Wenn die Fluten kommen

Hochwasser: Die Flutkatastrophe in Westdeutschland schockiert die Republik. Die Kirchen rufen zu Gebet und Spenden auf. Wo ist Gott in dieser Katastrophe?
Von Stefan Seidel
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Flut Hochwasser 2021
© picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Die Bilder entfesselter Fluten in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind ein Schock. Auch wenn solche Unwetter in Folge des Klimawandels vielfach vorausgesagt wurden, macht die real erlebte Wucht der Naturgewalt fassungslos. Der Gemeindepfarrer des schwer getroffenen Bad Neuenahr, Friedemann Bach, schrieb am Wochenende: »In der Tat ist die Situation vor Ort sehr schwierig, neben sehr vielen Menschen, die ihre Wohnung und ihre Bleibe verloren haben, gibt es so viele – auch Gemeindeglieder –, die vom hereinbrechenden Wasser so überrascht wurden, dass sie nicht mehr ihrer Kellerwohnung entkommen sind. Noch sind längst nicht alle Keller und Tiefgaragen abgepumpt, so dass weiterhin noch Tote geborgen werden.« Auch beklagt er schwere Schäden an seiner Kirche und dem Gemeindehaus. Das gesamte Kirchengestühl der Martin-Luther-Kirche und viel anderes Inventar sei durch das Hochwasser vernichtet – ebenso die Computertechnik und das Archiv des Pfarramtes.

Sachsens Landesbischof Tobias Bilz rief umgehend zu Fürbitte und Unterstützung auf. In einem Brief an die Kirchgemeinden schreibt er: »Wir haben in Sachsen in den letzten Jahrzehnten mehrere große Hochwasser erleben müssen und wissen daher, wie schwer Menschen und Ortschaften durch eine solche Überschwemmung getroffen werden. Wir sind im Gebet bei den Familien, die Angehörige verloren haben oder noch vermissen, wir beten für diejenigen, deren Häuser und Wohnungen zerstört wurden, und für alle, die durch die Überschwemmungen in existentielle Not geraten sind. Möge Gott allen Betroffenen und auch den Helferinnen und Helfern jetzt Kraft und Zuversicht geben.« Außerdem rief er zu Spenden auf das von evangelischer Kirche und Diakonie eingerichtete Spendenkonto auf (Bankverbindung: siehe unten).

Der Präses der betroffenen Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, reagierte unterdessen mit einer Internetbotschaft auf die aufgekommene Frage »Ist die Überschwemmung nicht ein Gerichtshandeln Gottes, mit dem er uns zur Umkehr rufen will?« Dazu schreibt er: »Nein, wir können als Menschen Gott nicht in die Karten schauen.« Er empfiehlt die Lektüre des biblischen Jona-Buches und schreibt: »Gottes herzliche Fürsorge für Mensch und Vieh ist eine Zumutung für alle Untergangspropheten.«

Doch Latzel lenkte den Blick auf die menschliche Mitschuld und fragt: »Entfesseln wir mit unserer Lebensweise zerstörerische Kräfte, die Gott als Schöpfer gerade eingehegt hat?« In diese Richtung äußerte sich auch der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, der gegenüber dem epd ein schnelles Handeln im Kampf gegen den Klimawandel anmahnte. Die aktuelle Flutkatastrophe zeige, wie nötig das sei. »Es müssen oft erst Schocks kommen, damit wir verstehen, dass wir uns bewegen müssen«, so Messner. Ganz konkret sei es nötig, den Schadstoffausstoß weiter zu verringern und die Infrastruktur an die neuen Realitäten des Klimawandels anzupassen. Zudem müsse der Natur wieder mehr Raum gegeben werden, etwa über die Entsiegelung von Flächen, damit das Wasser versickern könne, und durch Renaturierungen.

Und wo bleibt Gott? Präses Thor­sten Latzel hat eine Spur entdeckt: »Heute beim Seelsorge-Gang durch Ehrang zum Verteilen von Kaffee, Brötchen und Keksen trafen wir auf eine Frau aus der Gemeinde. Sie hatte das Kruzifix ihrer katholischen Oma im überschwemmten Keller gefunden und sichtbar nach draußen auf eine rote Kiste gestellt. Der Gekreuzigte im Schlamm der Überschwemmung. Für mich ist Gott heute genau dort gewesen – mitten im Schlamm der Überschwemmung, auf der Seite der leidenden Menschen, wie seit Urzeiten im Kampf gegen die Chaosmächte.«

Spendenkonto der Diakonie RWL:

IBAN: DE 79 3506 0190 1014 1550 20

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