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Gemeinsam nach vorne

Klarheit: Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Bahai und Sikhs verpflichteten sich am Tag der Deutschen Einheit in Dresden auf gemeinsame Ziele – und auch sich selbst.
Andreas Roth
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Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften präsentierten sich gemeinsam zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden – sie setzten ein Zeichen für Frieden und Toleranz. © Steffen Giersch

Das Dresdner Wort der Religionen lag noch gut gehütet in Schreibtischschubladen, da war es schon aktuell. Ein Sprengsatz explodierte sechs Tage vor der Veröffentlichung dieser gemeinsamen Erklärung von Christen, Muslimen, Juden, Buddhisten, Sikhs und Bahai an einer Dresdner Moschee. Am Abend darauf sprach Superintendent Christian Behr bei einer Mahnwache vor den Brandspuren neben dem Imam. »Wir stehen hier zusammen«, sagte er – und lud ins Zelt der sechs Religionsgemeinschaften beim großen Einheitsfest ein. »Wir beklagen, dass sich Menschen zu Hass gegen andere Religionen aufstacheln lassen«, heißt es in dem Dresdner Wort der Religionen, das auf einer Bühne mitten auf dem Bürgerfest zum 26. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung von Vertretern der Religionen verlesen wurde. Unter ihnen Superintendent Behr, der Dresdner Rabbiner Alexander Nachama und der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Schon vorab haben Landesbischof Carsten Rentzing und sein neuer katholischer Amtsbruder Heinrich Timmerevers die Erklärung unterschrieben.

Es ist bemerkenswert, dass sich Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Sikhs und Bahai am Tag der Deutschen Einheit in einem gemeinsamen Zelt präsentieren. Ausgerechnet in der Stadt von Pegida. Hier sind sie alle gleich – als Minderheiten.

Ihr gemeinsames Wort kocht keine geistliche Einheitssuppe, betreibt keine Gleichmacherei der Religionen. Das Papier könne keine theologischen Streitpunkte wie Trinität oder Monotheismus klären, sagt Superintendent Christian Behr. Es ist ein Bekenntnis zu gemeinsamen Werten. Und darin steckt auch einiges an Kritik, die mal die eine, mal die andere Seite trifft.

»Wir beklagen, dass auch in Deutschland Menschen die Religionsfreiheit nicht achten«, heißt es in dem Papier. »Wir verpflichten uns, keine Zerrbilder der anderen Religion zu zeichnen und den interreligiösen Dialog zu suchen.« Das geht auch an christliche Adressen. Wenn die Erklärung die fehlende Glaubensfreiheit und Gleichbehandlung von Religionsgemeinschaften in vielen Teilen der Welt beklagt genauso wie Gewalt im Namen Gottes, spielt dies auch auf die Situation in vielen muslimischen Ländern an. Wenn sich die Religionsgemeinschaften in ihrem Dresdner Wort zur Förderung der »Gleichberechtigung von Männern und Frauen« verpflichten, ist das eine Hausaufgabe für alle.

»Ehrenmorde oder IS-Terror sind nicht in Einklag zu bringen mit den Geboten des Islam«, sagt Muhammed Ronald Wellenreuther, der als Vorstand des muslimischen Marwa El-Sherbiny-Kulturvereins in Dresden die Erklärung unterschrieben hat. »Es gibt eine Minderheit von Muslimen, die nicht auf dem Boden unserer Rechtsstaatlichkeit stehen. Wir als schweigende muslimische Mehrheit, in der die meisten gut integriert und deutsche Staatsbürger sind, hätten uns zu den Terroranschlägen im Namen des Islam viel früher und engagierter öffentlich positionieren müssen.«

Das gemeinsame Dresdner Wort der Religionen tut das in aller Deutlichkeit. Es stellt auch klar, »dass jeder Mensch das Recht hat, seine Religionszugehörigkeit zu wechseln«. Unter muslimischen Flüchtlingen ist das kein Konsens. Er habe nicht jeden Satz mit seinem 3 500 Mitglieder zählenden Verein – darunter viele Migranten – diskutiert, sagt der in Deutschland geborene Muhammed Ronald Wellenreuther.

Mit dem Zentralrat der Muslime lieferte er sich bei den Vorbereitungen für die Dresdner Einheitsfeier eine kleine Kontroverse. Wellenreuther focht für einen Spruch des Propheten Mohammed, der am Zelt der Religionen prangen sollte. Und er bekam ihn durch. Seine Aussage: Behandele jeden Menschen so wie deinen eigenen Glaubensbruder.

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2 Lesermeinungen zu Gemeinsam nach vorne
Birkener schreibt:
05. Oktober 2016, 19:54

Wie behandelt ein Moslem wohl seinen Glaubensbruder. Es gelten wohl die Gesetze der Scharia.
Möchten wir das?
Ich möchte das wir Andersgläubige mit Achtung entgegentreten. Ich möchte, dass wir unseren Glauben an Jesus Christus offen bekennen und leben. Kein Wischi Waschi!

Leserin schreibt:
07. Oktober 2016, 13:11

»Wir als schweigende muslimische Mehrheit, in der die meisten gut integriert und deutsche Staatsbürger sind, hätten uns zu den Terroranschlägen im Namen des Islam viel früher und engagierter öffentlich positionieren müssen." Da habe ich von anderen muslim. Vetretern ganz andere Aussagen in Erinnerung, auch in Sachsen. Hiess es nicht immer: "Wir brauchen uns nicht zu rechtfertigen."? Auch "Folter ist gut.", habe ich in Erinnerung, weiss aber nicht mehr genau, woher die Referenten (TU-Veranstaltung) waren. Der neue Vorstand lässt Hoffnung wecken, zumal er lt. facebook auch dem liberal-islam. Bund nahesteht. Ich wünsche mir eine Wiederholung der (manchmal wirklich grusligen) Dialogveranstaltungen der letzten Jahre auf seinem Niveau, Transparenz, welcher Angehörige welches Moscheevereins in wessen Namen spricht (und wie gewählt wird) und nicht zuletzt eine rechtzeitige Veranstaltungsankündigung durch den Sonntag.

Tageslosung

Gehorsam ist besser als Opfer.

(1.Samuel 15,22)

Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.

(Lukas 11,28)

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