ob z.B. jemand, der so eng mit der Bekenntnisinitiative verbunden ist, "in den Rissen der Landeskirche wie etwa in der Frage der Homosexualität verbindend wirken," kann, muss und darf gestellt werden. Das hat nichts mit "shitstorm" gegen einzelne Personen zu tun, das ist eine inhaltliche Frage. Das gilt aus meiner Sicht genauso für die Entscheidung Bischof oder Bischöfin - ich hätte nichts gegen eine Bischöfin, wenn sie aufgrund ihrer Fähigkeiten und nicht aufgrund ihres Geschlechts gewählt würde.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Spruch von der Talkshow-Fähigkeit so glücklich ist - ich denke da an Talkshows auf RTL II-Niveau. Dafür sollte sich ein Bischof/eine Bischöfin nicht hergeben.+

Der Artikel hinterlässt bei mir den Eindruck , dass es eigentlich keinen wirklich guten Kandidaten gibt, aber es irgendeiner machen muss - das macht mir Sorgen und das hat eine verheerende Aussenwirkung.

Martin Luther

Gert Flessing schreibt:
05. Februar 2015, 12:34

Da brauchen wir also einen neuen Bischof. Brauchen? Wirklich brauchen? Allein da kann man schon tiefsinnig werden.
Ein episkopos, wie das ja im Griechischen heißt, und wie es uns Paulus liefert, ist ein Hüter, einer, der die Gemeinde, die ihm anvertraute Kirche schützt, auch, indem er aufpasst. Es ist ein geistliches Amt. Es gehört, so würde ich es verstehen, die Fähigkeit dazu, selbst auf einem festen Fundament des Glaubens zu stehen und klar und deutlich das Evangelium von dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der ihm (oder ihr) anvertrauten Kirche zu sagen. Dazu gehört, so würde ich es sehen, sich nicht und von niemandem politisch vereinnahmen zu lassen. Es gibt innerhalb unserer Kirche so viel, was geistlich und auch seelsorgerisch bearbeitet werden muss, das ein Bischof nicht die Zeit mit politischen Statements vergeuden sollte. Das kann er doch irgend einen Landeskirchenrat machen lassen. Er gehört in seine Gemeinden,da gebe ich Herrn Superintendent Jähnichen Recht. Er gehört nicht in irgend welche Talk shows. Aber davon sollte sich möglichst jeder, der ernst genommen werden möchte, fern halten.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
05. Februar 2015, 13:04

Lieber Gert,
was stellst Du nur für Anforderungen!
Das Meiste davon hat doch der jetzige auch nicht!

Martin Luther schreibt:
05. Februar 2015, 13:44

Ja, gesucht wird: eierlegende Wollmilchsau.

albrecht schreibt:
05. Februar 2015, 13:28

Martin Luther? Ich dachte sie wären am 18. Februar 1546 verstorben? Dieses Datum kennt sogar ein Methodist!

Martin Luther schreibt:
05. Februar 2015, 13:48

Schauen Sie mal im Telefonbuch unter "Luther"...

albrecht schreibt:
06. Februar 2015, 8:44

... und in welchem Telefonbuch? Da gibt es einen ganze Menge!

Doppelguenther schreibt:
05. Februar 2015, 13:50

Käßmann for president, JAWOLL!

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