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Ja, mit Gottes Hilfe

Als neuer Landesbischof setzt Carsten Rentzing ein Signal für Flüchtlinge und Nächstenliebe – und muss auch in seiner Kirche manche Gräben überwinden.
Andreas Roth
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Erster Segen als Landesbischof: Seit seinem Einführungsgottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche am Sonnabend ist Carsten Rentzing oberster Seelsorger der Landeskirche. © Steffen Giersch

Als der Moment herankommt, ist nur ein »Ja, mit Gottes Hilfe« zu hören zum neuen Landesbischof Carsten Rentzing. Wie aus einem Mund in den schwarz besetzten Reihen mit hunderten Pfarrern im Talar. Und kein »Ja, aber« wie es knapp 1000 sächsische Christen samt vieler Theologen kurz zuvor noch – aufgewühlt von Interviewaussagen des neuen Bischofs, gleichgeschlechtliche Partnerschaften entsprächen nicht dem Willen Gottes – in einer Internet-Petition laut werden ließen.

Klar und kämpferisch geht Rentzing bei seiner Amtseinführung in der Dresdner Kreuzkirche auf das Thema zu, das derzeit Sachsen in Atem hält wie kein zweites: Der Zustrom von Flüchtlingen und die gewaltsamen Proteste in Heidenau und anderswo. Die Kirche müsse »eine Stimme für die Entrechteten, Verfolgten, Armen und Flüchtlinge« sein und deren Würde verteidigen, predigt der bisherige Markneukirchener Pfarrer. In Zeichen des Willkommens und der Liebe zeige sich die Nachfolge Jesu Christi.

»Lasst uns das gemeinsam tun in der ganzen Vielfalt, die es in unserer Landeskirche gibt und weiter geben muss« – nur mit diesen Worten spielt der neue Bischof auf die Spannungen vor seiner Amtseinführung an und versucht sie zugleich versöhnlich zu überwinden.

Schon bevor ihn der leitende Geistliche der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, der Schweriner Bischof Gerhard Ulrich, für sein neues Amt segnet, steht Carsten Rentzing die Freude darüber kaum zu bändigen ins Gesicht geschrieben. Man solle ihn nicht »vorschnell im negativen Sinne als konservativ etikettieren«, mahnt Ulrich mit Blick auf öffentliche Kritik an Rentzing und beschreibt ihn als bedächtigen Menschen mit Respekt vor anders Lebenden und Glaubenden, der aber auch wisse, »dass die Mitte der Schrift Klarheit braucht«.

Zugleich gibt der norddeutsche Bischof seinem neuen sächsischen Kollegen angesichts der Spannungen in Gesellschaft und sächsischer Landeskirche mit auf den Weg: »Einheit aus der Mitte der Schrift erträgt die Vielfalt des Lebens. Der verschwenderische Geist Gottes liebt trotz der Unterschiede.«

Dass der neue Bischof aus Sachsen unter seinen Amtskollegen in der EKD durchaus etwa beim Thema Homosexualität mit Widerspruch rechnen muss, steht auch zwischen den Zeilen der Segenswünsche des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm: Er freue sich auf die Zusammenarbeit in einer Gemeinschaft, die gerade auch dort tragfähig sei, wo unterschiedliche Auffassungen vertreten würden, schreibt der ins Ausland verreiste und deshalb abwesende bayerische Landesbischof.

Zustimmung und stummer Widerspruch zeigen sich selbst in den Reihen der Prominenz, die mit Bischöfen aus Deutschland, Indien, Russland, Polen und Lettland sowie Ministerpräsident Tillich und Landtagspräsident Rößler (beide CDU) im Gottesdienst sitzt. Die SPD-Landesminister aber, allen voran der Lutheraner und stellvertretende Regierungschef Martin Dulig, hatten ihr Kommen abgesagt – offiziell ohne Begründung, inoffiziell aber durchaus im Zusammenhang mit den Äußerungen des neuen Bischofs über homo­sexuelle Partnerschaften.

