Kann Kirche Klimaschutz?

Klima: Die fortschreitende Klimakatastrophe erfordert konkreten Klimaschutz. Die Landeskirche erarbeitet derzeit ein Klimaschutzkonzept. Doch einige Gemeinden haben sich schon auf den Weg gemacht.
Stefan Seidel
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Kirche mit Solaranlage in Kreuzform
Kirche mit Solaranlage in Kreuzform. © Jan Schuler – stock.adobe.com

Auch wenn die Klimakrise zeitweise von der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg verdrängt wurde, bleibt sie unvermindert bedrohlich. Insbesondere die im Zuge der Erderwärmung zunehmenden Unwetter sowie anhaltenden Dürren zeigen das dramatische Ausmaß dieser Krise und erzeugen Handlungsdruck. Die Auswege sind längst bekannt, sie wurden 2015 im Pariser Klimaabkommen formuliert: Die Erderwärmung soll im Vergleich zum vorindustriellen Niveau auf deutlich unter zwei Grad Celsius, idealerweise auf 1,5 Grad begrenzt werden. Dafür muss der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert und perspektivisch eine Treibhausgasneutralität erreicht werden, was eine Energie-, Mobilitäts- und Ernährungswende nötig macht.

Um die nötigen Schritte zu gehen, hat Deutschland ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, das eine Treibhausgasneutralität bis 2045 erwirken will. Auch die Kirche will dazu ihren Beitrag leisten. Im November 2021 hat die EKD-Syn- ode beschlossen, eine Klimaneutralität im Bereich der evangelischen Kirche bis 2035 zu erreichen.

Bereits 2018 hatte die sächsische Landessynode beschlossen, das Landeskirchenamt möge ein Klimaschutzkonzept erarbeiten und 2019 einen Zwischenbericht vorlegen. Dieser besagte dann, dass bislang ein Klimaschutzteilkonzept existiert und seit 2015 rund 150 Gebäude abgegeben wurden, was die »effektivste Form der Verbesserung der CO₂-Bilanz« sei. Im April letzten Jahres hat sich im Landeskirchenamt eine Steuerungsgruppe unter Vorsitz von Oberlandeskirchenrätin Carmen Kuhn gebildet, die ein landeskirchliches Klimaschutzgesetz erarbeiten soll.

Ein zentraler Punkt dabei soll die Schaffung einer zweijährigen Projektstelle eines Klimaschutzmanagers sein, für die derzeit das Antragsverfahren läuft. In diesen zwei Jahren sollen dann die Treibhausgasemissionen im Bereich der Landeskirche erhoben werden, erklärte Oberlandeskirchenrätin Kuhn Anfang Juli beim Frauenmahl der landeskirchlichen Frauenarbeit in Dippoldiswalde. Dies werde vor allem für die 4500 Gebäude der rund 350 Kirchgemeinden und 16 Kirchenbezirke relevant werden, aber auch für die Handlungsfelder Mobilität und Beschaffung, so Kuhn. Auch Solaranlagen auf kirchlichen Gebäuden sollen in den Blick kommen. »Photovoltaik-Anlagen sind ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität«, erläuterte Carmen Kuhn. Der Denkmalschutz sollte hierfür kein prinzipieller Hinderungsgrund sein. In Zwickau, Leipzig, Dresden und Meißen seien schon Solar- anlagen in Kirchgemeinden in Betrieb.

Auf weitere Aktivitäten verweist die Umweltbeauftragte der Landeskirche, Manuela Kolster. So könnten Kirchgemeinden beim Landeskirchenamt 1000 Euro Unterstützung für die Einrichtung eines »Grünen Datenkontos« beantragen, mit dem der Energieverbrauch einer Gemeinde ermittelt und gezielte Klimaschutzmaßnahmen angestoßen werden könnten. Auch bietet Kolster die Begleitung von Gemeinden zur Erlangung des Umweltzertifikats »Grüner Hahn« an. Und im November wird wieder zum Praxistag »Umwelt- und Energiemanagement in sächsischen Kirchgemeinden« in Schmochtitz eingeladen, der zusammen mit der sächsischen Energieagentur SAENA durchgeführt wird und in diesem Jahr das Thema Erneuerung von Heizungsanlagen behandelt.

Die Referentin für Schöpfungsverantwortung in der Landeskirche, Anne Römpke, benennt noch weitere Schritte Richtung Klimaschutz, die Christen und Kirchgemeinden gehen können: Baumpflanzaktionen wie das Konfi-Projekt »Wanapanda«, Klimafasten, aktives Energiesparen, Kleidertauschpartys, Schöpfungsgottesdienste, Verpachtung kirchlicher Flächen nach sozialen und nachhaltigen Kriterien. »Je mehr Gemeinden mitmachen, desto größer wird der gemeinsame Einfluss«, sagt Römpke und ergänzt: »Als Kirchen in Deutschland sind wir insgesamt nach der öffentlichen Hand die zweitgrößte Konsumentin im Land. Wir können also realen Einfluss ausüben. Jede Gemeinde zählt.«

Mehr zum Thema und konkrete Erfahrungen aus sächsischen Kirchgemeinden gibt es hier.

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