Sterben lernen, Leben lernen

Ewigkeitssonntag: Wenn am Sonntag in den Kirchen der Verstorbenen gedacht wird, stellt sich auch die Frage nach dem eigenen Leben und der eigenen Hoffnung. Sind wir bereit für die letzte Reise?
Von Jürgen Mette
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Zu spät«, sagte die nette Dame mit dem mitleidigen Lächeln am Check-in-Schalter des Flughafens, als mir die Maschine vor der Nase abgeflogen war. Ich war im Parkhaus hängen geblieben, weil eine Schranke nicht funktionierte. Diese zehn Minuten und vorher im Stau am Frankfurter Nordwestkreuz hatten mir am Ende gefehlt. Ärgerlich, sehr ärgerlich. »Hätten Sie nicht etwas früher losfahren können?« Gute Frage.

»Zu spät«, sagte die Verkäuferin, die die Wurstschneidemaschine schon zehn Minuten vor Ladenschluss geputzt hatte. Kein Aufschnitt für Leute, die trotz langer Ladenöffnungszeiten notorisch auf den letzten Drücker kommen. »Kommen Sie nächstes Mal doch ein wenig früher!« Aha. Gut, dass ich das jetzt weiß, auf die Idee wäre ich allein nicht gekommen. »Zu spät«, sagte der Eheberater. »Da geht nichts mehr. Das hätten Sie früher aufarbeiten müssen. Das läuft auf eine Scheidung raus.«

»Zu spät«, sagte der Arzt, als die Metastasen bereits im ganzen Körper gestreut hatten. »Wären Sie doch nur früher gekommen, dann hätten wir mit Chemo- und Strahlentherapie noch was retten können!« Zu spät! Welch ein vernichtendes Urteil, wenn es um Leben und Tod geht.

Wir Deutschen gehören weltweit zu den Menschen mit dem größten Sicherheitsbedürfnis. Früh anfangen, bald einzahlen, rechtzeitig dran denken, nachhaltig vorsorgen. Wir stehen auf Vorsorge. Wir sorgen uns rechtzeitig um die Rente und mindestens um eine Zusatzversicherung. Wir sind meistens überversichert.

Nun kann man sich schon für die irgendwann fälligen Beerdigungskosten versichern, denn das kostet selbst bei Sargmodell »Spanplatte rustikal« richtig viel Geld. Wann wird es eigentlich Zeit, sich mit der Frage nach dem Tod zu beschäftigen? Ganz einfach: Bevor es zu spät ist. Solange der Kopf noch klar ist und nicht in der Demenz versinkt.

Darum ist ein Sonntag im November der wichtigsten Frage des Lebens gewidmet, der Frage nach dem Leben und dem Tod, der Frage nach der Ewigkeit. Wir sollten heute fragen, ob ich für die letzte Reise meines Lebens bereit bin, nicht morgen. Diese Frage stelle ich mir vor jedem Flug.

Mir geht immer das Gleichnis von einem reichen Großagrarier durch den Kopf, der alles richtig gemacht hat. Die Ernten wurden von Jahr zu Jahr besser, dass er immer größere Silos bauen musste. Vorsorgen, anlegen, nachhaltig deponieren, damit man die nächste Wirtschaftskrise übersteht. Eine vernünftige Entscheidung. Und dann machte er es sich bequem und bilanzierte: »Liebe Seele, du hast alles gut angelegt, nun lass es dir gut gehen!«

Auch mitten in der Wirtschaftskrise kann die Mehrheit in diese Bilanz einstimmen oder wenigstens hoffen, dass es schon immer irgendwie gut gegangen ist. Schroff und unvermittelt, so erzählt Jesus, sei die Antwort Gottes auf diesen Sparfuchs ausgefallen: »Du Narr! Du kluger Finanzoptimierer! In dieser Nacht wird es um deine Seele gehen. Wem gehört dann, was du im Leben erreicht hast?«

Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich so direkt frage, aber es geht schließlich um Ihr Leben und um das, was Sie mitnehmen können, wenn die Pumpe eines Tages nicht mehr mag oder der Tumor das Kommando über Ihren Körper übernimmt. Die ehemalige Landesbischöfin Margot Käßmann sagte bei der Generalversammlung einer Genossenschaftsbank: »Von allem, was uns gehörte, bleibt uns nur das, was wir verschenkt haben!«

Kommen Sie nicht zu spät, wenn es um das Finale geht. Wenn die scheinbar klugen Anleger und Überversicherten das Urteil »Du Narr!« hören müssen. An alles gedacht, nur nicht an die Ewigkeit. Respekt gegenüber allen, die gut vorgesorgt haben. Aber die eigentliche Lebens- und Sterbensversicherung heißt Jesus. Jesus, der uns hinterlassen hat, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Dass wir alle vor Gott offenbar werden müssen und dass wir zu einer ewigen Gemeinschaft mit Gott bestimmt sind, ganz ohne Leid und Tränen. Wer sich diesem Jesus Christus hier und heute überlässt, für den gibt es kein »Zu spät!« mehr. Ich wünsche Ihnen einen stillen Ewigkeitssonntag.

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