Christus ist unter uns

Weihnachten: In diesem Jahr scheint die Weihnachtsbotschaft von der Gottesnähe in scharfem Kontrast zur Wirklichkeit zu stehen, die uns das Fürchten lehrt. Doch auch das erste Weihnachten fand in Ängsten und Nöten statt. Es kommt darauf an, in die widerständige Freude der Weihnacht hineinzufinden.
Von Nikolaus Schneider
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»Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren!« (Lukas 2,10f.) Große Freude statt Furcht! Diese alt-vertraute Botschaft des Engels wird am Heiligen Abend wieder weltweit in unzähligen Kirchen zu hören sein. Aber hat diese Weihnachtsbotschaft in unseren Corona-Zeiten überhaupt eine Chance, Menschen zu erreichen? Erklingt diese himmlische Verkündigung nicht als billige Vertröstung? Oder als religiöser Kitsch? Heute, wo die irdischen Nachrichten von den Infektions- und Sterbezahlen uns täglich neu das Fürchten lehren? In der Welt der ersten Weihnacht, damals vor mehr als 2000 Jahren, gab es auch ohne Corona-Pandemie nicht weniger Anlässe zur Furcht. Für die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem zum Beispiel: Wölfe in mancherlei Gestalt gab es genug! Auch kam »von oben« selten Gutes. Dennoch haben die Hirten damals der himmlischen Botschaft getraut. Sie haben sich auf den Weg gemacht, um die Geschichte zu sehen, die Gott ihnen hat verkünden lassen. Sie haben damit eine nachhaltige Freudenbotschaft weitergetragen, die der Furcht trotzte.

Maria, so der Evangelist Lukas, behielt und bewegte die Worte der Hirten in ihrem Herzen. Nicht aber als billige Vertröstung angesichts ihrer Realität. Sie nahm die himmlische Botschaft als Kraftquelle und Wegzehrung für die Wochen, Monate und Jahre »danach«. Für den von Furcht besetzten und oft brutalen Alltag. Für schwere Zeiten, in denen Fragen und Zweifel so übermächtig werden, dass sie Gottvertrauen und Lebenszuversicht zu ersticken drohen.

Das galt damals für Maria und die Weggefährten Jesu. Das gilt heute auch für uns. Lebensumstände und Lebenserfahrungen stellen die Weihnachts-Botschaft der Engel immer wieder neu in Frage. Die große Weihnachtsfreude über Gottes Nähe wird uns immer wieder neu verdunkelt durch große Furcht und leidvolle Erfahrungen von Gottesferne. Aber die biblische Weihnachtsbotschaft ist mehr und anderes als ein religiöser Festtagszauber, der uns die Probleme unseres Lebens und unserer Welt kurzfristig vergessen macht.

Denn wir können darauf vertrauen, dass uns in dem Krippenkind Gottes lebendiges Wort geschenkt ist. Gottes Wort wird uns erfahrbar in der menschlichen Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichte des Jesus von Nazareth. Sie begann in dem Stall in Bethlehem, setzte sich fort mit Verfolgung und Flucht, verband sich mit Kranken, Aussätzigen und Ausgestoßenen und sparte selbst das Leiden und Sterben nicht aus. In dieser Geschichte zeigt sich Gott als Liebhaber des Lebens, der den Weg zu uns Menschen sucht und der mit der Auferstehung Jesu schon auf unserer Erde die absolute Macht zerstörerischer Kräfte und Gewalten bricht. Leider nur bricht – nicht abschafft!

Gerade deshalb ist die Weihnachtsbotschaft des Engels bis heute so wichtig. Deshalb geht unsere Weihnachtsfreude nicht in den Problemen und Ängsten unseres Alltages unter. Deshalb erwächst uns aus der Heiligen Nacht eine große innere Freude, die uns auch in diesen Corona-Zeiten Lebenszuversicht schenkt. Es ist eine widerständige Freude: »Große Freude ist uns verkündigt worden, soll in uns leben, Erbarmen und Zuversicht werden uns begleiten. Christus ist unter uns, urjung und uralt, Freiheit und Erlösung als Geschenk« (Hanns Dieter Hüsch: Das kleine Weihnachtsbuch, tvd-Verlag). Gesegnete Weihnachten!

Nikolaus Schneider war von 2010 bis 2014 Ratsvorsitzender der EKD. 

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