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Die Kirche hat eine Wahl

KV-Wahl: Für die Wahl neuer Kirchvorsteher in Sachsen im September werden nun Kandidaten gesucht. Erstmals gilt für Senioren keine Altersbeschränkung mehr. Und für die Jugend ist ein fester Platz vorgesehen. Doch die großen Gemeindestrukturen sind eine Herausforderung.
Uwe Naumann
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Was ist Kirche für mich? Mit dem offenen Satz »Kirche ist...« wirbt die Landeskirche für die Wahl zum Kirchenvorstand im September (siehe: www.kirchenvorstand-sachsen.de). © Grafik: evlks/so

Routinearbeit im Kirchenvorstand? Sandro Berthold aus Tellschütz bei Leipzig wünscht sie sich. Denn in den vergangenen Jahren war Außerordentliches zu leisten: Kaum war Berthold Kirchvorsteher in Tellschütz geworden, da brannte die sanierte Dorfkirche vollständig nieder. Fortan herrschte Ausnahmezustand in der kleinsten Kirchgemeinde Sachsens – bis zur Einweihung der wiederaufgebauten Kirche vor wenigen Wochen.

Was Sandro Berthold in sechs Jahren in und mit dem kleinen Tellschützer Kirchenvorstand bedacht und gebetet, diskutiert und beschlossen hat, ist kaum auf andere Gemeinden übertragbar. Aber gewisse »Routine-Aufgaben« haben alle Leitungsgremien der über 600 Kirchgemeinden Sachsens zu erledigen: Haushaltspläne, Gebäude, Personal, Friedhofsordnung, Gottesdienste, Kirchenmusik – um nur einige zu nennen. Doch jedes Jahr kommen auch neue Regelungen und Möglichkeiten auf die derzeit rund 7100 Kirchvorsteher in Sachsen zu. Manche betreffen auch den Vorstand ganz konkret: So entschied die Landessynode 2018, dass es keine Altersgrenze von 68 Jahren mehr für Kirchvorsteher gibt; und dass in jedem Kirchenvorstand ein Platz für Jugendvertreter im Alter bis 27 Jahre vorzusehen ist. Mit der Wahl im September wird das nun wirksam.

Trotzdem sieht es Joachim Wilzki als Herausforderung, dass genug geeignete Kandidaten für den Kirchenvorstand gefunden werden – auch wegen den zunehmend großen Verantwortungsgebieten. Der Leiter der landeskirchlichen Ehrenamtsakademie beobachtet zwar allgemein eine stabile ehrenamtliche Beteiligung in den Gemeinden, trotz sinkender Gemeindegliederzahlen. Der Scheitel sei aber erreicht. »Höher wird die Beteiligung nicht mehr werden«, erwartet Wilzki.

Das Amt des Kirchvorstehers ist dabei ein besonderes innerhalb der kirchlichen Ehrenämter, denn es umfasst die Leitung der Gemeinde in all ihren Bereichen. Vor der Gemeinde geloben die Kirchvorsteher, »Verantwortung zu übernehmen für den Gottesdienst, für die pädagogischen und diakonischen, ökumenischen und missionarischen Aufgaben der Gemeinde sowie für Lehre, Einheit und Ordnung der Kirche«.

Doch was und wie Kirche ist, dazu gibt es verschiedene Auffassungen. Sandro Berthold aus dem kleinen Tellschütz stellt im neuen Schwesterkirchverhältnis mit Markkleeberg »grundlegende Abweichungen zwischen ländlich und städtisch geprägten Gemeinden« in ihren Themen fest. Im Zuge der Strukturreform, die Gemeinden und ihre Vertreter neu miteinander ins Gespräch bringt und manchmal zwingt, dürften viele Kirchvorsteher auf ähnlich unterschiedliche Vorstellungen gestoßen sein.

Das Motto zur Kampagne für die Kirchenvorstandswahl 2020 ist deshalb passend gewählt: »Kirche ist …«. Die Ergänzung dieses Satzes ermögliche es, »viele Perspektiven und Erfahrungen einfließen zu lassen«, heißt es im Vorwort des Informationsheftes zur KV-Wahl. »Unsere Kirche braucht diese unterschiedlichen Perspektiven! Sie sollen gehört, wahrgenommen und ernstgenommen werden«, schreiben Vertreter von Landeskirchenamt und Landessynode. Dies sei eine wichtige Aufgabe für das Leitungshandeln vor Ort ebenso wie für Kirchenleitung, Landessynode, Landeskirchenamt und Landesbischof.

Nach der Wahl wird in jedem Kirchenvorstand neu über die Frage verhandelt werden, was Kirche für jeden Einzelnen ist. Erst wenn dieser Rahmen steht, können auch die »Routine-Aufgaben« angepackt werden. Sandro Berthold will es wieder versuchen.

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