Dem Herzen folgen

Weihnachtsgeschichte: Sie hatten keinen Platz in der Herberge, heißt es im Lukasevangelium. Wie ist es heute um die Willkommenskultur für Fremde in der Kirche bestellt?
Von Petra Albert
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Migration, Maria und Josef, Flüchtlinge, Kirchenasyl, Weihnachtsgeschichte, Advent
© Benjamin Haas – stock.adobe.com

Migration polarisiert die gesellschaftliche Debatte, insbesondere dann, wenn Men- schen aus Krisenstaaten kommen, um einen Asylantrag zu stellen. Was lösen die Nachrichten und Bilder aus, die uns vom Mittelmeer, von der belarussisch-polnischen Grenze, aus Griechenland, Afghanistan oder den Folterlagern in Libyen erreichen? Welche Gefühle entstehen? Vielleicht eine Mischung aus Hilflosigkeit, Entsetzen, Angst und Hilfsbereitschaft? So wie es jetzt ist, kann es doch nicht weitergehen. Aber wie sonst? Politische Lösungen sind gefragt. Aber nicht einmal innerhalb der EU gelingt es, sich auf ein gemeinsames Asylsystem zu einigen. Stattdessen werden auch an den europäischen Außengrenzen verbindliche Gesetze missachtet und Menschen durch teilweise gewaltsame Zurückweisungen an der Stellung eines Asylgesuchs gehindert. Dabei müsste ein möglicher Anspruch auf Asyl erst einmal geprüft werden.

Betroffen sind Menschen aller Altersgruppen, auch Kinder. Menschen, die fliehen mussten, um zu überleben, und auf der Suche nach Sicherheit sind. Menschen, die es dort, wo sie waren, nicht mehr aushalten konnten und eine Zukunft, eine neue Perspektive für ihr Leben suchen. Menschen, die endlich wieder mit ihren Familienangehörigen zusammenleben wollen. Einige der Menschen kommen nach Deutschland, leben hier bei uns. Von Januar bis Oktober 2021 sind rund 115 000 Menschen neu nach Deutschland gekommen und haben einen Asylantrag gestellt. Von diesen wurden jeweils etwa 3000 Personen Thüringen und Sachsen-Anhalt zugeteilt, aufgrund des Verteilungsschlüssels waren es etwas mehr für Brandenburg (etwa 3500) und Sachsen (etwa 5700). Die Hauptherkunftsländer sind Syrien, Afghanistan und Irak.

Und was tut Kirche? Was können wir tun? Mit Blick auf das Evangelium immer wieder die Menschlichkeit betonen, einen humanitären Umgang anmahnen und da, wo wir uns konkret einbringen können, selbst dazu beitragen. Dabei haben auch Christen keine einfachen Lösungen, differenzierte Sichtweisen sind notwendig. Trotzdem: Menschen in Not beizustehen und sie mitmenschlich zu behandeln gehört zur Nachfolge Jesu einfach dazu.

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat vor ein paar Wochen mit der katholischen Bischofskonferenz und Freikirchen das Grundsatzdokument »Migration menschenwürdig gestalten« veröffentlicht. Dieser Titel ist Programm und eigene Verpflichtung. Christen bringen sich aktiv in den gesellschaftlichen Diskurs ein, führen Gespräche mit politischen Verantwortungsträgern oder handeln zeichenhaft. Ein prominentes Beispiel ist die aus dem Kirchentag entstandene Initiative, Geld für ein Schiff zu sammeln, um nicht zusehen zu müssen, wie Menschen im Mittelmeer ertrinken.

Auch in unseren Kirchen gibt es viel Engagement. Ich denke an ehrenamtlich tätige Menschen, die geflüchtete Menschen bei der Integration begleiten, Kindern bei den Hausaufgaben helfen und Deutsch üben. Ich denke an Pfarrerinnen und Pfarrer, die von Dolmetschern unterstützt Taufunterricht geben und geflüchtete Menschen seelsorglich und mit engagierten Gemeindegliedern auch praktisch begleiten. Ich denke an Kirchengemeinden, die Gottesdienste feiern, in denen das Evangelium in Persisch vorgelesen wird, damit auch diejenigen, die deutsch noch nicht so gut verstehen, den Gottesdienst mitfeiern können. Ich denke an Gemeindekirchenräte, die um die Frage ringen, ob in einem konkreten Einzelfall ein Kirchenasyl gewährt werden soll. Ich denke an Begegnungen mit Menschen, auch über religiöse Grenzen hinweg. Ich denke an Gespräche und Begegnungen, bei denen nicht nur über, sondern mit den Menschen gesprochen wird, ihre Anliegen ernst genommen werden, sie eine Stimme haben. Menschen willkommen heißen, ihnen mitmenschlich begegnen, das ist unsere Stärke. Wir haben Advent, wir öffnen jeden Tag ein Türchen. Warum nicht auch für Menschen mit anderer Muttersprache?

Die Autorin ist Pfarrerin und Beauftragte für Migration und Interreligiösen Dialog in der EKM.

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