Als sein Vorgänger Jochen Bohl kurz zuvor sichtlich bewegt die Bischofskette abgelegt hatte, würdigte ihn der Schweriner Bischof Gerhard Ulrich als einen »differenziert denkenden Theologen mit großer geistlicher Kraft« und »mitfühlenden, einfühlsamen Menschen«. Ministerpräsident Stanislaw Tillich dankt Bohl beim anschließenden Empfang nicht nur für seine klare Haltung in der Flüchtlingsfrage. »Er war ein politischer Bischof, der klare und deutliche Worte zu aktuellen Themen fand und der für viele Menschen auch außerhalb der Kirche im wahr­sten Sinne ein Seelsorger ist.«

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19 Lesermeinungen zu Ja, mit Gottes Hilfe
Uwe Beseler schreibt:
02. September 2015, 20:17

War ich in einem anderen Gottesdienst? Ich habe von Bischof Rentzing kein "Signal für Flüchtlinge" gehört. In seiner Predigt sprach er u.a. davon, Flüchtlinge willkommen zu heißen. Wenn dieser Allgemeinplatz bereits als ein "Signal" erachtet wird, läßt das tief blicken.

Gert Flessing schreibt:
02. September 2015, 21:36

Es gibt Menschen, denen kann es niemand jemals recht machen.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
02. September 2015, 22:24

»Ja, mit Gottes Hilfe« zu hören zum neuen Landesbischof Carsten Rentzing. Wie aus einem Mund in den schwarz besetzten Reihen mit hunderten Pfarrern im Talar"
Man mag sich gar nicht vorstellen, was für eine Heuchelei von denen ist, die kurz vorher eine Petition gegen ihn gestartet haben!
Es ist wie Palmsonntag und Karfreitag, nur in anderer Reihenfolge bzw. gleichzeitig und das bei "Pfarrern"!

Uwe Beseler schreibt:
02. September 2015, 22:28

Herr Flessing, ich habe einen Predigteindruck und eine daraus resultierende Sorge angedeutet. Warum stört Sie das? Und wenn Sie andere Meinungen nicht aushalten, warum müssen Sie dann Ihrem Kleingeist so diffus Luft machen? Oder meinen Sie mit den Menschen, denen es niemand recht machen kann, sich selbst?

Gert Flessing schreibt:
03. September 2015, 8:01

Welche Sorge, Herr Beseler? Bischof Rentzing hat sehr eindeutig davon gesprochen, dass die Kirche sich für die Menschen einzusetzen hat und er hat damit Recht. Wie das Geschieht, müssen doch die Gemeinden vor Ort entscheiden und zwar je nach ihren Möglichkeiten.
Ich bin davon überzeugt, dass sie sich der Unterstützung des Bischofs gewiss sein dürfen.
Gert Flessing

Uwe Beseler schreibt:
03. September 2015, 8:15

Wenn ein Bischof in seiner Antrittspredigt sagt, daß sich die Kirche für die Menschen einzusetzen hat, dann kann ich auch einem x-beliebigen Minister zuhören, der sagt das auch. Sollte das tatsächlich ein "Signal" sein? Für so ein Statement muß ich nicht in die Kirche gehen. Außerdem setzt er sich für bestimmte Menschen eben nicht ein. Es ist vielleicht kein Zufall, daß er auf das wichtige "Effata" des Predigttextes mit keiner Silbe eingegangen ist....

Gert Flessing schreibt:
03. September 2015, 9:30

Lieber Herr Beseler, für mich ist das schon ein Signal. Es ist das um so mehr, als unser Bischof eben nicht ein x-beliebiger Minister ist. Der mag das oder ähnliches auch sagen. Aber Politiker und Bischöfe sollten, in meinen Augen, unterschiedlich gewichtet sein.
Er hat mit seinem Einsatz für die Flüchtlinge seiner Landeskirche eine Vorgabe gemacht, auch in seinem Hinweis, das Fremdenfeindlichkeit bei uns keinen Raum haben darf.
Er setzt sich für bestimmte Menschen nicht ein? Wo wurde das denn in seinen Worten der Predigt deutlich? Mir ist jedenfalls nicht aufgefallen, dass er Menschen ausgeschlossen hat.
Aber, das kann natürlich auch mein subjektiver Eindruck gewesen sein. Vielleicht liegt es auch daran, das wir unterschiedliche Erwartungshaltungen, im Blick auf Menschen haben?
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
03. September 2015, 11:23

Meistens ist es doch so, daß bestimmte Leute sich selbst ausschließen!
Zum Beispiel die Truppe des Tom, der den Vogel los ließ!

Beobachter schreibt:
03. September 2015, 11:25

Manche werfen sich auch einen Schal um, der Gotte große Zusage mißbraucht!

albrecht schreibt:
03. September 2015, 14:13

Hallo, lieber Beobachter, sie beobachten sich selber sehr gut!

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