Gesegnet ins neue Schuljahr

Schulbeginn: Mit Hoffen und Bangen blicken viele auf das nun beginnende neue Schuljahr. Wird es wieder so etwas wie Normalität geben? Christen dürfen dabei auf eine besondere Zusage vertrauen.
Von Gabriele Mendt
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© Foto: epd-bild/Jens Schulze

Wisst Ihr noch, wie Schule früher war? Vor Corona? Als noch alle Fächer (fast) gleich bedeutend für die allgemeine Bildung waren? Erinnert Ihr Euch an die Vorfreude auf Mitschüler und interessante Lehrer? An die Raufereien, an das Schaulaufen und das Messen der Kräfte? Den Geruch im Klassenzimmer nach der Sportstunde? Die große Überraschung im Musik­unterricht, als alle – wirklich alle – im Klanglabor musizierten? Das Graffiti-Projekt in Kunst, dessen Spuren noch heute zu sehen sind? Die spannenden Diskussionen zu Sinn und Unsinn, über Gott und die Welt in Reli? Eben »normale« Schule? Wird es dazu kommen, oder wird die Zahl der Schüler und Schülerinnen wachsen, die nicht wissen, wie sich normale Schule anfühlt? Sich aber auskennen mit digitalen Lernformen? Und sich sorgen um Mitschüler, die abgetaucht sind, weil sie keine Lust mehr haben auf Herunterladen von Aufgaben in der Nacht, da tagsüber die Geschwister am Rechner kämpfen oder das Netz überlastet ist? Oder weil sie Lücken im Lernstoff nicht mehr schließen können?

Nach dem Sommer, einer Zeit niedriger Inzidenz mit Phasen ohne Masken, als Menschen miteinander feierten, sangen und sich Geimpfte vorsichtig umarmten, beginnt ein neues Schuljahr. Lehrer haben vorgedacht, welche Lehrplaninhalte nachgeholt, verknüpft oder weggelassen werden können. Sie hoffen auf die Bereitschaft von Eltern, kontroverse Meinungen, z.B. zum Impfen von Kindern, anständig und maßvoll zu diskutieren. Dass Schüler oder Eltern, die Hassparolen brüllen und Gewalt androhen, zur Rechenschaft gezogen werden. Sie wünschen sich die Besetzung freier Lehrerstellen oder hoffen, dass sie ihre Abordnung an andere Schulen durchstehen werden. Sie freuen sich, wenn Fenster von Klassenräumen ersetzt wurden, damit gelüftet werden kann.

Religionslehrerinnen in den Grund­- schulen hoffen, dass nach anderthalb Jahren Religionsunterricht stattfindet und Reli nicht den sogenannten »Kernfächern« weichen muss. Dass sich doch noch Eltern aus Kirchgemeinden finden, die protestieren bei (coronabedingter) Streichung von Religionsunterricht – so wie Eltern zumindest bei der Streichung von Sport, Kunst oder Musik protestiert haben. Denn wo sonst können 25  400 Schüler, die zu keiner der Evangelischen Kirchen in Sachsen gehören, aber das Fach Evangelische Religion gewählt haben, neben 66  000 evangelischen Schülern aus sächsischen Kirchgemeinden ihre Fragen in der Schule bearbeiten. Wie zum Beispiel: In welcher Welt leben wir? Inwieweit beherrschen wir die Welt und können Probleme lösen? In welchem Verhältnis stehen Gott und das Leid? Wohin mit unserer Angst, mit Einsamkeit, Tod und Trauer? Worauf gründet die Würde des Menschen angesichts drohender Gefahren durch Feuer, Wasser, Klimawandel, Pandemie? Wie werden wir in die Lage versetzt, uns mit extremen Deutungen und Verschwörungserzählungen angemessen auseinanderzusetzen?

Religionsunterricht, evangelische Kindertagesstätten und evangelische Schulen, Gruppen in Kirchgemeinden, Projekte der Evangelischen Jugend, Gottesdienste zum Schuljahresbeginn greifen Sorgen und Hoffnungen von Kindern und Jugendlichen, Eltern und Lehrerenden auf: Sie gestalten Räume, in denen sich Zuspruch und Segen entfalten: Du bist gut von Gott geschaffen. Gott ist zufrieden mit Dir. Du bist gut genug – mit Deinen besonderen Erfahrungen und corona-bedingten Lücken. Wie Jesus, der für Gott gut genug war als Christus. Gott sieht Dich an – liebevoll, mit einem Augenzwinkern. Du bist gesegnet und erfüllt von Gottes gutem Geist – geh mit diesem Segen in das neue Schuljahr. In einem Jahr erzählen wir uns dann einander: Wisst Ihr noch, wie es mit dem Segen war?

Gabriele Mendt ist Referentin für Bildung, Religionsunterricht und Schule im Landeskirchenamt der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens.

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